Contents : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

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Samstäg,  1.  Jannar  1614

 

ersten  Booten  die  eigene  Rettung  bewerkstenigt
die  ihrem  Schutze  anvertrauten  Passagiere
1n  selbst  überlassen  hatte.

Das  Wetter  war  zur  Zeit  des  Vorfalles  gut
und  die  See  ruhig,  so  daß  die  Rettungsboote
ohne  Gefahr  die  nächste  Küfte  hätten  erreichen
bönnen,  wie  denn  auch  tatsächlich  die  Rettungsboote
  nur  bei  unsachgemäßem  Aussetzen,  nicht
aber  erst  nach  dem  Streichen  im  Wasser,  zu
Schaden  gekommen  sind.  Der  Verlust  an  Menschenleben
  ist  leineswegs  in  erster  Linie  auf  das
Sinlken  des  Schiffes  zurückzuführen,  sondern  —
und  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  in  viel  höherem
  Maße  —  auf  das  Hinunterwersen  der
ersten  Boote  in  voller  Fabrt.!  owie  darauf,
daß  die  Besatzung  nur  auf  sich  bedacht  war  und
die  Passagiere  der  gekenterten  Boote  nicht  rettete,
  wohl  auch  auf  die  Geschosse,  die  das  neiehende
  Schiff  trafen;  aber  auch  der  Tod  der
Personen,  die  mit  dem  Dampfer  versanken,  ist
vor  allem  dem  pflichtwidrigen  Verhalten  der
Mannschaft  zuzuschreiben.

ie  aus  dem  vorangeführten  Sachverhalt
erhellt,  geht  die  sehr  geschätzte  Note  vom  9.
Dezember  in  mehreren  Punkten  von  unzutreffenden
  Voraussetzungen  aus.  Unrichtig  ist  die
der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  zugegangene
  Information,  daß  auf  den  Dam#-fer
  sogleich  ein  scharfer  Schuß  abgegeben  wurde;
unrichtig  ist,  daß  das  Unterseeboot  den  Dampfer
  während  der  Verfolgung  überholt  habe;
unrichtig  ist,  daß  zur  Ausbootung  der  Personen
  nur  eine  kurze  Frist  gewährt  wurde;
vielmehr  ist  gerade  der  „Ancona“  eine  ungewöhnlich
  lange  Zeit  zur  Ausschiffung  der  Passagiere
  gelassen  worden;  unrichtig  ist  endlicht
daß  ausf  den  Dampfer,  nachdem  er  gestoppt
hatte,  noch  mehrere  Schüsse  abgegeben  wurden.

Der  Sachverhalt  läßt  weiter  erkennen,  daß
der  Kommandant  des  Unmeerseebootes  dem
Dampfer  volle  45  Minuten,  also  mehr  als
binreichend  Zeit  gelassen  hat,  um  den  an  Bord
befindlichen  Personen  Gelegenheit  zur  Auslootung
  zu  geben.  Sodann  bewerkstelligte  er,
als  die  Leute  noch  immer  nicht  geborgen  waren,
die  Torpedierung  auf  eine  solche  Art,  daß  das
Schiff  möglichst  lange  Zeit  über  dem  Wasser
bleiben  lonnte,  dies  in  der  Absicht,  die  Ausschiffung
  auf  den  noch  vorhandenen  Booten  zu
ermöglichen.  Er  hätte,  da  der  Dampfer  noch
weitere  45  Minuten  über  Wasser  blieb,  diesen
Zweck  auch  erreicht,  wenn  die  Besatzung  der
„Ancona“  die  Passagiere  nicht  in  pflichtwidriger
  Weise  im  Stich  gelassen  hätte.

