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Zustimmung seines Bruders Friedrich eingeholt habe, sich in aller
Form anschliefsen. Ehe es jedoch zum Reichstage kam, trat in der
pfälzischen Politik jene rückläufige Wendung zum Kaiser ein, die
dann alsbald zur Folge hatte, dafs in Augsburg der nähere Anschlufs
der Pfalz an die Evangelischen unterblieb ').
Freilich war nicht eigentlich Kurfürst Ludwig selbst die Seele
der pfälzischen Politik, sondern vielmehr sein intelligenterer jüngerer
Bruder Friedrich, Inhaber der Herrschaft Oberpfalz, welcher
den Kurfürsten unter seinem überwiegenden Einfluls hielt?). Allerdings
schien sich gerade in Friedrich die hergebrachte Anhänglichkeit
der Pfalz an Österreich in besonders hohem Mafse bewähren
zu sollen. Der Pfalzgraf nämlich war am niederländischen
Hofe mit dem jungen Karl, dem nachmaligen Kaiser, zusammen
erzogen worden und zu demselben, wennschon in seinen Hoffnungen
auf die Hand der Prinzessin Leonore, der Schwester Karls, betrogen,
in ein nahes Verhältnis getreten. Die mannichfachen Verdienste,
welche Friedrich sich um ihn erworben, lohnte der Kaiser
dann im Jahr 1521 damit, dafs er den ehemaligen Spielgefährten
an die Spitze des neugebildeten Reichsregiments erhob, welches
ihn in seiner Abwesenheit vertreten sollte. Allein Friedrich behauptete
sich in dieser Stellung nur bis ins Jahr 1524. Als nämlich
damals das Regiment den Angriffen des Kaisers und der Fürsten
zum Opfer fiel, legte auch der Pfalzgraf sein Amt nieder und
zwar anscheinend in einer tiefen Verstimmung gegen den Kaiser,
die ihn, obwohl dieser den gröfßsten Wert darauf legte, den Pfalzgrafen
seiner Sache verbunden zu erhalten’), mehr und mehr aus
den Bahnen der kaiserlichen Politik in den Dienst dymastischer
Bestrebungen führte, welche darauf hinausliefen, das Haus Wittelsı)
Zur Vorgeschichte Kap. 3.
2) Vgl.oben S.19 die bezügl. Äufserung des Erzherzogs Ferdinand über
dies Verhältnis.
?) Aus Valladolid, 20. Sept. 1524, schrieb Karl an Ferdinand, um seinem
Bedauern über den Rücktritt des Pfalzgrafen Ausdruck zu geben: „il le
faut entretenir, meint er, le mieux que pourrez, attendu l’&tat et la qualite
de sa personne et de sa maison, de laquelle il est apparant successeur, et
aussi il est notre parent, de notre ordre et nourri avec moi; et le pourrez
avertir de ma part, que, desque je pourrai ätre hors de la necessit& oü je
suis pr&sentement, je lui montrerai ce que j’ai toujours eu envie de faire,
quest de lui faire tel honneur et bien, quw'il connaisse, j’ai bon amour & lui
et souvenance de ses bonnes services.“ Wien H.H. St. A., Briefbuch; auch
im Brüsseler Briefbuch, vom 7. Sept. datiert.