Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

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Südöstlich  von  &
Kompagn'en  und

WITB.  Widen  die
Herlautbart:

Truppen,  die  derartige  Greuel  verübt  haben,  als
außerhalb  des  Gesetzes  stehend  erklärt  und  dementsprechend
  behandelt  werden.  Dos  bulgarische
Volk  ist  von  tiesem  Schmerz  erfüllt  über  die
ron  einem  feigen  Feinde,  der  seine  Tapferke  it
nur  an  wehrlosen.  Opfern  betäligen  kann.  Das
Nollsbewußtsein  iit  empört  über  diese  Barbarei
  von  Hunnen,  welche  Lrie  Skirne  haben,
nen  Anspruch  zu  erheben,  auf  den  Namen  der
Vorhut  der  Zwillsalion  auf  dem  Balkan.  Diese
unnerzeihiiche  Barbarei  wird  unbarmhertzig  gelichtigt
  werden.  Die  Regierung  wird  sofort  entschiedenen
  Prolest  erheben  und  Rumänien  unter
Androhung  von  Repressalien  auffordern,  die
auf  rumänisches  Gebiet  entführten  Bulgaren
wieder  in  Freiheit  zu  setzen.  Die  Presse  verlangt
  eine  internationale  Untersuchung.

In  Bularesl  scheint  man  sich  der  Gefahr  be-Wuet
  zu  werden,  die  eine  derartige  Unterfuchung
  für  das  Ansehen  der  rumänischen  Armee
und  Nation  bergen  würde.  Deshalb  beitreit
man  sich  dort,  das  Schreckgespenst  einer  Re-Trolution

  vorzuspiege"n,  und  man  behauptet,  daß
die  Bevölkerung  sich  gegen  die  rumänische  Herrschaft
  erhoben  hätte  und  mit  Wafsen  in  der
Land  mit  den  bulgarischen  Truppen  gemeinsam
rorgehe.  Diese  Legende  würde  nur  eines  beweisen,
  nämlich  die  Anhänglichleit  der  Dobrud.
scha  an  Bulgarien  und  die  im  Jahre  1913  durch
ihre  erzwungene  Angliederung  an  Rumänien
begangene  Unbill.  Aber  es  kann  keineswegs
on  einer  Revolution  in  einer  durch  ihre  Besiter
  vernichteten  Provinz  die  Rede  sein  Kein
Aufstand  ist  dort  ausgebrochen,  meder  vor

sloch  nach  der  Kriegserllärung.  In  Wirklichkeit
Truppen  der  großen  rumänischen
re  in  der  Dobrudscha  nur  die  unbewaffne.
mwohner  getötet:  namentlich  aber  Krauen

Oestlicher  inder,  um  daselbst  nicht  eine  Spur  der

schen  Bevöllerung  zu  belassen.

(sia,  15.  Sept.  Die  allgemeine  Entrüüber
  die  unmenschlicken  Gewalttaten  der

solgreichen  Vorstäuischen  Truppen  an  vulgarischen  Frauen

Die  Kä-Gunit


Rumänien
An  der  rusiisge.

meuerlich  eulünntänischen  Missetätern  Vergeltung  üben  zu
nien  der  knnen

nich  Kindern  in  der  Dobrudscha  steigt  ins  Un.
essene.  Alt  und  jung  verlangt  in  die  Armee
gereiht  zu  werden,  um  an  den  entmenschten

Man  verlangt,  daß  die  Regierung  unrerzaglich
  Repressalien  gegen  die  rumänischen
Gesongenen,  namentlich  die  Offiziere,  auwendet.
Die  bulgarische  Regierung  hat  an  der  Hand  authemischer
  Dokumente  und  nach  sorgsaltiger
Untersuchung  einwandfrei  feutgestellt,  daß  rumänische
  Behörden  Mitglieder  der  bulgarischen
Veröllerung  in  der  Dobrudscha  kurz  vor  der
Flucht  der  Rumänen  den  Russen  übergeben  haben,
  und  daß  diese  Unglücklichen  von  den  Nussen
  wie  gemeine  Verbrecher  nach  Sibirien  verschict
  wurden.  Bisher  hat  dieses  Los  über  hundert
  Mämer  und  Junglinge  getroffen.  Die  zurückgebliebenen
  Familien  der  Verbannten  wurden
  aller  Mittel  beraubt  und  sind  der  bittersten
Not  preisgegeben.

