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in Preußen, eine Entschädigung der Geistlichen für den Ausfall
an Stolgebühren in der Höhe von 600,000 M. pro Jahr. So
erhält auch hier die Geistlichkeit aus dem Steuerbeutel Aller alljährlich
eine Unterstützung für Dienste, die sie vielfach garnicht
leistet. Und wie widerlich nimmt es sich aus, wenn jetzt „liberale“
Blätter dem Volke empfehlen, sich doch trauen und seine
Kinder taufen zu lassen, „da es ja nichts kostet, und die Geistlichen
Alles viel feierlicher und würdiger herrichten“.
Nie hat sich die Gimpelfängerei und das nackte Geldgeschäft
in kirchlichen Dingen unverhüllter gezeigt, wie in dem Treiben
eines großen Theils der protestantischen Geistlichkeit und ihres
„liberalen“ Anhanges, seit Erlaß des Gesetzes über die Civilehe
und die Beurkundung des Personenstandes.
In Folge der Bewilligungen der Liberalen im saächsischen
Landtage beträgt das Budget für die Unterhaltung der protestantischen
Geistlichen über 500,000 Mk. mehr, wie das für die
olksschule.
Solche Thatsachen sind geeignet, die Heuchelei und das reaktionäre
Gelüst unserer Liberalen ins rechte Licht zu setzen.
ie Social-Demokratie, welche der entschiedenste Gegner der
Kirche und der Geistlichkeit ist — mögen liberale Verleumder
auch noch so viel von einem Bündniß der Schwarzen und der
Rothen faseln — verwirft den Kampf mit Gewaltmitteln, mit
Gefängniß= und Polizei-Paragraphen.
Beherrscht die Geistlichkeit das Volk, so ist das die Folge
des Erziehungssystems, das der Staat gehegt und gepflegt hat,
und bei dem er die Geistlichkeit als vornehmste Stütze verwandte,
und dafür gut bezahlte. Erklärte die ultramontane Geistlichkeit,
sich den Ansprüchen der Regierungsgewalt fügen zu wollen, sie
bekäme in Bezug auf die Ausführung ihrer reaktionärn Neigungen
jede Machtvollkommenheit.
Der heutige Staat, und mit ihm die heutige Gesellschaft,
beruhen auf der Achtung, richtiger Unterwerfung vor der irdischen
und himmlischen Autorität, die zu lehren die Geistlichkeit der
berufendste Faktor ist. Daraus erklärt sich die Unterstützung.
die Regierung und Liberalismus — obgleich der letztere seinem
ganzen Wesen nach atheistisch ist — der Kirche angedeihen lassen.
Der Socialismus will die Gleichheit Aller, darum bekämpft
er die Autorität, mag sie sich ihm nun als Vorrecht der Geburt
oder des Besitzes oder des Standes gegenüberstellen. Er betrachtet
die Religion als Privatsache, mit der weder der Staat
noch die Commune das Geringste a thun haben. Beides sind
Organisationen, die sich mit dem Wohlbefinden der Menschen im
Diesseits zu befassen haben; die Religion befaßt sich mit dem
„Jenseits“. Wer für letzteres sorgen will, dem bleibt es unbe-