Bei  aller  Würdigung  dieses  auf  die  Rettung
  der  Besatzung  und  der  Passagiere  hinzielenden
  Vorgehens  des  Kommandanten  kam  die
k.  u.  L.  Marinebehörde  aber  zu  dem  Schluß,
daß  er  es  unterlassen  habe,  auf  die  unter  den
Passagieren  entstandene  und  das  Ausbooten
erschwerende  Panik  sowie  auf  den  Eeist  der
Vorschrift,  daß  die  k.  u.  k.  Seceoffiziere  in  der
Rot  niemandem,  auch  dem  Feinde  nicht,  ihre
Hilfe  versagen  sollen,  hinreichend  Bedacht  zu
nehmen.  Sohin  wurde  der  Offizier  wegen
Uebenschreitang  seiner  Instruktionen  gemäß  den
hierfür  geltenden  Normen  bestraft.  Die  k.  u.  k.
Regierung  steht  bei  dieser  Sachlage  nicht  an,
bezüglich  einer  Schadloshaltung  der  durch  die
Versenkung  der  Prise  betroffenen  amerikanischen
Bürger  die  entsprechenden  Folgerungen  zu  ziehen;
  sie  muß  jedoch  in  dieser  Hinsicht  folgendes
  bemerlen:  Die  Untersuchung  über  die  Versenlung
  der  „Ancona“  konnte  selbstverständlich
keinen  Anhaltspunkt  dafür  liefern,  inwieweit
amerikanischen  Bürgern  ein  Anspruch  auf  Ersatz
  zuzusprechen  ist.  Für  den  Schaden,  welcher
durch  die  zweifellos  gerechtfertigte  Beschießung
des  fliehenden  Schiffes  entstanden  ist,  kann  die
k.  u.  k.  Regierung  wohl  auch  nach  der  Ansicht
des  Washingtoner  Kabinetts  nicht  haflbar  gemacht
  werden.  Ebensowenig  dürfte  sie  für  den
Schaden  einzustehen  haben,  welcher  vor  der

Torpedierung  durch  fehlerhaftes  Ausbooten
oder  durch  Kentern  der  ausgesetzten  Boote  sich
ergab.

Die  k.  u.  k.  Regierung  muß  annehmen,  daß
das  Walhingtoner  Kabinett  in  der  Lage  und
gewillt  ist,  ihr  in  dieser  Hinsicht  die  erforderlichen
  und  gewiß  nicht  unwesentlichen  Informationen
  zukommen  zu  lassen.  Sollten  der  Regierung
  der  Vereinigten  Staaten  jedoch  bei  etwaigem
  Fehlen  entsprechenden  Beweiematerials
  die  näheren  Umstände  nicht  bekannt  geworden
  sein,  unter  welchen  die  amerikanischen
Angehörigen  zu  Schaden  kamen,  wäre  die  k.
u.  k.  Regierung  in  der  Berücksichtigung  des
monschlich  tief  bedauerlichen  Vorfalles  und  von
dem  Wunsche  geleitet,  der  Bunderregierung  neuerlich
  ihre  freundschoftlichen  Gesinnungen  zu  bekunden,
  gerne  bereit,  über  diese  Lücke  der  Beweisführung
  hinwegzugehen  und  Ersatz  auch  auf

jene  Schäden  zu  erstrecken,  deren  unmittelbare
lraach  nicht  Estgestent  werden  konnte.

Indem  die  k.  u.  k.  Regierung  mit  den  vorstehenden
  Auefahrungen  die  Ungelegenheit  der
„Ancona“  wohl  als  gereinigt  ansehen
behält  sie  sich  gleichzeitig  hdvor,  die  schwierigen
oölkerrechtlichen  Fragen,  die  mit  dem  Unterseebootskrieg
  zusammenhängen,  in  einem  späteren
  Zeitpuntt  aur  Erdrterung  zu  bringen.

ses———.—“sess.

 

De  Atise  in  England.

London,  30.  Dez.  Nach  der  „Westminster
Gazetie“  ist  es  unwahrscheinlich,  daß  Henderson
zurücktritt,  wohl  aber  andere  Minister.  Balsour
  ist,  wie  gemeldet  wird,  nicht  mehr  länger
gegen  die  Dienstpflicht.

