Metadata : Das Preußische Volk in Waffen und die neue Militär-Organisation.

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Ansichten  über  die  Stellung  und  Bestimmung  eines  Unteroffiziers  hatte,
dies  mag  die  moralische  Ursache  sein,  daß  man  in  diesen  Waffen  weniger
über  Mangel  an  Unteroffizieren  klagen  hörte,  und,  was  noch  wichtiger
ist  —  daß  diese  Waffen  meist  ausgezeichnete  Unteroffiziere  besaßen  und
besitzen.  —

Mögen  sich  indessen  immerhin  die  wohlhabenden  Bürger  und  Bauern
dadurch  zurückgeschreckt  sehen;  daß  aber  jetzt  zugleich  auch  die  Söhne  der
ärmern  Volksklassen,  welche  noch  vor  circa  zwanzig  Jahren  es  als  ein
Glück  ansahen,  die  ehrenvolle  Stellung  eines  Unteroffiziers  in  der  Armee
einzunehmen,  sich  nicht  mehr  dazu  drängen,  läßt  sich  nicht  aus  dem  Umstande
  erklären,  daß  bei  dem  Fortschritt  der  Industrie  und  der  Gewerbthätigkeit
  ihnen  darin  zu  geringe  materielle  Vortheile  geboten  würden.  —
Der  Staat  hat  für  Verbesserung  der  Lage  der  Unteroffiziere  seit  längerer
Zeit  sehr  viel  gethan,  und  es  läßt  sich  hoffen,  daß  er  in  dem  Maße,  als
die  zur  Existenz  nothwendigen  Mittel  immer  theurer  werden,  auch  darin
nach  seinen  Kräften  fortfährt  1).  —  Ist  die  Existenz  eines  Unteroffiziers
auch  keine  glänzende,  so  ist  sie  doch  eine  gesicherte;  auch  bei  bescheidenen
Ansprüchen  und  Bedürfnissen  eine  auskömmliche,  und  gewiß  befinden  sich
zwei  Drittel  des  Volks  in  einer  noch  weniger  guten  Lage.  Daß
die  große  Mehrzahl  der  ärmeren  Klasse  jetzt  oft  eine  nur  dem  Bedürfnisse
des  Augenblicks  genügende,  unsichere,  vagabondirende  Existenz  einer  solchen
vorzieht,  ist  nur  die  Scheu  vor  den  zu  übernehmenden  Pflichten,  vor  der
Thätigkeit  eines  geregelten  Berufs  und  deutet  auf  einen  sittlichen  Verfall
dieser  Klasse  in  den  letzten  Jahren.  Es  ist  die  Frucht  einer  mehr  kirchlich-frommen
  als  moralisch-sittlichen,  einer  mehr  verdummenden  als  aufklärenden
  Erziehung.  —

Eine  zweckmäßig  geleitete  militärische  Heranbildung  der  Jugend  erscheint
  hier  als  die  einzige  Abhülfe.  Sie  würde  in  vielen  Knaben  die
Neigung  entwickeln,  sich  bleibend  dem  stehenden  Heere  auch  in  der  Stellung
eines  Unteroffiziers  zu  widmen;  jedenfalls  aber  auch  bei  einer  zweijährigen
Dienstzeit  ein  tüchtiges  Material  an  jungen  Leuten  bieten,  welche  im

1)  Wenn  die  Kreuz-Broschüre  S.  11  sagt:  „Noch  weiter  auf  dem  eben  beschrittenen
  Wege  fortzugehen,  empfiehlt  sich  übrigens  schon  um  deswillen  nicht,
weil  die  Unteroffiziere  —  wie  leicht  nachzuweisen  —  in  den  höheren  Gehaltsklassen
  bereits  viel  besser  gestellt  sind,  als  die  jüngern  Offiziere“,  so  ist  das  letztere
beinahe  richtig,  aber  nicht  maßgebend;  denn  das  sich  nahezu  gleichstehende
Einkemmen  haben  die  Unteroffiziere  im  glücklichen  Falle  erst  am  Ende,  die
Offiziere  am  Anfange  ihrer  Laufbahn.