— 125 —
Ansichten über die Stellung und Bestimmung eines Unteroffiziers hatte,
dies mag die moralische Ursache sein, daß man in diesen Waffen weniger
über Mangel an Unteroffizieren klagen hörte, und, was noch wichtiger
ist — daß diese Waffen meist ausgezeichnete Unteroffiziere besaßen und
besitzen. —
Mögen sich indessen immerhin die wohlhabenden Bürger und Bauern
dadurch zurückgeschreckt sehen; daß aber jetzt zugleich auch die Söhne der
ärmern Volksklassen, welche noch vor circa zwanzig Jahren es als ein
Glück ansahen, die ehrenvolle Stellung eines Unteroffiziers in der Armee
einzunehmen, sich nicht mehr dazu drängen, läßt sich nicht aus dem Umstande
erklären, daß bei dem Fortschritt der Industrie und der Gewerbthätigkeit
ihnen darin zu geringe materielle Vortheile geboten würden. —
Der Staat hat für Verbesserung der Lage der Unteroffiziere seit längerer
Zeit sehr viel gethan, und es läßt sich hoffen, daß er in dem Maße, als
die zur Existenz nothwendigen Mittel immer theurer werden, auch darin
nach seinen Kräften fortfährt 1). — Ist die Existenz eines Unteroffiziers
auch keine glänzende, so ist sie doch eine gesicherte; auch bei bescheidenen
Ansprüchen und Bedürfnissen eine auskömmliche, und gewiß befinden sich
zwei Drittel des Volks in einer noch weniger guten Lage. Daß
die große Mehrzahl der ärmeren Klasse jetzt oft eine nur dem Bedürfnisse
des Augenblicks genügende, unsichere, vagabondirende Existenz einer solchen
vorzieht, ist nur die Scheu vor den zu übernehmenden Pflichten, vor der
Thätigkeit eines geregelten Berufs und deutet auf einen sittlichen Verfall
dieser Klasse in den letzten Jahren. Es ist die Frucht einer mehr kirchlich-frommen
als moralisch-sittlichen, einer mehr verdummenden als aufklärenden
Erziehung. —
Eine zweckmäßig geleitete militärische Heranbildung der Jugend erscheint
hier als die einzige Abhülfe. Sie würde in vielen Knaben die
Neigung entwickeln, sich bleibend dem stehenden Heere auch in der Stellung
eines Unteroffiziers zu widmen; jedenfalls aber auch bei einer zweijährigen
Dienstzeit ein tüchtiges Material an jungen Leuten bieten, welche im
1) Wenn die Kreuz-Broschüre S. 11 sagt: „Noch weiter auf dem eben beschrittenen
Wege fortzugehen, empfiehlt sich übrigens schon um deswillen nicht,
weil die Unteroffiziere — wie leicht nachzuweisen — in den höheren Gehaltsklassen
bereits viel besser gestellt sind, als die jüngern Offiziere“, so ist das letztere
beinahe richtig, aber nicht maßgebend; denn das sich nahezu gleichstehende
Einkemmen haben die Unteroffiziere im glücklichen Falle erst am Ende, die
Offiziere am Anfange ihrer Laufbahn.