Die  „Westminster  Gazette“  schreibt:  Die
Zahl  der  Unverheirateten,  die  sich  nicht  zum
Militärdienst  gemeldet  haben,  lei  viel  gröher,
als  man  erwartete.  Nur  wenige  davon  seien
nach  Ansicht  der  Regierung  unabkömmlich.  Es
sei  möglich,  daß  ein  oder  zwei  Minister  zurücktreten,
  wahrscheinlicher  aber  sei,  daß  es  Asquith
  gelinge,  seine  Kollegen  von  der  Notwendigleit
  der  in  Aussicht  genommenen  Maßregel
  zu  überzeugen.  Es  werden  nicht,  wie  man
in  einigen  Kreisen  glaube,  etwa  200  Mitglieder
  des  Unterhauses  und  ein  großer  Teil  der
rkeiterparte!  sich  den  Zwangsmaßregeln  wideretzen.


Ueber  Lloyd  George  schreibt  die  „Westminster
  Gazette",  daß  Asquith  sein  Versprechen,
die  Verheirateten  nicht  aufzurufen,  ehe  die  Unverheirateten
  ihre  Pflicht  getan  haben,  halte,
wurde  nie  bezweifelt.  Lloynd  George  widerfetze
sich  mit  aller  Energie  jeder  weiteren  Verzögerung.
  Seine  Ueberzeugung,  daß  ein  sofortiges
Kandeln  notwendig  sei,  habe  in  weitgehendem
Maße  beigetragen,  daß  das  Kabinett  den  Beschluß
  faßte,  der  ohne  Zaudern  von  der  Mehrheit
  der  Minister  gebilligt  wurde.  Lloyd  George
  wird  für  seine  Fabriken  keine  gelernten
Arbeiter  mehr  brauchen,  vorausgesetzt,  daß  er
die  Gewerkschaften  dazu  bringen  kann,  mehr
ungelernie  Arbeitskräfte  zuzulassen.  Lloyd  George
  brauche  nämlich  noch  150  000  Arbeiterinnen.
  Der  Beschluß  des  Kabinetts,  zum  Dienstzwang
  überzugehen,  wird  möglichst  schnell  durchgeführt
  werden,  denn  man  braucht  viele  Rekruten.


In  einem  Artikel  über  den  Beschluß  der  Regierung,
  die  Dienstpflicht  einzuführen,  schreibt
die  „Westminster  Gazette“:  Wir  betrachten  es
als  einen  besonders  großen  Vorteil  und  etwas,
worauf  das  Land  stolz  sein  kann,  daß  wir  drei
Vierlel  unserer  großen  Armeen,  das  größte
Freiwilligenheer,  das  jemals  eristierte,  ohne
Zmang  (2)  aufstellten.  Es  ist  gut,  daß  wir
leine  Minute  früher  zum  Zwang  übergehen,
als  notwendig.  Aber  kein  Anwalt  des  Freiwilligensystems,
  als  des  normalen  für  dieses
Land,  lann  die  Augen  vor  der  Tatsache  verschließen,
  daß  der  Krieg,  in  dem  wir  gezwungen
sind,  uns  mit  den  Konfkriptionsarmeen  der
größten  militärischen  Staaten  zu  messen,  uns
zwingen  kann,  ibre  Relrutirungemethode  anzunehmen,
  ehe  der  Krieg  beendet  ist.  Das  Uebergreisen
  des  Krieges  auf  den  Balkan  und  die
Notwendigleit,  unser  Reich  im  fernen  und  nahen
  Osten  zu  verteidigen,  ohne  unsere  Streitlräfte
  an  der  westlichen  Front  zu  schwächen,
eröffnete  für  uns  ein  neues  Kapitel  und  machte
die  Mufsstellung  neuer  Streitkräfte  notwendig.
(3.  Das  ist  ein  sehr  weitgehendes  Eingeständnis
  englischer  Schwäche.

Die  englische  Arbeiterschaft  und  die
Wehrpflicht.

