Metadata : Rummelsburger Kreisblatt. 69. Jahrgang 1914 (69)

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«  Allerhöchster  Gnadenerlaß.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Köntg  von  Preußen  usw.  wollen  angesichts  der  opferwilligen  Vaterlandsliebe,
  die  das  gesamte  Volk  in  dem  Uns  aufgedrängten  Kriege  beweist,  allen  denjenigen  Personen,  welche  bis
zum  heutigen  Tage

I.  wegen  Beleidigung  des  Landesherrn  oder  eines  Bundesfürsten  (8§  94  bis  101  R.  Str.  G.  B.),  wegen

feindlicher  Handlungen  gegen  befreundete  Staaten  im  Sinne  der  88  103  bis  104  R.  Str.  G.  B.,

wegen  Verbrechen  und  Vergehen  in  Beziehung  auf  die  Auslbung  staatsbürgerlicher  Rechte  (88  105  bis

109  R.  Str.  G.  B.),  wegen  Widerstandes  gegen  die  Staatsgewalt  (§8  110  bis  122  R.  Str.  G.  B.),

wegen  Verbrechen  und  Vergehen  wider  die  öffentliche  Ordnung  im  Sinne  der  §§  123  bis  138  R.  Str.

G.  B.,  wegen  Beleidigung  in  den  Fällen  der  88  196,  197  R.  Str.  G.  B.,  wegen  Vergehen  im  Sinne

des  §  153  der  Gewerbeordnung,  wegen  einer  mittels  der  Presse  begangenen  oder  in  dem  Gesetz  Üüber

die  Presse  vom  7.  Mai  1874  (R.  G.  Bl.  S.  65)  oder  in  dem  Vereinsgesetze  vom  19.  April  1908  (R.

G.  Bi.  S.  151)  unter  Strase  gestellten  strafbaren  Handlung
zu  einer  Geldstrafe,  zu  einer  Haftstrafe,  zu  einer  Festungshaftstrafe  bis  zu  zwei  Jahren  einschließlich  oder  zu  einer
Gefängnisstrafe  bis  zu  zwei  Jahren  einschlteßlich  oder

II.  wegen  Dieöstahls  oder  Unterschlagung  (§§  242  bis  248  a.  R.  Str.  G.  B.,  §  138  Mil.  Str.  G.  B.),

wegen  Betruges  im  Sinne  des  §  264  a  R.  Str.  G.,  wegen  strafbaren  Eigennutzes  im  Sinne  der  88

288,  289  R.  Str.  G.  B.,  wegen  Entwendung  im  Sinne  des  §  370  Z  ffer  5  R.  Str.  G.  B.,  oder  wegen

einer  in  dem  Gesetz  betreffend  den  Forstdiebstahl,  vom  15.  Aprtl  1878  (G.  S.  S.  222)  unter  Strafe

gestellten  strafbaren  Handlung
zu  einer  Geldstrafe,  zu  einer  Haftstrafe,  zu  einer  Arreststrafe  oder  zu  einer  Gefängntsstrafe  bis  zu  drei  Monaten
einschließlich  von  Unseren  Gerichten  rechtskräftig  verurteilt  worden  sind,  dtese  Strafen,  sowett  sie  noch  nicht  vollstreckt
  sind,  in  Gnaden  hierdurch  einschließlich  der  noch  rückständigen  Kosten  erlassen,  ihnen  auch  die  etwa  aberkannten
  bürgerlichen  Ehrenrechte  wieder  verleihen.

Ist  wegen  einer  und  derselben  Handlung  zugleich  auf  Grund  einer  nicht  unter  dtesen  Erlaß  fallenden
gorirP  guf  Strafe  erkannt,  so  ist  diese  Strafe  erlassen,  wenn  sie  aus  dem  unter  diesen  Erlaß  fallenden  Gesetze
estgesetzt  ist.

Ist  in  einem  Erkenntnis  auch  wegen  einer  anderen  strafbaren  Handlung  auf  Strase  erkannt,  so  ist  die
wegen  der  unter  den  gegenwärtigen  Erlaß  fallenden  Handlung  eingesetzte  Strafe  in  voller  Höhe  erlassen.

