Full text : Die Finanz- und Zollpolitik des Deutschen Reiches.

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merkbar  gemacht,  und  noch  bevor  die  Regierungsvorlage  an  den
Reichstag  gelangte,  hatte  bereits  die  eben  einsetzende  große  wirtschaftliche
  Krisis  in  Wien  zur  Katastrophe  geführt.  Die  langanhaltende
  Erschütterung  aller  europäischen  Volkswirtschaften
sollte  nicht  mehr  lange  auf  sich  warten  lassen.  Bald  zeigte  sich
—  wiederum  in  ganz  Europa,  —  daß  der  Aufschwung,  den  die
Produktion  in  den  ersten  Jahren  nach  dem  Kriege  genommen
hatte,  weit  über  den  nachhaltigen  Bedarf  hinausging.  In  allen
großen  Industrien  häuften  sich  die  Vorräte  an;  die  Nachfrage
ging  zurück;  die  Preise  sanken;  die  Kurse  stürzten.  Am  empfindlichsten
  verspürte  die  Eisenindustrie  diesen  Rückschlag.  Im  Hinblick
  auf  die  gesetzlich  festgelegte  Aufhebung  der  Eisenzölle  vom
ı.  Januar  1877  ab  ward  sie,  die  immer  den  Schutzzollstandpunkt
vertreten  hatte,  jetzt  zur  energischen  Führerin  der  Agitation  gegen
den  Freihandel.  Bei  jeder  Gelegenheit  bestürmte  sie  die  Regierung
  um  Aufrechterhaltung  der  Eisenzölle.e  Aus  anderen  Industriezweigen
  erhielt  sie  Zuzug.  Jene  Kreise  der  Textilindustrie,
die  schon  im  Zollverein  wiederholt  für  starken  Zollschutz  eingetreten
  waren,  meldeten  sich  auch  jetzt  wieder.  Bald  erscholl  der
Ruf  nach  Staatshilfe  allgemein.  Revision  des  Zolltarifs  im  schutzzöllnerischen
  Sinne,  Ausschluß  des  ausländischen  Wettbewerbs  von
dem  heimischen  Markte,  das  waren  die  Forderungen,  von  deren
Verwirklichung  die  bedrängten  Fabrikanten  Hilfe  erwarteten.
Die  Jahre  1874  und  1875  bedeuten  den  Beginn  einer  Schutzzollströmung
  in  allen  Ländern,  die  von  der  Krisis  getroffen
wurden.  Es  war  unter  diesen  Umständen  nur  eine  Frage  der
handelspolitischen  Verhältnisse,  welcher  der  betroffenen  Staaten
zuerst  mit  der  Errichtung  von  Schutzzollmauern  beginnen  werde.
Deshalb  ist  auch  die  Frage  müßig,  ob  das  Beispiel  Deutschlands,
Österreichs  oder  sonst  irgend  eines  Staates  zuerst  den  Anlaß  zur
Abwendung  des  Kontinents  vom  Freihandel  gegeben  habe.  Entscheidend
  für  die  Wendung  zum  Schutzzoll  war,  daß  der  langanhaltende
  wirtschaftliche  Niedergang  mit  dem  nahen  Ablauf  der
Mehrzahl  der  europäischen  Handelsverträge  zusammenfiel.  Dazu
kam  die  finanzielle  Bedrängnis,  in  der  sich  viele  Staaten  infolge
des  durch  die  Krisis  verursachten  Rückganges  ihrer  Einnahmen
befanden.  Es  lag  somit  nahe,  daß  diejenige  Regierung,  die  zuerst
  an  die  Neuordnung  ihrer  handelspolitischen  Beziehungen
herantrat,  in  die  Bahn  der  Schutzzollpolitik  gedrängt  werden
würde.  Nur  in  diesem  Sinne  hat  auch  das  Wort  des  damaligen
österreichischen  Handelsministers  von  Chlumecky  Berechtigung,