London,  830.  Dez.  (Neuter.)  Es  wurde
eilig  eine  Versammlung  von  Arbeiterführern
einlerufen,  um  die  Rekrutierungsfrage  zu  beprechen.
  Das  vereinige  Arbeiter-Rekrutierungslomitee
  hielt  heute  eine  Versammlung  ab,
in  der,  wie  verlautet,  die  rerschiedenen  Komiteemitglieder
  die  Einderufung  einer  nationalen
Konferenz  der  Gewerkschaften  verlangten,  ehe
das  Unterhaus  zusammentritt.  Man  sprach  auch
die  Ansicht  aus,  daß  keine  Notwendigleit  für
die  vom  Kabinett  angenommene  Entscheidung
bestand.  Das  Kabinett  erklärte,  daß  60  Prozent
  der  nicht  angeworbenen  Männer  untauglich
  und  20  Prozent  bereits  anderweitig  für
die  Regierung  beschäftigt  seien.  Die  Arbeitervertreier
  unternehmen  nichts,  bis  Henderson
über  die  Lage  Bericht  erstattet  hat.

n

Ateneiies  den  aties.

Dieneuen  Balkanzüge.

Breslau,  30.  Dez.  Die  königliche  Eisenbahndirektion
  teilt  mit:  Der  erfte  Balkanzug
Verlin=  Lonstantinopel  verkehrt  ab  1.  Jaonuar
noch  nicht.  Der  Zeitpunkt,  wann  die  Züge  in
Verlehr  gesetzt  werden,  wird  jedoch  binmen  kurzem
  bekanntgegeben.

Eine  Millionenstrafe  für  die  belgische
  Nationalbank.
Brüssel,  30.  Dez.  Man  bestätigt,  daß
der  Generalgouverneur  von  Belgien,  Generaloberst
  v.  Bissing,  eine  Geldstrafe  von  drei  Millionen
  Francs  über  die  belgische  Nationalbank
verhängte,  weil  ihr  Generalrat  sich  den  finan-7*
  en  der  deutschen  Verwaltung
Beschaffung  der  belgischen  Kriegskontribulon
  widersetzte.  (Z.)

Englische  Schiffsverluste.

London,  30.  Dez.  Die  „Times“  meldet
folgende,  durch  den  ien  Süweststurm  ver-**
  Schiffsverluste:  Der  irische  Schooner

ary  Jane“,  nach  einer  anderen  Version
EW#  Ann-  sank  in  der  Swansea-Bay.

Wache  in  Pengange  sichtete  am  Man-—



 

lagsrüh  vier  Meilen  von  der  Küste  einen  unbekannten
  Damxfer,  welcher  plötzlich  unterging.
Man  glaubt,  daß  der  Fischdampfer,  welcher  letzte
Woche  bei  Aberdeen  scheiterte,  die  „Empreß
of  Aberdeen“  ist.  Ein  unbekannter  Küsiendampser
  scheiterte  bei  der  Einfahrt  von  Milford-Haven.
  Die  Besatzung  des  norwegischen  Dampsers
  „Flandre“,  der  bei  Whitby  gestrandet  ist,
landete  in  Harktlepool.  (3.)

Ein  Verräter.

Innsbruck,  30.  Dez.  Wie  die  hiesigen
Blätter  melden,  wurde  del  Bezirksschul-Inspektor
  von  Tione,  Felir  Morandi,  vom  Feldgericht
des  Rayonkommandos  von  Süd--Tirol  wegen
Verbrechens  des  Hochverrats  zum  Tode  verurteilt,
  jedoch  zu  15  jährigem  Kerker  begacdigt.

)

In  Indien.

Bombay,  30.  Dez.  (Reuter.)  Der  indische
Nationalkongreß  sprach  die  Erwartung  aus,  daß
die  Amtsdauer  des  B#zekönigs  Hardinge  verlängert
  werden  möge  und  daß  Indier  Offizierspatente
  im  Heer  und  in  der  Flotte  erhalten.

