Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

      
 

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Aum̃mer  51

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Mittwoch,  3.  März  10153

 

Die  Verkehrseinschränkungen
in  England.

Kopenhagen,  1.  März.  Die  Blätter  melden
  aus  London,  daß  in  der  Tat  am  1.  März
weitere  Einschränkungen  des  Eisenbahmnverlehrs
in  England  eintreten.  (Wegen  Kohlenmangels,
da  die  Arbeiterhände  fehlen.)  In  der  Grasschaft
London  werden  vom  1.  März  ab  432  Züge
täglich  ausfallen.  Der  Generakbctband  der  Eisenbahner
  beschloß.  infolge  der  Ablehnung  der
Forderung  nach  einer  20  prozentigen  Lohnerhöhung
  die  Vermittlung  der  Regierung  anzurefen
und  bei  deren  Scheitern  am  14.  März  abends
in  England  und  Schottland  den  Generalstreil  zu
proklamieren.

Die  ameritanischen  Waffenlieferungen.


Zürich,  1.  März.  Der  „Newyork  Herald“
meldet:  Jufolge  des  Unterseebrolkrieges  in  den
englischen  Gewässern  sind  15  mit  Kriegsmaterial
  für  England  befrachtete  Dampfer  am  Auslaufen
  verhindert.  ().)

Wilsous  Vorschlag  und  die  Verbündeten.


Parie,  1.  März.  Die  Presse  erklärt.  Wil
sons  Vorschlag  bezüglich  des  Handelskrieges
könne  von  England  nicht  angenommen  werden.
Selbst  Wilson  werde  nichts  anderes  erwartet
haben,  als  daß  die  Verbündeten  die  Blodade
Deutschlands  noec,  verschärfen  müßten,  um  das
Kriegsende  zu  beschleunigen.  Der  „Tempe“  erklärt.
  Deutschland  und  Oesterreick-  Ungarn  seien
ein  ungeheures,  befesltigtes  Lager.  Die  Belagerer
  Prauchten  leine  Nücksicht  auf  die  Hinvilbevölterung
  nehmen.  Das  Ziel  der  Velagsrung
Deutschlands  sei  eben  eine  Kapitulation.  Keine
Intervention  könne  die  Maßnahmen  aufhalten,
welche  getrossen  würden,  um  die  Vlodade  zu
verschärfen  und  die  deutsche  Seeräuberei  zu  beantworten.
  Keine  Eruägung  könne  die  Verbündeten
  veranlassen,  die  gesetzlichen  Waffen
niederzulegen,  über  die  sie  verfügten,  um  eine
Unterwerfung  des  Gegners  zu  beichleunigen.
Das  „Petit  Journal“  sagt:  Die  Zentralmächte,
welsche  den  Krieg  Entfessellen,  wollen  ihn  verlängern,
  indem  sie  die  Verbündelen  zu  zwingen
suchen,  ihnen  Lebensmittel  und  Kampfmittel  zu
liefern.  Dagegen  wollen  die  Verbündeten  die
Gegner  vernichten,  um  den  Krieg  zu  beenden,
indem  sie  den  (Segnern  die  Zufuhr  von  Kamofund
  Lebensmitteln  absperren.  Könne  man  da
noch  fragen,  auf  welcher  Seite  das  öffentliche
Interesse  und  das  Recht  liege?  (Z.)

vom  öfllichen  Kriegsschauplatz.

Kowno  und  Grodno  vor  der  Belagerung.


Kopenhagen,  1.  März.  Aus  dem  Felungsgebiet
  von  Kowno  und  Grodno  wurden
zahlreiche  russische  Juden  ausgewiesen,  weil  sie
in  den  amtlichen  russischen  Listen  als  „politisch
verdächtig“  bezeichnet  waren,  trotzdem  sie  bereits
  jahrzehntelang  im  Feslungsgebiet  wohnten.
  In  den  letzten  Wochen  sind  ahlreiche
verkappte  Deutsche“  verhaftet  worden,  die  nach
Meinung  der  russischen  Behörden  Spionage  getrieben
  haben.  Eine  große  Anzabl  der  Verhafleten
  wurde  nach  kurzem  Verhör  standrechtlich
erschossen.  Im  Festungsbezirk  Kowno  narden
weite  Waldstrecken  niedergelegt,  um  der  Arlillerie
  freie#  Scußfeld  zu  gewähren.  Sappeure
  legten  Fratierminen.  (.)

