Full text: Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916/18

XXIII. Kriegsziele der feindlichen Staaken. 
Viele Deutsche glauben noch immer, daß ein Verständigungsfrieden möglich 
gewesen sei. Um ihr Urteil zu schärfen, nehme ich in dieses Buch die Kriegsziele der 
Entente auf, soweit die vertraglichen Abmachungen bekanntgeworden sind. Inson- 
derheit ruhen die Abmachungen zwischen England und Frankreich noch in den Archiven. 
1. Paris vom 31. Dezember 1919. 
2. Ribot in der französischen Kammer. 
83. Vertrag Englands, Frankreichs und Rußlands mit Italien vom 26. April 1915. 
4. Vertrag Rumäniens mit der Entente zum Eintritt in den Krieg vom 4. August 1916. 
5. Russische Veröffentlichungen betr. Abkommen über Konstantinopel und die Meer- 
engen vom 23. November 1917. 
6. Russische Denkschrift über die kleinasiatische Frage, veröffentlicht in „Iswestija“ 
vom 24. Rovember 1917. 
7. Geheimverträge über Syrien. 
8. „Manchester Guardian“: Geheimakten über Schantung. 
9. Über die wirtschaftlichen Kriegsziele der Entente. 
1. 
Paris vom 31. Dezember 1919. 
„Humaniteé“ veröffentlicht heute vormittag nach den „Chicago Daily Rews“ vom 
3. Rovember einen Bericht von Isaac v. Lewin, den er von Berlin aus seinem Blatt 
Übermittelt hat. Es handelt sich um den dritten Teil einer Depesche vom 23. November 
1914, die der französische Botschafter Palêéologue abgesandt hat, und in der die 
Friedensbedingungen wiedergegeben sind, die Zar Nikolaus auf Anraten seines Mi- 
nisters für auswärtige Angelegenheiten Ssasonow ausgearbeitet hat. „Humanité“ 
erklärt, durch diese Enthüllungen sei bewiesen, daß die Friedenskonferenz in Paris 
nach dem Diktat dieses Diplomaten gehandelt habe. In der Depesche sei gesagt: Öster- 
reich-Ungarn könne kaum bestehen bleiben. Böhmen werde seine Unabhängigkeit 
verlangen, so daß Österreich nur noch das deutsche Tirol und das Land Salzburg be- 
halten werde. Was Deutschland betreffe, so wollte Rußland das ehemalige Polen und 
einen Teil von Ostpreußen annektieren. Frankreich sollte Elsaß-Lothringen zurück- 
erhalten und sich vlelleicht auch nach der Rheinprovinz ausdehnen. Belgien müsse in 
der Richtung nach Aachen zu einen bedeutenden Länderzuwachs erhalten. Frankreich 
und England müßten sich in die deutschen Kolonien teilen, und schließlich müsse 
Schleswig-Holstein und die Zone des Kieler Kanals Dänemark zugesprochen werden. 
Paléologue hätte in der Unterredung, in der der Zar dieses Programm entwickelt 
habe, erklärt, er glaube, daß Delcassé in allen Punkten mit dem Zaren einverstanden 
sei; er habe dann den Zaren gefragt, was mit Hannover geschehen solle, der darauf 
erwidert hätte, wenn man einen kleinen freien Staat zwischen Preußen und West- 
europa schiebe, dann verstärke man den Frieden. Der Zar habe wörtlich hinzugesetzt: 
Unsere Handlungen werden von der Geschichte nur unter der Bedingung gebilligt 
werden, wenn sie von einem höheren Ideal inspiriert werden, nämlich dem Gedanken, 
für sehr lange den Frieden der Welt sicherzustellen. Der französische Botschafter habe
	        
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