4  "

Das  Ballun-Unternehmen.

Die  Bulgaren  in  Kavalla.

Sofia,  16.  Sept.  Der  bulgarische  Generalstab
  teilt  unter  dem  16.  Sept.  mit:  Am  12.
Sept.  haben  wir  die  Stadt  Kavalla  eingenommen.
  Zufolge  eines  Ablommens  zuwischen  der
Obersten  Heeresleitung  und  dem  Kommandanten
  des  4.  griechischen  Korps  werden  die  gFriechsschen
  Truppen  nach  Deutschland  abtransportiert.
  Der  Abtransport  hat  am  15.  Sept.  begonnen.
  —  Gestern  hat  die  feindliche  Flotie  den
Hasen  von  Kavalla  und  die  äußersten  Stadtviertel
  beschossen.  Die  Kasernen  am  Westende
der  Stadt  stehen  in  Flammen.  Opfer  sind  leine
zu  beklagen.

Sarrailgeht.

Lugano,  17.  Sept.  Wie  der  fast  immer
mohl  insormierte  Berichterstatter  der  „Stampa“
  aus  Rom  meldet,  gilt  die  Abberufung  Sarrails
  jetzt  als  endgültig  beschlossen.  Sarrail
soll  drrch  General  Gouraud  ersetzt  werden,  der
eine  Zcitlang  auf  Gallipoli  kommandierte  und
dor!  einen  Arm  verlor.  Gouraud,  der  vor  dem
Krieg  gegen  den  Sudau  und  die  Marokkaner
lämpfte  und  einige  Zeit  Kommandant  von

Fez  war,  hat  an  der  deutschen  Westfront  an
den  eilen  franzdi#schen  Riederlagen  dieses  Krieges
  teilgenommen.  Nach  seiner  Verabschiedung
von  Europa  und  Berufung  nach  den  Dardanellen
  wurde  er  dort  schwer  verwundet.  Er  ist  anit
seinen  44  Jahren  vielleicht  der  jüngste  franzöfische
  General.

 

Das  nue  griechische  Kabinett.

Athen,  16.  Sept.  (Agence  Havas.)  Es  iit
ein  Kabinett  Calogeropulos  gebildet  worden.
Calogeropulos  übernimmt  den  Vorsitz  im  Minisierium
  und  zugleich  das  Kriegs=  und  Fi—
nanzministerium;  Damiaros  wird  Marinemi-=nijler.


Wenn  der  Vierverband  in  Mitteleuropa  auf
Granil  beißt,  so  beißt.  er  in  Griechenland  auf
Kantschuk.  Er  erreicht  in  Griechenland  alles  uno
erreicht  doch  nichts.  Auch  Calogeropulos  ist
leinesfalls  der  Mann  der  Entente.  Er  pgehört
der  Partei  des  verstorbenen  Staatsmannes
Theotolis  an  und  stehl  seit  dessen  Tode  an  der

Spitze.  Diese  Partei  ist  scharf  antivenizelistisch
und  darf  alles  mehr  denn  vierverbandsfreunolich
  bezeichnet  werden.  Irgend  welche  Handlungen
  gegen  den  König,  wie  sie  der  Vierverband
  wohl  gerne  sehen  würde,  sind  von  diesem
Manne  kaum  zu  erwarten.

London,  16.  Sept.  Dem  „Daily  Telegr.“
weird  aus  Athen  vom  14.  September  gemeldet:
Dimitraktopulos,  der  sich,  wie  bereits  gemel
det,  geweigert  habe,  ein  Kabinett  zu  bilden,  ist
zu  diesem  Entschluß  nach  einer  Unterreoung  gelangt,
  die  er  am  Mittwoch  mit  dem  englischen
Gesandten  hatte.  Diunitrakopulos  hatle  Freiheit
für  die  innere  Politik  verlangt  und  die  soforlige
  Abhaitung  der  Wahlen  gewünscht,  sowie.
daß  die  Regierung  als  polilische  Partei  daran
Teil  nehme.  Dieser  letzere  Vorschlag  stind  aber
im  Widerspruch  zur  Nole  der  Entente  vom  21.
Juni.  in  der  ausbedungen  worden  war,  daß
die  Wahlen  von  cinem  nich#politischen  Kabinett
  abgehalten  werden  sollten.  Der  britisch:
Gesanote  war  denn  auch  gegen  die  von  Dimi
trakopnios  vorgesschlagenen  Maßnahmen.