Der  neue  Bankdirektor.

Roman  von  Reinbold  Ortmann.
Nachdruck  verboten.)

„Außerdem,“  fuhr  Strahlendorf  fort,  „habe
ich  noch  eine  andere  Gefälligleit  von  Ihnen
zu  erbitten.  Ich  wü  insche  unierem  Verwal.
tungsrat  in  Hamburg  einige  vertrauliche  Mitteilungen
  von  höchser  Wichtigkelt  zu  machen,
und  es  liegt  mir  außerordeutlich  viel  daran,
daß  der  betreifende  Brief  nicht  etwa  durch  irgendwelche
  Zufalligkeiten  verloren  geht.  Da  unser
Postdampfer  erit  übermorgen  abgeht,  und  ich
Jden  Antritt  meiner  Reise  nicht  bls  dahin  aufchieben
  kann,  möchte  ich  den  Brief  und  die
Schriftstücke,  die  ihm  beigefügt  werden  sollen,
heute  abend  in  Shre  Hände  legen.  Haben  Sie
also  die  Güte,  sich  gegen  ohen  Uhr  noch  einmal
  herzubemüben.  Ich  ,  bis  dahin  alles
aufgearbeitet  zu  haben,  0n  Ver.  meiner  Abreise
notwendig  noch  erledigt  werden  muß.“

„Ich  bin  selbstverfeändlich  Janz  zu  Ihren
Diensten.  Herr  Direkror!  Was  Sie  da  von  mir
verlangen,  sind  ja  keine  Gefalligleiten,  sondern
Obliegenheiten  meiner  Stellung  die  ich  ohne
weiteres  zu-  gersalllen  habe.“

„Ich  möchte  nicht,  daß  Sie  es  so  auffassen.
sagte  Strahlendorf  nach  einem  kurzen  Zogern.
„Wenn  es  sich  auch  um  geschäftliche  Angeletzenheiten
  handelt,  so  sind  sie  doch  von  einer  so
besonderen  Art,  daß  es  mir  lieb  wäre,  wenn
ich  in  Ihnen  nicht  nur  den  Kollegen,  sondern
auch  den  Freund  sehen  dürste.  Wir  sind  uns
während  unserer  gemeinsamen  Tätigkeit  perlönlich
  nicht  so  nahe  gerückt,  als  es  wohl  häue
geschehen  sollen,  aber  Sie  dürfen  sich  versichert
dalten,  daß  ich  Sie  steto  aufrichtio  gelmänt

 

 

Grodno.

Zu  den  Berichten  aus  dem  Großen  Hauot.
duartier  wird  zurzeil  Grodno  ofl  ernähnt.  Die
Stadt  ist  als  Hauptstadt  des  gleichnamigen  westrussischen
  Gourernements  von  größter  strategischer
  Bedeutung;  liegt  sie  r-  als  wichliger
Eisenbahninotent  umit  an  der  Streäe  Warschau-Petersburg.
  Jeder  Neisende,  d.r  Grodno  besucht,
  wird  sor#rn  umer  dem  Eindru  stehen,  in
einer  echt  russiluen  S:zadl  zu  weilen.  Denn
trondem  ##one  menr  als  50(130  Einwohner
hat,  sind  Uil  taus  meillen  Hänser  nichts  anderes
  als  swarze  olzhutten.  Die  Verwen-5
  Holzes  brim  Duusdau  lag  allerdings
das  Gouvernemenl  Grodno
ist  außero.  d  mo  u  aldte.  die  gtonz:  Bialovischer
  Heid  und  der  lie  sihe  Groonoer  Walo
sind  fast  ur:  richöpflice  Holzqueilen.  Grodno
ist  der  Sitz  des  Go  werneurs  und  gleich  zeitig.
eine  gut  be  #  (hariisonsflad’#,  moher  sich
auch  erklartl,  daß  si.“  die  Ruisen  nall;  der  ver
nichtenden  W  ihrer  10.  Armee  gerade
hier  zu  neuem  Gefechte  gesielli  hbaben.  In  der
russisch-  polnischen  Geschichte  hat  Grodno  wieder.
holt  eine  Rolle  gespielt.  Im  Jahre  12  11  schwer
heimgesucht  durd  den  Ueberfall  der  Tataren,
lam  GGrodno  einige  Feill  sjräter  an  die  Littauer.

