Full text : Militär-Rechtliche und Militär-Ethische Abhandlungen.

Subordinations-Verletzung  durch  Herausforderung  zum  Zweikampte.  39

Dienstrange  Älterer  sein,  allein  es  kann  auch  der  Fall  vorkommen,
dass  ein  Niederer  oder  im  Range  Jüngerer  einem  Höheren  in  Dienstverhältnissen
  vorgesetzt  wird  und  dann  demselben  Dienstbefehle  ertheilen
  kann.  Es  ist  somit  der  Rittmeister  eines  Cavallerie-Regiments
nicht  Vorgesetzter  eines  Lieutenants  eines  Infanterie-Regiments,  weil
der  Dienstgang  von  diesem  nicht  an  jenen  geht.  Allein  jeder  Höhere
kann  in  das  Verhältnis  eines  Vorgesetzten  treten,  wenn  er  die  Befehlgebung
  auf  eigene  Verantwortung  ergreift:

a)  um  unziemlichen  Benehmen  oder  Excessen  von  Militärpersonen
Einhalt  zu  thun,

b)  um  ein  einheitliches  Commando  verschiedener,  in  keinem  organischen
  Zusammenhange  stehender  Abtheilungen  oder  Militärpersonen
herzustellen.

2.  Die  Herausforderung  muss  im  Dienste  oder  aus  Anlass  eines
vorausgegangenen  Dienstverhältnisses  erfolgen.  Unter  Dienst  werden
alle  Verrichtungen  verstanden,  welche  durch  die  Standes-Obliegenheiten
des  Soldaten  geboten  sind.  Der  Soldat  ist  daher  im  Dienste,  sobald
er  sich  in  der  Verrichtung  seiner  Standes-Obliegenheiten  befindet.  Eine
Herausforderung  wird  daher  dann  als  im  Dienste  geschehen  anzusehen
sein,  wenn  sie  zu  einer  Zeit  erfolgt,  da  der  Untergebene  und  der
Vorgesetzte  in  Vollziehung  einer  Standes-Obliegenheit  begriffen  sind.
Es  ist  kein  Unterschied  zu  machen,  ob  der  Dienst  ein  eigentlich
militärischer  war,  oder  ob  er  eine  andere  Verrichtung,  zum  Beispiel
den  Kanzleidienst,  betraf.

Die  Herausforderung  des  Vorgesetzten  zum  Zweikampfe  ist  aber
auch  dann  als  Subordinations-Verletzung  aufzufassen,  wenn  sie  zwar
nicht  im  Dienste,  aber  doch  aus  Anlass  eines  vorausgegangenen  Dienstverhältnisses
  erfolgte.  Dies  ist  der  Fall,  wenn  eine  vom  Vorgesetzten
im  Dienste  vermeintlich  oder  wirklich  begangene  Ehrenkränkung  oder
eine  dienstliche  Maßregel  (Anordnung)  der  Grund  der  Herausforderung
zum  Zweikampfe  ist,  wenn  zur  Zeit,  als  die  Herausforderung  erfolgte,
das  Dienstverhältnis  bereits  aufgehört  hat.  Selten  wird  von  dem  Provocanten
  ausdrücklich  das  Dienstverhältnis  als  Veranlassung  zum  Zweikampfe
  angegeben  werden.  Allein  dies  macht  keinen  Unterschied,  wenn
nur  durch  die  Umstände  erwiesen  ist,  dass  das  Dienstverhältnis  der
wirkliche  Grund  der  Herausforderung  ist.  Sache  des  Richters  ist  es,
den  eigentlichen  Grund  der  Herausforderung  durch  Erwägung  aller
Umstände  sicherzustellen.  Man  wird  zum  richtigen  Resultat  gelangen,
wenn  man  die  Vorfallenheiten  während  des  Dienstverhältnisses,  die  Stichhaltigkeit
  des  angeblichen  Grundes  der  Herausforderung  und  endlich
den  Charakter  des  Provocanten  in  Erwägung  zieht.

Nach  militärischer  Standesansicht  ist  es  auch  nicht  zulässig,  einen