  .  "
Auhland.

Die  russischen  Massenopfer  in  Bessarabien.


Czernowitz,  30.  Dez.  Die  Wirkungen  der
letzten  mißlungenen  russischen  Angriffe  sind  jetzt
übersehbar.  Vor  den  österreichischen  Drahtverhauen
  sind  Haufen  russischer  Leichen  bis  zur
Höhe  des  Verhaues.  Eine  Unzahl  Leichen  sind
in  den  Stacheldrähten  hängen  geblieben.  Stellenweise
  sind  sogar  20  Reihenangriffe  gemacht
worden.  Die  österreichischen  M  aschlnengemeyr
abteilungen  hatten  besonders  hervorragend  zum
Erfolge  beigetragen.  Zum  Angriff  angesetzt
waren  auf  russischer  Seite  die  Mannschaften
mehrerer  Reichswehrregimenter,  Tscherkessen,
blutjunge  %  --  neben  ii  en.

)

 

Die  —  in  Neiriies.
Der  türkische  Bericht.

WTB.  Konstantinopel,  50.  Dez.  Das
Hauptquartier  teilt  mit:  An  der  Irakfront
dauert  die  Schlacht  bei  Kut  el  A#nara  mit
längeren  Pausen  fort.  Bei  der  Einnahme  von
Schaik  Said  erbeuteten  wir  450  Kannen  Petroleum,
  die  den  Engländern  gehörten.

An  der  Kaukasusfront  ereignete  sich  außer
Patrouillengefechten  nichts.

In  der  Nacht  vom  27.  zum  28.  Dezember
und  am  28.  Dezember  brachte  unsere  Artillerie
in  Erwiderung  des  Feuers  eines  feindlichen
Kreuzers  und  eines  Torpedobootes  die  Geschütze
  dieser  beiden  Kriegsschisfse,  welche  ein
wirkungsloses  Feuer  gegen  Anaforta  und  Ari
Burun  richteten,  zum  Schweigen  und  zwang
ke.  saech  zu  entfernen.  Bei  Feddul  Bahr  fand

der  Nacht  vom  27.  zum  28.  d.  M.  ein  hefsiges
  Kampf  mit  Bomben  “  Lufttorpedos
auf  dem  rechten  und  linken  Flügel  statt.  Im
Zentrum  Ariillerielampf.  Nachmittags  beschossen
  zmei  Kreuzer  kurze  Zeit  den  rechten
Flügel,  stellten  aber  infolge  Gegenwirkung
unserer  Artillerie  das  Feuer  ein  und  entfernten
sich.  Ein  Kreuzer  wurde  von  einem  Geschoß  getroffen.
  Vormittags  holte  unsere  Artillerie
einen  Zweidecker  herunter,  welcher  Yeni  Chehir
und  Kunkale  überflog.  Er  siel  auf  der  Höhe
von  Tekke  Burun  ins  Meer  und  wurde  auf
Imtros  zu  abgeschleppt.  Unsere  anatolischen
Küstenbatterien  beschossen  wirtungsvoll  die  Landungsstellen
  von  Teile  Burun,  Seddul  Bahr
und  Umgebung.  Am  27.  Dezember  unternahm
eines  unserer  Wasserflugzeuge  Erkundungsflüge
  über  Lemnos  und  Mavro  und  warf  erfolgreich
  Bomben  auf  die  Hafenspeicher  von
Mudros,  wo  ein  Brand  hervorgerusen  wurde.

Künchener  Neulgkeilen.