Die  Glanzreriode  der  Stadt  jiel  in  die  Jahre
1576  bis  1586,  alo?  Stlephan  Bathori,  der  nach
seiner  Vermählung  mit  der  sjagellonischen  Prinzessin
  Anng  König  von  Polen  geworden  war.
hier  seine  Residenz  aufiching.  Er  hat  während
der  Zeit  seiner  Regierung  sehr  viel  für  Grodno
getan,  dessen  Handel  mit  Geireide  und  Bauholz
  damals  den  erüen  Ausschwung  nahm.  In
(Hrodno  wurden  seit  dem  Eude  des  17.  Jahr
hunderts  die  poluischen  Rein##lune  algele  allen;
hier  unterschrieben  die  polnischen  Nr  dias  de
die  zmeite  Teilung  Polens,  und  hier  i.  shee  S
nislaus  August  Poniatomsli  am  25.  No#:  inher
1795  die  Krone  nieder.  Seit  der  zweilen  Tei
lung  Polens  im  Grodno  in  russischen  Besitz  uber
gegangen,  um  1801  Gonvernementsstadt  zu
merden.  Auch  als  Industriestadt  ist  Grodno
von  Bedeutung.  Es  gibt  dort  in  erster  Linie  Gewehrsabrilen;
  daneben  versorgt  Grodno  das
Gonvernement  nock  mi!  Maschinen,  Wagen,
Seise  und  Lichtern.  Der  lebhaste  Verlehr  wird
dadurch  noch  begünftigt,  daß  ganz  in  der  Nähe
der  Stadt  die  Mineralquellen  von  Druslieniki
liegen,  die  jährlich  von  Tausenden  von  Badegästen
  besucht  werden.

 

    

Von  ben  Slerr.  Kriegsschauziktzen.

Abermals  2000  Russen  in  den  Karpathen
  gesangen.

WIB.  Wien,  1.  März.  Amtlich  wird  verlautbart:
  Erfolgreiche  Kämpfe  in  dem  westlichen
  Abschnitt  der  Karpathenfront  brachten
mehrere  russische  Vorstellungen  in  unseren  Besitz.
  29  O  ffiziere  und  2000  Mann  wurden  hierbei
  gesangen  und  viel  Kriegsmaterial  erbeutet.
In  dem  Raume  südlich  des  Dnjesr  sind  nach
dem  Eintressen  russischer  Verstärlungen  erbitterte
  Kämpfe  im  Gange.  Alle  feindlichen  Angriffe,
  die  auf  unsere  Stellungen  versucht  wurden,
  scheiterten  unter  den  schwersien  Verlusten
des  Gegners.  Jn  Polen  und  Westgalizien  fan—
den  auch  geslern  nur  Oeschützlämpfe  statt.

Russen  in  Weiberkitteln.

WITB.  Wien,  1.  Marz.  Amtlich  wird  vom
Armecoberlommando  berichtet:  Zur  Charakterisierung
  der  russischen  Kampsesweise  sei  erwähnt,
daß  in  letzter  Zeit  russische  Soldaien  als  Frauen
verlleidet  von  guten  Aussichtsposten  auf  unsere
Truppen  seuerten.  Diese  noch  nicht  praktizierte

habe.  Ich  bellagr  es.  daß  wir  elnander  nicht
besser  kennen  geleinnk  haben.  Vicelleicht  wäre
mir  manche  trübe  Eriahrung  und  manchr  schwere
Enttäuschung  eripart  deblieben,  wenn  ich  mich
von  Ihrer  reiseren  Menschenlenntnis  in  meinen
Privatangelegenhenen  ebenso  haite  beraten
lassen,  wie  in  geschnitlichen  Dingen.“

„Sie  sind  sehr  gütig,  Herr  Direktor!  Aber
ich  habe  keinen  Anspruch  auf  besondere  Aner-Tnnung:
  denn  ich  tat  niemals  mehr  als  meine
Pflicht.“