 

Berschlebene  Nachrichten.

Berlin,  17.  Sept.  Gestern  früh  wurde  die
26  Jahre  alte  Friseuse  Johanna  Ellmann  hingerichtet,
  die  mit  der  23jähr.  Fabrikarbeiterin
Sonnenberg  am  15.  März  in  einem  Friseurladen
  an  der  Elsässerstraße  die  32  Jahe  ale
Arbeiterin  Martha  Franze  ermordeten  und  dabei
  40  Mark  und  einige  Einrichtungsgegenstäude
  raubten.

Graz.  17.  Sept.  Die  Ortschaft  Ober-Pichling,
  am  Fuße  der  Koralpe,  wurde  dieser  Tage
von  einem  schweren  Erdsloß  heimgesucht.  Mehrere
  Gebäude  stürzten  ein  und  begruben  21
Personen  unter  den  Trümmern.  Bisher  wurden
13  Leichen  geborgen.

ot-  sab  Versanglnachrichten.

München,  17.  Sept.  Erbprinz  Albrecht  üst
vom  Besuche  bei  seinem  Vater,  dem  Kronprin- 



zen  Rupprecht,  aus  dem  Hauptquartier  wieder

hier  eingetroffen.

Käünchener  Deuigteisen.

münchen,  17.  Sept.  In  der  Nacht  zung
Sonntag  spielte  sich  im  Englischen  Garten  nächst
der  Königinstraße  ein  Liebesdrama  ab.  Passanten
  hörten  plötzlich  aus  einem  Gebüsch  zwei
Schüsse  sallen.  Als  man  den  Schüssen  nachging,
  sand  man  auf  einer  Bank  fest  aneinander
geschmiegt,  ein  Liebespaar  tot  auf.  Der  Revolver
  lag  neben  der  Bank  und  Briese  an
Münchener  Angehörige.  Beide  waren  elegant
gekleidet.  Es  handelt  sich  um  den  28jährigen
Leutnant  a.  D.  Joseph  Lindhuber  und  um  die
22  Jahre  alte  Schneidermeisterstochter  Eleonore
Zubeniz  von  München.

Bayerhche  Nacheichiru.

Hfaffenhofen,  17.  Sept.  In  verschiedenen

Blättern  wird  mitgeteilt  daß  Dr.  Heim  den
Mantelbergerhof,  eines  der  schönsten  Bauern-Anwesen
  „mit  dem  gesamten  Grundbesitz  für
seine  Genossenschaft  angekauft  haben  soll,  um
dort  ein  Invalidenheim  für  alte  Dienstbolen  zu
errichten.  Wie  wir  erfahren,  ist  es  richtig,  ouß
der  Hof  in  den  Besitz  der  Jentralgenossenschaft
übergegangen  ist;  Bestimmungen  über  die  künftige
  Verwendung  des  Hofes  sind  jedoch  noch
nicht  getroffen.
I

 

 

vz..

 

Bwerisches  Oberland

Sbersberg,  17.  Sept.  Die  Ausstellung  der
Bezugsscheine  zum  Erwerb  von  Web-,  Wicl  u.
Strickwaren  ist  un  Amtsbezirk  Ebersberg  den
Gemeindebehörden  übertragen;  die  Bezugscheine
brauchen  also  vom  K.  Bezirksamt  Ebersberg
nicht  gestempelt  sein.

Miesbach,  17.  Sept.  Die  mißlichen  Wütte,
rungsverhöltnisse  brachten  es  mit  sich,  daß
für  Sonntag  angesetzte  Taubenberg-Turnfest  *
Wasser  siel.  Verschiedene  Belanntgaben  an  den
Bah#hösen  führten  jeroch  eine  Anzahi  Turner
nach  dem  Taubenberg,  die  dann  die  Wettbe
werbe  austrugen;  die  Hauptentscheidungen  werden
  aber  erst  kommenden  Sonntag  fallen.  Bemerkt
  sei,  dall  nachilen  Sonntag  die  Weltlämpfe
bei  jeder  Wuterung  zur  Durchführung  lommen.