Ist  wegen  derselben  Tat  Geldstrafe  neben  Fretheitsstrafe  erkannt,  so  ist  dte  Geldstrafe  nur  dann  erlassen,
  wenn  die  Fretheitsstrafe  unter  diesen  Erlaß  fällt.

«  Auf  die  Strafen,  die  von  einem  der  mit  anderen  Bundesstaaten  gemeinschaftlichen  Gerichte  erkannt  sind,
findet  dieser  Erlatz  Anwendung,  sofern  nach  den  mit  den  beteiligten  Regierungen  getroffenen  Vereinbarungen  die
Ausübung  des  Begnadigungsrechts  in  dem  betreffenden  Falle  uns  zusteht.

Unser  Staatsministerium  hat  für  die  schleuntge  Bekanntmachung  und  Ausführung  dieses  Erlasses  Sorge
zu  tragen.

Berlin  im  Schloß,  den  4.  August  1914.  gez.  Wilhelm.

ggez.  v.  Bethmann-Hollweg.  v.  Ttrpitz.  Delbrück.  Beseler.  v.  Breitenbach.  Sydow.

v.  Trott  zu  Solz.  Frhr.  v.  Schorlemer.  Lentze.  v.  Falkenhayn.  v.  Loebell.

Kühn.  r.  Jagow.

An  das  Staatsministerium.

Euerer  Hochgeboren  (Hochwohlgeboren)  teile  ich  im  Einverständnis  mit  den  übrigen  beteiligten  Herren
Ministern  mit  folgendem  Bemerken  Abschrift  des  vorstehenden  Allerhöchsten  Gnadenerlasses  ergebenst  mit.

Sollten  in  Fällen  einer  auf  Grund  des  Gesetzes  vom  23.  April  1883  (G.  S.  S.  65)  erlassenen  polizeilichen
  Strafverfügung  Härten  zu  Tage  treten,  die  sich  aus  der  Beschränkung  des  Allerhöchsten  Erlasses  auf  bestimmte
  Gruppen  von  Straftaten  und  auf  die  gerichtlich  ausgesprochenen  Strafen  ergeben,  so  ersuche  ich,  geelgnetenfalls
  die  Aussetzung  der  Strafvollstreckung  zu  veranlassen  und  an  den  zuständigen  Herrn  Minitster  bebufs
Ausübung  des  Begnadigungsrechtes  gemäß  dem  gemeinschaftlichen  Runderlaß  vom  30.  April  1913  (M.  d.  J.  H
d  218;  M.  d.  ö.  A.  III  403  C/IV  46.  115/127;  M.  f.  H.  H##  807  /  HI  2143/  IV  2636;  M.  d.  g.  A.  U.  III
D.  1098;  M.  f.  L.  1  A.  a  1454%  IBIb  D  1870  zu  berichten.  Die  Berichte  können  in  abgekürzter,
tabellarischer  Form  erstattet  werden.

Der  Herr  Justizminister  hat  bezüglich  der  gerichtlichen  Verurteilungen  einen  entsprechenden  Erlaß  an
die  Ersten  Staatsanwälte  gertchtet.

Die  erforderlichen  Ueberdrucke  für  die  nachgeordneten  Behörden  sind  beigefügt.

Berlin,  den  11.  August  1914.  Der  Minister  des  Innern.  von  Loebell.

An  sämtliche  Herren  Regierungspräsidenten  und  den  Herrn  Poltzeipräsidenten  in  Berlin.

Vorstehenden  Allerhöchsten  Gnadenerlaß  und  die  ministerielle  Anordnung  bringe  ich  hiermit  zur  öffentlichen
  Keuntnis.

Fälle,  in  denen  die  Aussetzung  der  Strafvollstreckung  am  Platze  zu  sein  scheint,  wollen  die  Ortspolizeibehörden
  des  Kreises  mir  unterbreiten,  ich  werde  alsdann  an  den  zuständigen  Herrn  Minister  berichten.

Rummelsburg,  den  12.  August  1914.  .  Der  Landrat,  van  Trebra.

Der  Ortserheber  August  Dopbrunz  in  Brünnow  ist  zum  Gutsvorsteherstellvertreter  des  Gutebezirks
Brünnow  ernannt  von  mir  bestätigt  und  vereidigt  worden.
Rummelsburg,  den  13.  August  1914.  Der  Landrat,  von  Trebra.