Metadata : Eine Kundgebung des Prinzen Max von Baden.

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Führer  aus  ihrer  Mitte  ihnen  die  Notwendigkeit  der  Aufrechterhaltung  der
Heimatfront  so  deutlich  gemacht  hätten,  wie  den  Soldaten  an  der  Front  es
deutlich  war,  daß  die  Schlachtfront  halten  mußte.  Dann  wäre  nicht  der
Zusammenbruch  gekommen  einen  Tag  vor  der  Waffenruhe.

Der  Umsturz  hat  fich  unwiderruflich!  vollzogen.  In  die  Hände  der
neuen  Regierung  ist  eine  ungeheure  Verantwortung  gelegt.  Sie  kann  uns
als  Nation  retten,  und  sie  kann  uns  als  Nation  zerstören.

Ich  habe  den  Reichskanzler  Ebert  als  einen  Mann  kennen  gelernt,
der  reinen  Willens  ist  und  dem  es  Ueberzeugungssache  ist,  daß  Deutschland
  nur  seinen  internationalen  Pflichten  genügen  kann,  wenn  es  sich
als  Volkseinheit  erhält.  Die  Regierung  kann  uns  vor  dem  Bürgerkrieg
bewahren,  wenn  sie  demokratisch  regiert,  und  ihre  erste,  nicht  aufzuschiebende
Pflicht  ist  es,  sich  durch  eine  verfassunggebende  Nationalversammlung  die
Rechtsgrundlage  für  ihre  Macht  geben  zu  lassen.  Usurpierte  Macht  erträgt
das  neue  befreite  deutsche  Volk  nicht.  Es  hat  sich  durch  die  Bildung  der
Volksregierung  am  3.  Oktober  von  der  Diktatur  Ludendorff  befreit;  es  wird
keine  andere  Diktatur  einer  Minderheitsgruppe  ertragen.  Aber  eine  Schande
wäre  es  für  Deutschland,  wenn  uns  die  Feinde,  die  nur  mit  einer  rechtmäßigen
  deutschen  Regierung  unterhandeln  wollen,  erst  die  Einberufung
einer  konstituierenden  Versammlung  anbefehlen  müßten.

Hier  darf  die  Regierung  sich  nicht  die  Initiative  nehmen  lassen;  wenn
sie  demokratisch  handelt,  dann  kann  sie  sicher  sein,  daß  ihr  die  freiwilligen
Kräfte  aus  allen  Lagern  zuströmen  werden,  um  ihr  bei  der  übermenschlichen
Aufgabe  zu  dienen.

Die  äußere  Disziplin  ist  zerbrochen,  aber  es  gibt  die  Treue  gegen  das
eigene  Volk  und  die  freiwillige  Selbstzucht,  die  aus  ihr  entspringt.  Nur
diese  Treue  hat  uns  im  Westen  vor  der  feindlichen  Invasion  bewahrt;  nur
sie  allein  kann  uns  vor  dem  Bruderkampf  und  der  Anarchie  retten  und  der
Versuchung  zur  Grausamkeit.

Noch  eine  andere  Forderung  möchte  man  in  dieser  Stunde  an  die  Regierung
  stellen:  An  einen  Widerstand  mit  Waffengewalt  gegen  die  Bedingungen
  der  Feinde  ist  heute  nicht  mehr  zu  denken.  Es  gibt  aber  einen
moralischen  Widerstand  gegen  das  Unrecht,  zu  dem  gerade  diejenigen  verpflichtet
  sind,  die  sich  immer  dagegen  gewehrt  haben,  daß  Deutschland  seinen
Feinden  Unrecht  tut.  Die  Feinde  sollten  den  Zorn  des  ganzen  deutschen
Volkes  vernehmen,  und  wenn  die  Regierung  fühlt  wie  das  Volk,  so  soll  sie
es  sagen.

In  den  Auseinandersetzungen  zwischen  Wilson  und  den  Alliierten  hat
Wilson  den  Sieg  des  Wortes  errungen  —  seine  Verbündeten  haben  die
14  Punkte  angenommen;  die  Alliierten  aber  haben  den  Sieg  der  Tat
davongetragen:  die  Waffenstillstandsbedingungen  sind  vom  Geist  der  Geheimverträge
  diktiert,  hinter  denen  nicht  der  Völkerbundgedanke  stand,  sondern
der  Gedanke  an  Raub  und  Ruhm  und  die  Rüstung  für  künftige  Kriege.
Der  Friede  von  Brest-Litowsk,  der  wahrlich  nicht  nachahmenswert  ist,  ist