 

Kreisverband  oderbayer  gew  rbl
Gerossen  chaften.

Rosenheim,  den  17.  September.

Unter  der  Leitung  seines  Vorsitzenden,  des
Neichstagsabgeordneten  M.  Irl,  hielt  heute
der  Kreisverband  oberbayer.  gewerblichen  Genossenschaften
  in  Rosenheim  im  Weinhaus  Fortner
  seine  dritte  Kreisversommlung  ab.  Sie
war  aus  ällen  Teilen  Oberbayerns  von  vielen
Genossenschaften  zahlreich  besucht;  auch  Reichstagsabg.
  Schirmer  und  die  Vorsitzenden  der
Handwerkskammer  und  des  Handwerlerbundes
wohnten  der  Tagung  an.  Als.  Vertreter  der
Stadt  Rosenheim  begühte  Hof  Schlossermrier
  Magistratsrat  P.  Wolf  die  Tagung,  während
  die  gewerblichen  Genossenschaften  Nosenbeims
  durch  Weisgerdermeisser  Bauer  Grußz
entbieten  ließen.

Abg.  Jrl  wies  in  seinen  Begrüßungsworten
darauf  hin,  daß  die  Genossenschaften  im  Krieg
erst  recht  vaterländische  Pflichten  zu  erfüllen
haben;  ihr  hauptsäckjichster  Zweck  ist  es,  in
dieser  Zeit  das  Geschäftsleben  aufrech!  zu  erhalten.
  Besondcre  Erinner  ungworte  widmete  er
den  Nämpfern  an  vet  Front,  die  schon  gesallen
sind  oder  noch  Strapazen  für  uno  erdulden.
Auch  des  Könighauses  gedachte  er,  das  für
das  Handwerl  siets  wärmes  Interesse  gezeigt,
und  der  Regierung,  welche  die  Entwickelung  des
Gewerbewesens  immer  nach  RKräften  gesördert
hat.

Den  Bericht  über  die  oberbauer.  gewerbl.
Genossenschaften  Ende  1915  erflattete  Direktor
Mertel.  Er  konnte  feststellen,  daß  Oberbayern,
was  die  Zahl  der  Genossenschaften  und  ihrer
Mitglieder  anbelangt,  an  der  Spitze  aller  Kreisverbände
  marschiere.  Zunächst  erstattete  er  den
Bericht  über  die  Kreditgenossenschaften,  soweit
sie  dem  oberbaner.  Kreisverband  oder  dem
Landesverbund  angeschlossen  sind.  Sie  haben
zusammen  359.000  Anteilsummen  und  145.000
Marl  Reserven,  somit  ein  eigenes  Betriebskapital
  von  504.000  Mark.  Die  Kreditoren  betragen
  1.646.000  Mark.  die  Spareinlagen  Mark
2.356.000,  sodaß  also  die  fremden  Velder  rund
vier  Millionen  Marl  ausmachen.  Der  Gewinn
stellt  sich  auf  q6.000  Mark:;  eine  Genossenschaft.
die  dem  Kreisverband  nicht  angeschlossen  ist,
hatie  einen  Verlust  von  193  Mark.  Die  Debitoren
  betragen  3147½00  M.,  Wechsel  sund  für
1  0  Mark  vorhanden.  Die  eigenen  Werlpanierrd
  stellen  sich  auf  352.000  Mark,  während
die  eigenen  Hypotheken  6.000  Mark  und  die
Immobilien  26.000  Mark  erreichen.  Einschlicß-#ch
  der  Haftsumme  slellt  sich  das  Deckungsverhältnie
  auf  48  .  und  bietei  damit  eine  gute  Risilo-
  Prämie.  Insgesamt  giebt  es  in  Ober
bayern  25  gewerbl.  Kienitghosense  aften.  Weiler
  redete  der  Berichterstatter  der  Erhöhung
der  Geschäftsanteile  von  100  auf  200  Mark
das  Wort,  um  die  eigenen  Mitltel  zu  ilärlen
und  nach  außen  stärker  dazustehen.  Die  Zahl
der  Einzelmitglieder  beträgt  2.263,  die  Haftsumme
  beträgt  1.517.000  Mark.  Im  Interesse
des  Ansehens  der  Genossenschaften  empfiehlt

der  Berichterstatter  serner,  die  Gewminn=  und

Verlustrechnung  jeweils  mit  den  Bilanzen  zu
veröffentlichen.