München,  30.  Dez.  Die  sozialdemokratische
Rathausfraltion  hat  folgenden  Dringlichkeitsantrag
  eingebracht:  as  Gemeindekollegium
wolle  beschließen,  den  Magistrat  zu  ersuchen,
sofort  zu  der  Bekanntgabe  der  Kreieregierung.
von  Oberbayern  über  die  Bierpreisregelung
Stellung  zu  nehmen  und  1.  zu  prüfen,  ob  der
Gutachter  Prof.  Dr.  Doger.  Weihenstephan  nicht
als  befangen  im  Sinne  des  Gesetzes  zu  betrachten
  ist,  2.  festzustellen,  ob  die  Gestehungslosten
  des  hellen  Bieres  tatsächlich  höher  sind
wie  die  des  Schankbieres.  Iit  letzteres  nicht
der  Fall,  so  wäre  bewiesen,  daß  eine  Preissteigerung
  von  4  Mk.  per  Hektoliter  durchaus
ungerechtfertigt  ist.

Uowerische  Nachrichlen.

eumarkt  a.  R.,  29.  Dez.  Als  eine  aus
sechs  Köpfen  bestehende  Bauernfamilie  in
Apertsham  abends  beim  Kerzenlicht  am  Tische
saß,  fiel  das  Licht  plötzlich  um  und  entzündete
ein  Häufchen  Sprengpulver,  das  man  nach  dem
Stodsprengen  achtlos  auf  den  Tisch  gelegt  haite.

urch  die  Explosion  wurden  alle  sechs  Perr—————————


 

 

 

Augsburg,  30.  Dez.  Von  einer  hochherzigen
  Tat  aus  dem  Felde  machte  Oberbürgermeister
  v.  Wolfram  in  der  Magistratssi  in
Mitteilung.  Danach  hat  das  unter  dem
mando  des  Generals  v.  Faßbender,  des  früheren
  Kommandeurs  der  Militär-Schießschule  und
des  3.  Inf.-Regts.  stehende  1.  bayer.  Reserve-Armeekorps
  zu  Weihnachten  unter  den  wohlhabenderen
  Korpsangehörigen  eine  Geldsammlung
  veranstaltet,  deren  Erträgnis  den  Kindern
gefallener  Korpsangehöriger  in  der  Weise  zugute
  lommen  soll,  daß  für  dielelben  Sparbücher
  auf  je  100  Mk.  lautend  bei  verschiedenen
  Sparlassen  deponiert  wurden.  Auf
Augsburg  entfielen  allein  25  solcher  Sparbücher
mit  einem  Gesamtbetrag  von  2500  Mk.  In
manche  des  Ernährers  beraubte  Familie  fielen
mehrere  solcher  Sparbücher,  so  daß  die  Unterstützung
  mitunter  eine  recht  nennenswerte  ist,

Miesbach,  30.  Dez.  Traurige  Weihnachten
  erlebte  der  zum  zweiten  Mal  verwundete
Reservist  Johann  Kreitner  in  Miesbach,  der
seit  Kriegebeginn  im  Felde  steht;  als  er  auf
Urlaub  heimkam,  lag  seine  Mutter  in  den  letzten
  Zügen;  tags  nachher  hatte  man  seine  Frau
ins  Spital  gebracht.

Tegernsee,  30.  Dez.  In  Reitrain  bei  Tegernsee
  reinigte  der  auf  Weihnachtsurlaub  dort
besindliche  verbeiratete  Taglöhner  Joseph  Brunner
  einen  Scheibenstutzen,  in  dem  eine  Patrone
sleckte.  Plöslich  krachte  ein  Schuß  und  Brunner
  sank,  in  die  Brust  getroffen,  tödlich  perletzt
  zu  Voden.

Bad  Reichenhall,  30.  Dez.  Wie  berichtek,
ist  am  hl.  Abend  nachmittags  halb  2  Uhs
insolge  schwerer  Betriebsflörung  im  Saalachkraftwerk
  die  gesamte  Stromlieferung  für  die
Stadt  und  die  an  den  elektrischen  Ueberlandbezirk
  angeschlossene  Umgebung  einschließlich
Freilassing  und  Laufen  eingestellt  worden.  Dis
Beschädigungen  der  Turbinen  waren  derart,  daß
während  fünf  Tagen  Licht  und  Kraft  ausblieb.
Nach  einer  Unterbrechung  von  101  Stunden
ist  am  Dienstag  abend  halb  7  Uhr  endlich  der
Betrieb  wieder  ausgenommen  worden.  Verschiedene
  Gewerbsbetriebe,  wie  Mühlen,  Brauereien,
Bäclereien,  Meygereien  usw.  mußten  die  Lieferung
  einnellen,  auch  im  Salinenbetrieb  machte
sich  der  Mangel  an  Licht  und  elektrischer  Kraft
füblbar.  Heute  mittag  von  12  bis  halb  2  Uhrn
wurde  die  Stromlieferung  neuerdings  eingestellt.
doch  ist  nun  Vorforge  getroffen,  daß  ähnlichs
Zustände  für  die  Zukunft  unterbleiben.

