Metadata : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

—  156  —

Bedürfnisse  der  Berufe  seiner  Landeskinder  und  in  alle  Zweige  des
Staatslebens  erworben.  Als  Prinz  Ludwig  ist  er  1866  in  der  Schlacht
bei  Helmstädt  in  der  Feuerlinie  gestanden  und  schwer  verwundet
worden.  Als  Vater  einer  Familie,  in  der  deutscher  Familiensinn
herrscht,  hat  er  Elternglück  und  Elternleid  erfahren.  Er  kennt  die
Sorgen  des  Landwirts  und  des  Fabrikherrn,  des  Handwerkers  und
des  Kaufmanns,  des  Soldaten  und  des  Beamten,  des  Unternehmers
und  des  Arbeiters.  Erfüllt  von  tiefem  Gottvertrauen,  hat  er  stets  die
Lebensregel  befolgt:  Bete  und  arbeite!  Er  bewegt  sich  gern
unter  dem  Bolke  und  erfreut  durch  seine  schlichte  Freundlichkeit  hoch
und  nieder.  In  allen  Gegenden  Bayerns  hat  König  Ludwig  in  ungezählten
  Versammlungen  zur  Besserung  des  Erwerbs  und  Verkehrs
Rat  erteilt  und  viele  Feste  durch  seine  Anwesenheit  ausgezeichnet.
Ein  halbes  Jahrhundert  ist  er  Mitglied  der  Kammer  der  Neichsräte
gewesen  und  hat  in  dieser  langen  Zeit  an  allen  wichtigeren  Aufgaben
des  Staates  in  hervorragender  Weise  mitgearbeitet.  Besonders  nahe
aber  steht  der  König  der  bäuerlichen  Bevölkerung  Bayerns.  Hat
er  doch  als  Gutsbesitzer  die  Leiden  und  Freuden  des  Landmanns
selbst  im  reichlichsten  Maße  kennen  gelernt.  Unablässig  für  den
Fortschritt  dieses  wichtigsten  aller  Berufe  tätig,  hat  er  Mustergültiges
  in  Biehzucht  und  Bodenbearbeitung  auf  seinen  Gütern
geschaffen.  Wenn  ein  jeder  Landwirt  so  treu  im  Kleinen  ist,  wie
König  Ludwig  treu  im  Großen,  so  kann  der  bayerischen  Landwirtschaft
  eine  glückliche  Zukunft  prophezeit  werden.  In  fast  allen  seinen
Reden,  die  er  öffentlich  gehalten  hat,  gibt  die  Liebe  zur  Landwirtschaft
als  Erhalterin  der  heimischen  Scholle  den  Grundton  an.  Für  alles,
was  den  Landmann  interessiert,  hat  er  ein  warmes  Herz.  Diele
Jahre  war  er  Ehrenpräsident  des  Landwirtschaftlichen  Dereins  in
Bayern,  dessen  Allerhöchster  Protektor  er  jetzt  ist,  und  hat  nach  Möglichkeit
  an  allen  Sitzungen  desselben  teilgenommen,  oft  das  Wort
ergreifend,  ratend  und  helfend,  wo  es  möglich  war.  So  können  wir
denn  sagen,  König  Ludwig  kennt  Bayerns  Land  und  Volk.  Die
Bayern  kennen  ihren  Landesherrn  und  vertrauen  auf  dessen  feste,
umsichtige  und  gerechte  Regierung.  Sie  empfinden,  daß  er  ein  Herz
für  sein  Volk  hat  und  erwidern  sein  landesväterliches  Wohlwollen
mit  aufrichtiger  Zuneigung.  »

Möge  Ludwig  III.  sein  Herrscheramt  lange  ausüben  und
die  Hoffnungen,  mit  denen  Bayerns  Volk  ihn  begrüßt  hat,  nicht  nur
erfüllen,  sondern  übertreffen!  Möge  es  Ludwig  beschieden  sein  nach
vielen  Jahren  segensreicher  Regierung  sagen  zu  können:  „Ich  habe
vom  ersten  Tage  Meiner  Herrschaft  an  das  Bertrauen  und  die  Liebe
Meines  Volkes  genossen.  Das  hat  Mich  beglücht.  Mit  jedem  Jahre
hat  sich  Mir  dieses  Herrscherglüch  noch  gemehrt.  Der  König  der
Könige  hat  Meine  Regierung  mit  reichstem  Segen  erfüllt."

Gott  schütze  unseren  König  Ludwig  III.  Nach  verschiedenen  Quellen.