Nach  dem  Bericht  über  die  Werk=  und  NRohsoffgenossenschaften
  stellen  sich  deren  Geschäftsanteile
  auf  366.000  Mark,  die  Reserven  auf
4  ·  Marl,  insgesamt  also  fast  800.000
Mark.  Die  Kreditoren  betragen  2.458.000
Mark,  der  Gewinn  erreicht  142.000  Marl.  Die
Debitoren  lleben  mit  1.176.000  Mark  zu
Buche,  die  eigenen  Werpapiere  mit  20.500
Mark.  Zwei  Genossenschaften  hatten  einen  Verlust
  von  6.100  Mark.  Der  Kreisverband  zählt
16  Rohstoffgenossenschaften,  während  14  dem
Landesverband  angeschlossen  sind.  Die  Haft
summe  aller  Fohstesfgemolsenschafte  erreicht  den
Betrag  von  2.949.000

 

Die  Kredit.  und  Rohstoffgenossenschaften  ha  ·
ben  somit  zusammen:  1.297.000  Mark  eigenes
Kapital,  4.200.000  Mark  fremde  Gelder,  Mark
2.458.000  Kreditoren,  4.323.000  Mark  Debi.
toren,  101.000  Marl  Wechsel,  557.000  Mark
eigene  Werlpapiere  und  1.279.000  Mark  Immobilien.
  Sie  arbeilen  mit  einer  Bilhr  J##me
von  8  Millionen  Mark  und  stellen  som..  n  An.
betracht  ihrer  Jugend  einen  hervorragenden
Wert  dar.  Die  Zahl  der  gewerblichen=  und
Nohstoff=  Genossenschaften  in  Oberbayern  beträgt
  62  mit  4.971  Einzelmitgliedern.  Sie  slehen
  damit  an  der  Spitze  sämtlicher  Kreieverbände.


In  einem  zweiten  Bericht  behandelte  Direltor
  Mertel  die  fünfte  Kriegsanleihe.  In  warmen
  Worten  legte  er  den  Genossenschaften  die
Bedeulung  der  Kriegsanleihe  nahe;  die  Masse
der  Zeichner  muß  wirlen.  Besonders  empfahl
er  allen  den  bargeldlosen  Schedrerlehr,  namentlich
  nach  dem  1.  Oltober,  wenn  der  Schec.
siempel  in  Wegfall  gelommen  ist.  Die  Zeit
werde  hoffentlich  vorüber  sein,  daß  ein  Ve.
werbetreibender  oder  ein  Bauer  große  Summen
  Geldes  brach  zu  Hause  liegen  lasse.  Die
Viijrage  des  Revisors  Stahl,  wie  die  Zentrullasse
  bezw.  die  Genossenschaften  sich  zu  einer
Veleihung  der  Kriegsanleihe-Papiere  nach  dem
Kriege  slellen,  salle  jemand,  der  jetzt  Amleihe
zeichne,  nach  dem  Krieg  aber  bald  wieder  flüssiger
  (eie  breucde.  beantwortele  Dir.  Mertel
TLin,  daß  in  diesem  Falle  mit  einem  Zinsfuß
n  nicht  ülber  56  zu  rechnen  sei;  auch  die
urlehenslassen  der  Reichsbank  werden  nach
m  Krieg  nicht  über  emen  Zinsfuß  von  5,25%
Linausgehen.  Ferner  sei  eine  Beleihung  in
Hebe  von  8607  des  Nominalwertes  empfehlens.
Wert.

Die  Darlegungen  des  Berichterstatters  wurden
  mit  lautem  Beifall  aufgenommen.