„Nun,  wir  wollen  uns  jeht  nicht  mit  artigen
  Nedensarten  ausbalten.  mein  lieber
Henninger!  Ich  kann  mich  in  diesem  Augenblick
  nicht  so  rückhaltlos  aussprechen,  als  ich
es  möchte;  heute  abend  jedoch  wond  Ihnen
alles  klar  werden.  Es  ist  möglich,  daß  Sie  nuch
selbst  nicht  „mehr  amresien.  Aber  Sie  werden
in  diesem  Fall  auf  meinem  Schreibtisch  außer
dem  bereito  erwahmen  Briefe  uch  ein  für  Sie
beltimuntor  Schrifiund,  par###en.,  5  Ihnen

wunschenswerten  Busciarungen  giet.  Wenn
7“e  es  gelesen  haben,  werden  Sie  erkennen.
von  wie  großer  Bedeutung  namentlich  die  Ratschläge
  sind,  die  ich  Ihnen  in  bezug  auf  Ihr
serneres  Verhalten  gegen  eine  gewisse,  mit
unserer  Bank  bisher  engverbundene  Persönlichkeit
  zu  erteilen  gedenke.  Also  pünktlich  um  zehn
Uhr,  nicht  wahr?

werde  mit  dem  Glockenschlage  zur
Stelle  sein.
Smahiinoon  reichte  dem  Prokurlsten  die
Hand.  „Ich  danke  Ihnen,  denn.  ich  weiß,
ich  die  Angelegenheit,  die  mir  so  sehr  am
Herzen  liegt,  beinen  w  piltern  Händen

übergeben  kaonn,  als  Ihrigen.  Aber  ich
möchte  Ihnen  gern  jede  kn  lüsse  Unbequemlichkelt
  ersparen.  —  Sie  wissen,  daß  mein

 

Verkleidung  russischer  Armeeangehöriger,  die
Weiberkittel  benutzen,  um  den  Feind  zu  täuschen.
ist  geriß  wenig  ruhmvoll.  Den  Abteilungen
des  Feindes,  deren  Soldaten  in  Frauenkleidern
kämrfend  gesangen  genommen  wurden,  wird
die  Anwendung  dieser  Kriegslist  gewi#ß  nicht  zur
Ehre  gereichen.  Natũrlich,  wird  jeder  feindliche
Soldat,  der  in  solch  unwürdiger  Verkleidung
in  unsere.  Hände  fällt,  erschossen.

Gegen  Serbien  und  Montenegro.

Mailand,  l.  März.  Die  österreichische
Flotte  haite  in  groß  ügiger  Weise  die  Abwesen-Deit
  der  französischen  Flotte  benutzt,  um  die
ganze  montenegrinische  Küfte  bis  zur  albanischen
Grenze  zu  beschieffen.  „Unione“  berichtet:  Der
Vorsloß  der  öslerreichischen  Flotte  aus  Cattaro
gegen  die  montenegrinische  Küsle  hat,  nach  den
Berichten  aus  dem  Lande  selbst,  eine  große  moralische
  Wirlung  aus  die  montenegrinische  Bevollerung
  ausgeübt,  die  zum  Teil  sehr  deprimierend
  is#.  Die  Hoffnungen  auf  eine  wirksaome
Hilfe  des  Dreiverbandes  im  Kampfe  gegen
Oesterreich  sind  jetzt  nach  dem  sechsten  Kriegsmonat
  ohnehin  gan;z  gesunken,  selbst  die  montenegrinische
  Presse  ulrrt  bereits  von  den  großen
Enttäuschungen,  die  dem  Lande  bicher  bereitet
worden  sind.  (J.)

v  5

#r  Türkel  un  Weirricg.

Der  türlische  Normarsch  gegen
Aecegypten.

Amsterdam,  1.  Marz.  Neuter  meldet  ofsizirll
  aus  Kairo:  Flieger,  die  über  die  Sinaihalbin#el
  gesiogen  sind,  siellten  sest,  daß  eine
lürlische  Streitmad!  bei  el  Seli  und  die  Dschebial
  Armee  bei  el  Anja  und  Bersheba  stehen.

