4—5,. 1611 11
5. Beichshofratspraesident Hans Georg Graf von Januar 6.
Hohenzollern an den Kurfürsten von Sachsen.
Ich bin vorgestern angekommen und habe heute sehr gnädige
und lange Audienz beim Kaiser gehabt!, E. kfl. Gnaden Schreiben
übergeben?, Ihren und Ibres Hauses grossen Eifer zur Rettung des kaiser-M.:
zu contentiren, domitt man sich wurcklicher hilff zu getrösten von
Bohmen vnd den oesterischen erblanden, vitimo ratione protectionis
vnionis. Bayrische Werbung bey Pfaltz. Legation ahn Franckreich.
Befelchshaber. Bourgawe“. —
Wie sehr dem Kurfürsten die Aufnahme Sachsens am
Herzen lag, erhellt auch aus dem eigenhändigen Schreiben, das er am
4. Januar 1611 an den Dompropst von Bamberg, Hektor von Kotzau,
richtete und worin er beklagte, „dass wegen der einnam etlioher gehorsamer
churfürsten und fürsten der rechten A.C. diffioulteten erregt,
so zwar vor mein person der erheblikeit nit befinde sich zu ditfieultirn.
Einmal spüre ich, dass man mit jetziger union nit gesichert,
wie dan erstlich von mir erregt, dass nötig, die sachen besser zu
praeparirn, sed frustra. Bin auch in den verdacht kommen verhinderung
zu thun. Alles ist uf gute hofnung gestelt gewesen; ob
daruf zu bauen, hat der her selbst zu ermessen. Ich hab vermaint
dank zu verdienen, kan jedoch nit verspüren, das eg darvor angesehen.
Was von mir geschehen, ist mit vorwissen Triers, Colns und samptlicher
erzherzogen LL. beschehen, wie dan bevelcht zu schliessen.
Solte es retractirt werden, were es mir nachtheilig, auch ernrürig.
Man will jetzunt fortassis propter ambitionem nichts von solchem
wissen, da doch cum scitu gehandelt. Das directorium wird vil zu
weit extendirt. Haec omnia sub rosa; caetera coram fusius, mit pit
nach verlesung dissen zettel dem feuer zu bevelhen (Wmz., Religionsakten
Bd. 11,00. 103; Kptkop.). — Schon am 5. Januar verständigt der
Kurfürst von Mainz den von Sachsen, dass aus erheblichen Ursachen
der Bundestag verschoben werden müsse ; doch werde er seiner Zeit
seines Versprechens [wegen der Beschreibung] eingedenk sein (Wmz,,
Ä n aA no. 108; Kpt. und Drs., 1. 8807, 20. Buch jülicher Sachen,
. 375; Or.).
ı Hans Georg Graf von Hohenzollern war mit Erzherzog Leopold
Ende November 1610 nach Dresden gereist. (Ueber den Zweck dieser
Reise vgl. vorläufig F. D. Häberlins Neuere Teutsche Reichsgeschichte,
fortgesetzt von R. K. von Senckenberg, XXIII. Bd,,
Halle 1792, S. 370, Anm. e, und A. Gindely, Rudolf II. und seine
Zeit, II, S. 179.) Während Leopold am 13. Dezember vom Kaiser
gerufen nach Prag zurückkehrte (Bericht des pfalz-neuburgischen
Agenten in Prag Dr. Gregor Silbermann an Pfalzgraf Philipp Ludwig
von Neuburg vom 8./18. Dezember in Ma., 297/18, f.78 und 80; Kop.),
bliebder Grafin Dresden zurück und wartete die Zusammenkunftdes Kurfürsten
mit den Herzogen von Coburg und Eisenach ab, die am 20. Dez.
stattfand. Gegenstand der Beratung und Beschlussfassung bildete
die Anteilnahme des Hauses Sachsen an der vom Kaiser beabsichtigten
Exekution gegen die ungehorsamen possidierenden Fürsten in Jülich
und die Anwerbung eines Teils des passauer Kriegsvolks, das in
Jülich verwendet werden sollte. (Protokolle der Verhandlungen
zwischen den kursächsischen und coburgischen Räten vom 12./22. bis
20./80. Dezember in Drs., 1. 8807, 20. Buch jülicher Sachen, f. 495 ff; Or.)
2 Das Schreiben des Kurfürsten an den Kaiser scheint mit dem
bei Hurter, Geschichte Kaiser Ferdinands II, VI. 361, Anm. 48, er-