Nach  einer  kurzen  Pause  behandelte  Reichstagsabgeordneter
  Irl  mit  großer  Sachkenntnis
die  Steilungnahme  der  Genossenschaften  zur
lünftigen  Rohstofsfversorgung  des  Handwerkes,
Die  Hauptgedanten  hierüber  hat  er  bereits
in  eine  Abhandlung  niedergelegt,  die  in  Nr.
#3#b  der  „Handwerkerzeitung“  erschienen  ist.  In
ergänzenden  Erlauterungen  vertrat  er  heute  fol.
gende  Leitsätze:

„1.  Die  am  17.  Seplember  in  Rosenheim
al  gehaltene  Kreisversammlung  oberbayerischen
gewerbl.  Genossenschaften  erachtet  es  im  Hin
luck  auf  die  durch  den  Krieg  verursachten  wirt.
ic  astlichen  Verhällnisse  als  eine  Lebenofrage
fuür  das  selbständige  Kleingewerbe,  daß  in
Zulunft  der  Einlauf  von  Rohmateri-dien  und
Waren  auf  genossenschaftlichem  Wege  erfolgt.
Jn#sbesondere  gilt  es  für  diejenigen  Rohstoffe,
die  vom  Auslande  nach  Deutschland  eingeführt
werden.  Beim  Einklauf  von  Halbsabrilaten,  die
im  Inlande  selbsi  erzeugt  werden,  sollen  auch
enossenschaftsmitglieder  bisher  bestandene  Gesc
  äftsbeziehungen  möglchst  aufrecht  halten  und
die  Erhallung  des  gesamten  gewerblichen  Mitte
  stanoes  im  Auge  behalten.  Der  wilde,  spekulative
  Zwischenhandel  muß  dagegen  mit  allen
Mitteln  belämpft  werden.  2.  Die  Kreisversammlung
  erwartel,  daß  im  Beirat  des  neu  ge.
sc  affenen  Reicheamtes  für  den  Ueber  Jang  von
der  Kriegs=  zur  Friedenswirtschaft  auch  das
Hündwerk  und  besonders  die  Handwerkerge
nessenschaften  ilre  Vertretung  finden.  Der
deutsche  Handels=  und  Gewerbelammertag  und
der  Hauptverband  de  icher  gewerblichen  Gc.
un  isenschaften  sollen  unverzüglich  gebeten  werden,
  bei  den  maßgel  enden  Reichssiellen  in  diesem
  Sinne  Schrurr  47  lun.  3.  Die  Geschäfte
einer  Lieferund-  Eeinkaufsgenossenschaft  sind
möglichst  mit  enan.  er  zu  verbinden,  dagegen
so  len  diese  Geno'senschaften  ihren  Mitgliedem
die  Ware  nur  gen  Bar  liefern.  Eine  Lieferung
an  Nichtmitglierer  soll  überhaupt  nicht  erfolgen
4.  Im  Interes  des  Genossenschaftswesens  und
zur  Sicherung  für  die  einzelnen  Genossenschaften
  muß  ver  ungt  werden,  daß  jede  Genossen
schaft  einem  Revisionsverband  angehört.“

Bei  Begründung  dieser  Leitsätze  empfahl  deir
Berichterstatter  für  jedes  Handwerk  die  Bildung
eines  Ausschusses.  Werden  diese  Leitsätze  durch
geführt,  dann  kann  es  nicht  mehr  vorkommen
daß  das  Handwerk  aus  dem  Beirat  auzsgeschalte
wird.  Je  mehr  die  Konsumvoereine  erstarkten
desto  mehr  mühßten  die  Genossenschaften  ausge)
baut  werden.  „Borge  Geld  und  bezahle  dein
Ware  bar“,  habe  ein  Handwerkerführer  gesagt
Diese  Darlegungen  sanden  den  lebhaftesten  Be
fall  der  Versammlung.

Die  Leitsätze  des  Vortragenden  wurden  vo
Vorsitzenden  der  oberbayer.  Handwerkskamm
und  vom  Vorsitzenden  des  bayer.  Handwerke
bundes  unterstrichen  und  zur  Annahme  ems#
sollen.  Nach  kurzer  Aussprache  wurden  die  Lei#
sätze  einhellig  angenommen.

d
1.
de

 

 

 

 

 

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Kleine  Form

-henen  eisse-  Lich“,