Die  Türlen  am  Suezkanal.
Turin,  1.  März.  Die  „Stampa“  berichtet

au?  Kairo:  Tüglich  mehren  sich  die  Anzeichen

eines  bevorstellenden  Angriffes  der  Türken  am

Suezlanal.  Kortwährend  sinden  Angrifse  auf
englische  Vorposten  statt.  Nach  der  „Italia“

sind  zwischen  dem  englischen  Oberkommissar  Mac
Mackon  und  dem  General  Maxwell  Streitig
keiten  ausgebrochen,  die  auch  darauf  zurückgehen
  sollen,  daß  die  Türlen  während  des  letzten
  Angriffes  bei  Tussum  eine  Brücke  über  den
Suezkanal  schlagen  konnten.  Mac  Mackon
wünscht  einen  General,  der  sich  ausschließlich
mit  der  Verteidigung  des  Kanals  befaßt,  und
sordert  Maxwells  Rücktritt.  (Z.)
Chios  abgeschnitten.

Kopenhagen,  1.  März.  Aus  Chios  wird
die  völlige  Eichtelleng  der  Fahrten  der  griechi.
schen  Schisse  genelde.  Chios  ist  infolgedessen
abgeschnitlen.  Die  30  000  Köpfe  zählende  Bevöllerung
  lebt  infolge  des  Mangels  an  Mehl
in  Unruhe.  Wenn  nicht  in  den  nächiten  Tagen
die  Fahrten  wieder  beginnen,  ist  eine  Hungers
not  unvermeidlich.  (3Z.)

Eine  abenteuerliche  Fahrt  tapferer
Deutschen.

Konstantinopel,  1.  März.  Der  Kapi.
län  eines  deutschen  Handelsschiffes,  der  mit  15
Mann  seiner  Besatzung  das  Schiff  verließ  und
sich  von  Massaun  bis  nach  Damaskus  mutig
durcksch  lug,  erzählte  über  die  Heldentaten  seiner

Leute:  Wir  erstanden  anfangs  September  ein
Floß,  das  mit  Segeln  versehen  wurde.  Von  der
ajrilanischen  Kũste  aus  erreic  ten  wir  das  große
„Kcer  und  landeten  Ende  Dezember  in  Djeddech
in  Arabien.  Dort  versahen  wir  uns  mit  Wasser

 

und  Munition.  Wir  erfreuten  une  der  herzlichsien
  Teilnahme  der  vsmanischen  Behörden  und
Bevölkerung.  Dann  setzten  wir  unsere  Floßfahrt
  fort.  Nach  secks  Mochen  trafen  wir  im
Hafen  von  Aludja  ein.  Dort  lauerte  uns  ein
englisches  Kriegsschiff  auf;  wir  entwichen  ihm
aber  dank  der  englischen  Dummheit.  Kaum  hatte
un"  das  englische  Schiff  bemerkt,  so  steuerte  es
mit  ganzer  Kraft  auf  uns  zu.  Es  fand  aber
das  Floß  leer  vor.  Wir  halten  und  ins  Wasser
gestuͤrzt  und  schwammen  glücklich  ans  Land.
In  Aludia  stellte  uns  die  Bevölkerung  Kamele
zur  Verfügung,  die  uns  bis  El  Ala  brachten.

dorl  aus  brachte  die  mutigen  Deutschen
die  Eisenbahn  nach  Damaskus.  Sie  nahmen
dort  mit  großer  Tapferleit  an  den  Auftlärungsgesechlen
  am  Suezkanal  teil.  Jetzt  sind
sie  nach  Konstantinopel  untermegs,  um  sich  den
deutschen  Behörden  zur  Verfügung  zu  siellen.

(3.)

Das  deulsche  Reichsschuldbuch.

