Kleidung. 155
Kleidung im allgemeinen. Im übrigen sollen sie nach Gestalt und Geschmack der
Frau gewählt und nach der Jahreszeit verändert werden. Durchlässigkeit der
Stoffe läßt sich mit Einfachheit, und praktischer Schnitt mit Schönheit vereinigen.
Um unseren Bestrebungen noch mehr Sympathie zu gewinnen, machen
wir noch auf eine Eigentümlichkeit der heutigen Frauenkleidung aufmerksam:
auf die eigentliche Bedentung der Taille. Sie bewirkt durch das Korsett
ein stärkeres Hervortreten der Brüste und eine stärkere Vorwölbung der
Hüften. Beide sind Teile des weiblichen Körpers, die einen großen Reiz auf
"
–.
Fig. 110. Reformkleid. Nach Dr. Fischer-Dückelmann.
das andere Geschlecht ausüben; denn sie bedingen den weiblichen Typus; ihre
gute Entwicklung gibt Bürgschaft für die Fortpflanzungsfähigkeit der Eigentümerin.
Ein breites Becken sichert Gebärfähigkeit, volle Brüste alle Anlagen
zur guten Amme. Platte Frauen mit schmalen Becken gelten ganz allgemein
als häßlich; sie sind, weil ihr Geschlechtstypns mangelhaft ausgeprägt
ist, für den Mann reizlos. Ganz ebenso gefallen uns schmalschulterige, kleine
Männer mit dünnen Stimmen nicht; denn ihr Geschlechtstypus ist zu wenig
ausgeprägt.
Diese Erklärungen werden mancher Frau sehr trivial klingen; doch
führen sie uns allein auf die letzte Ursache mancher unerklärten Erscheinung
und auf den wahren Grund der unbeschränkten Herrschaft des Korsetts zurück.
Vor Jahren schon habe ich in Schrift und Wort darauf hingewiesen, daß