Full text : Staatsbürgerliche Belehrungen in der Kriegszeit. Band 1. (1)

IV.  Krieg  und  Dolksernährung  83

Australien..  .....  111,6  kg
Vereinigte  Staaten.  ..  54,4  „
Deutschlldd  52,  „
England..  ....  47,6  „
Frankreiggg  55,6  „
Belgien  und  Hollnd  34,5  „
Esterreich-Ungen  20,0  „
Spannen  —
Rußlannd  21,8  „
Italen  10,.  „

Aber  immerhin  dürfte  es  doch  als  eine  feststehende  Tatsache  anzusehen  sein,
daß  Deutschland  im  Fleischverbrauch  heute  in  Europa  hinter  keinem  Lande
mehr  zurücksteht.  Wenn  es  in  dieser  Hinsicht  England  vielleicht  auch  noch
nicht  übertroffen  hat,  so  dürfte  es  doch  ihm  gleichstehen  und  die  andern
Länder  Europas,  insbesondere  auch  Frankreich,  Rußland  und  Belgien,
bleiben  weit  hinter  ihm  zurück.

Diese  starke  und  schnelle  Steigerung  des  Fleischverbrauchs  in  Deutschland
  ist  nicht  auf  einzelne  Schichten  der  Bevölkerung  beschränkt.  In  den
sogenannten  höheren  Ständen  war  schon  vor  drei  Jahrzehnten  der  Böhepunkt
  in  der  KFleischnahrung  erreicht;  in  den  letzten  Jahren  hat  dort  sogar
gegen  eine  einseitig  übertriebene  KFleischkost  eine  unverkennbare  Reaktion
eingesetzt.  Auch  der  Mittelstand  kann  an  der  Steigerung  des  Fleischverbrauchs
  nicht  in  besonders  starkem  Maße  beteiligt  sein;  denn  da  er  keine
große  Wandlung  in  seinen  Einkommenverhältnissen  erlebt  hat,  hält  er,
seiner  ganzen  Art  entsprechend,  im  wesentlichen  auch  fest  an  den  altüberkommenen
  Eßgewohnheiten.  Es  mühssen  daher  notwendig  die  unteren
Schichten  der  Bevölkerung,  insbesondere  die  Arbeiter,  die  bisher  im  Fleischverbrauch
  zurückstanden,  an  diesem  Suwachs  stark  beteiligt  sein.  Hrofessor
Rubner  glaubt  sogar  für  die  Geit  von  1808  bis  1003  berechnen  zu  können,
daß  sich  die  gesamte  Fleischnahrung  in  Deutschland  wie  folgt  verteile:

Böhere  Stände  (5  00)  12,0  7%
Mittelstand  (22  0)  25,8
Gelernte  Arbeiter  (50  )  44,8  %  I

.  61,5  0%.
Land=  und  ungelernte  Arbeiter  (25  %)  16,5  %)

2.  Diese  große  Wandlung  in  der  deutschen  Volksernährung,  der  zahlreiche
  kleine  sich  anschließen,  ist  vor  allem  durch  drei  Momente  herbeigeführt
  worden.  Unzweifelhaft  ist  eine  Deränderung  in  der  Arbeit  beteiligt.
  Früher  war  die  körperliche  Arbeit  vorberrschend.  Sie  steigert  bekanntlich
  den  Tahrungsbedarf  und  ebenso  auch  die  Ernährungsfähigkeit,
indem  sie  den  Appetit  stärkt  und  die  Herdauungsorgane  leistungsfähig
erhält.  Sie  ermöglicht  daher  die  Bewältigung  großer  Mengen  einförmiger
Nahrung.  Im  Laufe  der  Seit  hat  aber  die  Maschine  dem  Menschen  immer
mehr  Muskelarbeit  abgenommen.  Das  Maß  der  beruflich  geforderten
körperlichen  Arbeit  hat  sich  stetig  vermindert.  Die  LTeistungsfähigkeit  des
ganzen  Körpers  hat  dadurch  eine  gewisse  Beeinträchtigung  erfahren.  Das

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