Die  Einrichtung  des  Reiclsschuldbuches  ist  für
diejenigen  bestiumt,  die  Gelder  in  Deutscher
Reichsanleihe  anlegen  wollen,  aber  nicht  geneigt
sind,  für  die  Ausbewahrung  von  Wertpapieren
und  die  Einkassierung  von  Ziusscheinen  selbst
Sorge  zu  tragen.  Die  Schuldbuckgläubiger  erhalten
  leine  Wertpapiere  und  keine  Zinsscheine,
sondern  haben  eine  verzinsliche  Buch  forderung
an  das  Neich.  Ihr  Reckt  beruht  lediglich  auf
der  Einttagung  im  Schuldbuck,  so  daß  sie  gegen
die  Gesahr  geschützt  sind,  durch  Verlust  oder
Vernichtung  von  Schuldverschreibungen  oder
Zinescheinen  Schaden  zu  erleiden.  Die  Eintragung
  in  das  Reichsschuldbuch  ersolgt  gebührenfrei.
  Die  Jiusen  erhalten  die  Vuchgläubiger
jeweils  einige  Tage  vor  Fälligleit  vhne  beson
deren  Antrag  durch  die  Post  zugesandt.  Sie  lön--nen
  aber  auch,  salls  sie  dies  vorziehen.  und  einen
entsprechenden  Antrag  stellen,  die  Zinsen  bei
den  Reichsbankanstallen  oder  bei  öffentlichen
Kassen  erheben  oder  sie  ihrer  Sparkasse  oder
Genossenschaft  überweisen  oder  übersenden  las.
sen  oder  durch  Vermittelung  eine#  Bankhauses
usw.  in  Empfang  nehmen.

Um  zur  Venutzung  de?s  Schuldbuches  anzuregen,
  pflegen  bei  der  Auflegung  von  Anleiben
den  Zeichnern,  die  die  Eintragung  ins  Schuld
buch  beantragen  und  sich  verpflichten,  ihre  Forderung
  während  einer  gewissen  Sperrfrint  im
Schuldbuck  stehen  zu  lassen,  Vorzugsbedingungen
  bewilligt  zu  werden.  Auch  bei  der  jetzt  auf:
gelegten  Kriegsanleihe  wird  den  Schuldbuchzeichnern,
  die  sich  einer  Sperre  bis  zum  15.  April
1916  unterwerfen,  eine  Preisermäßigung  von
20  Mig.  (98,30  statt  98,50)  für  je  100  Mk.
Neunwert  gewährt.  Für  die  Schuldbuchzeichner
werden  besondere  Zeichnungescheine  (auf  rotem
Papier)  ausgegeben,  die  zugleich  die  Angaben
enthallen,  welche  der  Zeichner  machen  muß,  da
mit  die  Eintragung  in  das  Schuldbuck  bewialt
werden  kann.

Wie  schon  gesagt,  erhält  der  Schuldbuchzeichner
  zunächit  weder  Wertpapiere  noch  zinsschein.
Er  kam  aber  später  nach  Ablauf  der  Sperrfrist,
  wenn  er  aus  irgendeinem  (Zrunde  Wert
Fapiere  zu  erhalten  wünschl,  seine  Forderung
im  Schuldbuch  löschen  und  sich  dafür  Anleihe
stücke  nebst  Zinsscheinen  im  gleichen  Neunbetrag:
ausreichen  lassen.  Es  bedarf  dazu  nur  eines  be.
glaubiglen  Antrages  an  die  Reichsschuldenver.
waltung  und  der  Entrichtung  einer  lleinen  Gebühr
  (75  Pfg.  für  je  1000  Mk.,  mindestens
aber  ?  Mk.).  Ee  sei  indessen  darauf  bingewiesen.
daß  das  Schuldbuch  seiner  ganzen  Einrichtung
nach  nur  fur  solche  Gläubiger  beflimmt  ist,  die
ihr  Geld  auf  längere  Dauer  in  Deutscher  Reick
anleihe  anlegen  wollen  und  die  Absicht  haben,
ihre  Forderung  bie  auf  weiteres  im  Schuldbuch
zu  belassen.  Solchen  Zeichnern  kann  die  Be- 



 