ommanales.

Sihfung  des  MKollegkums  der  Weneinhe##
Heollmächtigten  in  Rosenz#e##
(Schluß.)

Der  Gemeinde-Etat  1915.

Bis  jetzt  ist  den  städt.  Kollegien  der  Gemeinde-Etat
  für  1915  noch  nicht  vorgelegt  worden.

  In  seiner  Sigung  vom  1.  Dez.  hat
Kollegium  der  Gemeindebevollmächtigten  auf
dessen  Vorlage  wegen  der  vorgeschrittenen  Zeit
verzichtet  und  den  Magistrat  ersucht,  den  Voranschlag
  für  1914  auch  für  1915  gelten  zu
lassen.  Der  Magistrat  schloß  sich  diesem  Antlag
  an  und  legte  seinen  Beschluß  jetzt  dem
Kollegium  vor;  wir  haben  ihn  im  Wortlaut
früher  schon  veröffentlicht.

G.-B.  Schmidt  regte  bei  dieser  Gelegenheit  die
rechtreitige  Einhebung  der  Gemeindeumlagen  an,
damit  die  Siadl  vor  Zinsenveriust  verschont
bleibe.  Es  dürfe  sich  nicht  wiederholen,  daß
die  Umlagen  fur  das  vierte  Quartal  erst  im
lexten  Monat  des  Jahres  eingehoben  werden.

G.-B.  Dachs  dringt  darauf,  daß  der  Eta#s
für  1916  nunmehr  bald  in  Vorlage  komme.

DZur  Deckung  aller  Bedürfnisse  werden  die  Umlagen
  wohl  nicht  ausreichen.  Es  sei  ausgeschlofsen,
  daß  man  mit  den  Geldern,  die  jetzt  der
Stadtlasie  zusließen,  im  nächsten  Jahre  auskomme.
  Man  werde  deshalb  wohl  an  eine  Erhöhung
  der  Umlagen  schon  im  kommenden  Jahre
denken  müssen,  damit  die  Steuerzahler  nicht
plötzlich  von  einer  großen  Erhöhung  getroffen
  würden.  Deshalb  müsse  der  neue  Voranschlag
  rechtzeitig  vorgelegt  werden.

Der  Vorsigende  macht  darauf  aufmerksam,
daß  die  nächste  Sitzung  des  W
wohl  in  Zusammenhang  mit  der  Aufstellu
des  Elats  für  1916  stehe-Dem

  Beschluß  des  Stadtmagistrates  wurde
dann  zugestimmt.

Das  polizeiliche  Meldewesen.

Der  Stadtmagistrat  erliehr  neue  ortspolizelliche
  Vorschriften  über  das  Meldewesen.  Das
Kollegium  stimmte  den  neuen  Vorschriften  erinnerungslos
  zu.  Sie  treten  mit  dem  1.  Januar
  1916  in  Krast.

Ankauf  von  Futtermitteln

Der  Stadt  wurde  ein  Angebot  üben  prei#-werten
  Ankauf  von  200—300  Zentner  Malzleime
  gemacht.  Das  Kollegium  stimmte  diesem
Inlans  pon  Futtermitteln  auf  Vorrat  bei.

Geheime  Sitzung.

In  geheimer  Siung  wurden  perschiedemn
Honalfrogen  erledigt.  —  *