Bilder aus der letzten Kaiserzeit.
immer sein wollte, nicht vergessen hatte, geht aus seinem
Brief an den Kanzler, datiert Neues Palais, 31. Oktober
1916°) hervor. Am Beginn des dritten Kriegsjahres, nach
dem vergeblichen Kampf um Werdun, den feindlichen Angriffen
an der Somme, in Tirol und im Osten, hatte sich
Rumänien entschlossen, zu den Gegnern überzugehen.
Schnelle deutsche Siege in Siebenbürgen stellten das Gleichgewicht
wieder her. Das schien dem Kanzler der geeignete
Augenblick zu sein, eine lange schon erwogene Friedensaktion
einzuleiten. Es Kam vor allem darauf an, den Obersten
Kriegsherrn dem Plane geneigt zu machen. Das geschah in
einem Vortrag beim Kaiser in Potsdam, der am Abend
desselben Tages in dem erwähnten Brief sich als ein
Herrscher, der ein Gewissen hat und sich vor Gott verantworklich
fühlt, und ein Herz hat für seine und die feindlichen
Menschen“ zu der sittlichen Tat eines Friedensvorschlages
bereit erklärke. Dieses Bekenntnis war doch wohl mehr als
eine Pose, nach seiner innersten Empfindung wäre ihm
nichts lieber gewesen, als das Gelingen der sittlichen Tat.
Diese Stimmung hat freilich nicht lange vorgehalten.
Ein WVierteljahr darauf entschied sich der Oberste Kriegsherr
im Kreise der Generale in Pleß trotz der schwersten politischen
Bedenken für den rücksichtslosen U-Booktkrieg.
Dazwischen lagen der vollständige Mißerfolg des deutschen
Friedensangebokes, die Ablehnung der Milfsonschen
Friedensvermittlung und feindliche Kriegszielprogramme,
die nur durch einen Diktatfrieden verwirklicht werden
konnten. Als der Kanzler, der bisher den unbeschränkten
U-Bootkrieg wegen seiner verhängnisvollen Wirkung auf
Amerika bekämpft hatte, am 9. Januar 1917 zur Beratung
mit den Generalen in Pleß eintraf, teilte ihm der Chef des
*) Abgedruckt in Band II der „Betrachtungen zum Weltkrieg“ von
Th. v. Bethmann Hollweg, Berlin 1921, S. 152.
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