a#rbenss  ummer  außer  dem  Jugang  vom  Hauptkontor
  noch  einen  zwei-  men  von  der  Straße  her
hat,  und  ich  bitte  eir.  diesen  zu  benupen.
Hier  ist  der  Schlüssel  r  den  Fall,  daß  Sie  die
Tür  bereits  versuertt  sinden  sollten.  Ist  es
mir  möglich,  so  werde  ich  Sie  erwarten  —  sollte
ich  aber  durch  zwingende  Umstände  daran  verhindert
  sein,  so  bilt  ie,  mir  während
meiner  Abwesenheit  en  freundliches  Gedenken
zu  bewahren
Henninyer,  der  seinem  Vorgesetzten  gegenüber
  von  eiwer  merkwürdigen  Schweigsamkeit
und  Zurückhaltung  zu  sein  schien,  beschränkte
sich  auch  jenzt  auf  eine  stumme  Verbeugung.
Sein  Gesicht  war  während  der  ganzen  Dauer
des  Gespröches  so  unbeweglich  geblieben  wie
das  Antlitz  einer  Puppe,  und  die  seltsame
Ausdrucksweise  Srrahlenkorfe  die  doch  sicherlich
  jedem  anderen  Anlaß  zur  Verwunderung
und  zu  allerlei  bedenklichen  Vermutungen  gegeben
  haben  würde,  hatte  ihn  offenbar  nicht
im  mindesten  befremdet.  Er  nahm  nun  auch
den  dargereichten  Schlüssel  entgegen,  ohne  daß
ich  auch  nur  das  Ailele  Erstaunen  in  seinen
3%%  Lelpiegelt
ocnn  dole..  ihn  dann  verlassen
baue  8  "(&r  sich  allein  und  ganz  unbeobachtet
wußte,  da  flammte  es  in  seinen  bisher  so  müden
und  gleichgültig  blickenden  Augen  auf,  da  richtete
er  sich  aus  seiner  wochlässigen  Haltung  straff
empor,  und  während  er  sich  in  allen  Gelenken
reckte  wie  jemand,  der  eben  eine  schwere,  an-Aitengenee
  Arbeit  verrichtet  hat,  vergog  er  die
Ealen  Lippen  u  einem  Lächeln,  das  sein
Gesicht  für  eine  Sekunde  in  ein  höchst  widerwaͤrti
  e  verwandelte.
den  iui’mWiis  der  argentinischen
117  herab  ertönte  eben  der  Schlag  der

zehmen  Stunde,  als  Hrumnger  punntli.d,  wle
er  es  versprochen  hatte,  an  der  kleinen  Seitentür
  des  Banlgebäudes  in  der  Calle  San  Marlin
erschien.  Das  Pforichen  war  verichlossen,  und
der  Prokurist  zogerte  eine  Weilc,  ehe  er  sich
des  milgebrachten  Schlüssels  bediente.

ann  aber,  nachdem  er  einen  Blick  zu  den
erleuchteten  Fenstern  des  ersten  Stockwerles
kimorgeworfen.  sieß,  er  ihn  mit  einem  energischen
  in  das  Schioß,  indem  er  vor  sich
hinmurmelte:  „Und  wenn  er  es  getan  häute  —
was  weiler!  G  wird  nicht  gleich  an  dem  Anblick
  sterben.“

Henninger  stieg  die  schmale  Nebentrepce
ndoh  durchschritt  ein  erleuchteles  Vorgemach

und  klopfte  an  eine  Tür.  Von  drinnen  wurode
ihm  keine  Antwort  zuteil,  und  es  blieb  ganz
still,  auch  als  er  zum  zweiten  und  dritten  Maleepocht
  hatte.  Es  war  das  Arbeitsgemach  des
ankdirektors,  das  sich  vor  ihm  austat.

Beim  ersten  Blick  hälte  der  Eintreiende
versucht  sein  können,  zu  glauben,  daß  Paul
Strahlendorf  mitten  in  seiner  Arbeit  von  der
Midigkeit  überwältigt  worden  sei;  denn  er
lag  gleich  einem  Schlasenden  in  seinen  Schreib-**
  rukgelehn.  Der  Kopf  war  nach  hinten
auf  die  Lehne  gesunken,  und  das  Licht  der  über
ihm  drennenden  Gasflamme  siel  hell  auf  das
sorblose,  dorh  vollkommen  ruhige  Antlih.  Aber
es  beleuchtete  auch  den  unheimlichen  schwarzen

leck  an  der  rechten  Schläse  und  die  kleine,
sast  kreierunde  Wunde,  von  der  sich  ein  schmaler
Streiien  geronnenen  Blutes  über  die  Wange
hinabzog  —,  es  glitzerte  in  den  weit  geöffneten.
Hone.  verglasten  Augen,  und  es  ließ  den  Lauf
es  Rovolvers,  der  heben  der  schlaff  herabhängenden
  Hand  des  Toten  auf  dem  Teppich,

 

lon.  in  mattem,  metallischem  Glanze  schimmern.

 

nüß

wer

Mi
Unt
san
den
So
aur
sale

schizuzi