Full text : Von Luther zu Bismarck. Erster Band. (1)

Bayern  nicht  bei  dem  Aussterben  der  Babenberger,  Hand  auf  das
erledigte  Osterreich  zu  legen,  und  bei  einer  bald  darauf  stattfindenden
Königswahl  unterliegt  gleichfalls  der  Wittelsbacher:  Rudolf  von
Habsburg  wird  1273  gewählt  und  weiß  neun  Jahre  später  Österreich
  seinem  Geschlechte  zu  verschaffen.  Begreiflicherweise,  daß  er
die  feindlichen  Wittelsbacher  schädigt,  wo  er  kann  und  ihnen  eben  die
Wahlstimme  nimmt.  Und  als  1305  den  Wittelsbachern  die  Möglichkeit
  winkt,  Ungarn  zu  gewinnen,  da  liegt  schon  österreichisches
Gebiet  feindlich  dazwischen,  die  Bayern  müssen  auf  große  Aussichten
  verzichten.  So  ist  die  Feindschaft  der  beiden  Familien,  Habsburg
  und  Wittelsbach,  entstanden,  eine  Feindschaft,  die  sich  immer
wieder  äußern  sollte.  Bei  fast  allen  Königswahlen  der  nächsten
Zeiten,  die  strittig  waren,  sind  die  beiden  Geschlechter  bittere  Feinde
gewesen,  besonders  als  in  zwiespältiger  Wahl  Ludwig  der  Bayer
und  Friedrich  der  Schöne  von  Österreich  gewählt  wurden.  In  zwei
bedeutenden  Gefechten  zu  Gammelsdorf  (1313)  und  zu  Mühldorf
(1322)  hat  Ludwig  über  die  Österreicher  den  Sieg  davongetragen,
er  blieb  schließlich  der  alleinige  römisch-deutsche  Kaiser.

Es  gelingt  Ludwig,  die  zerstreuten  bayrischen  Besitztümer  in  seiner
Hand  zu  vereinigen,  er  weiß  damit  auch  Brandenburg  und  Tirol  zu
verbinden;  letzteres  wird  freilich  im  entscheidenden  Augenblicke  ihm
von  den  Habsburgern  entrissen.  Er  kämpft  gegen  die  Übermacht
der  Kurie,  verteidigt  Reichsrechte  gegen  diese  und  gegen  Frankreich,
er  hat  besonders  das  Städtewesen  gefördert  und  seinen  Namen  in
der  bayrischen  Gesetzgebung  verewigt.

Neue  Teilungen  erfolgen  nach  seinem  Tode  (1347).  Abgesehen
von  der  Spaltung  in  Pfalz  und  Bayern,  zerfällt  die  letztere  Linie
in  die  Herzogtümer  München,  Ingolstadt,  Landshut  und  Straubing.
  Die  Ingolstädter  und  die  Straubinger  Linien  sterben  bald
aus,  ihr  Nachlaß  gibt  den  übrigen  neue  Gelegenheit  zu  Zank  und
Hader.  Endlich  werden  Anfang  des  16.  Jahrhunderts  die  bayrischen
  Linien  unter  Albrecht  dem  Weisen  geeint,  nur  kleine  Teile
wie  Sulzbach,  Neuburg  gehen  an  die  Pfälzer  Linie  als  „junge
Pfalz“  verloren.  Ein  Primogeniturstatut  von  1506  sorgt  dafür,
daß  nicht  neue  Teilungen  hier  einträten.

Da  setzt  die  Reformation  ein,  die  auch  in  Bayern  Anhänger  zu
gewinnen  weiß  unter  hoch  und  nieder.  Gleich  nach  dem  Wormser
Edikt  werden  in  Bayern  die  ersten  Strafmandate  gegen  die  neue
Lehre  erlassen,  wir  hören  von  zwei  Hinrichtungen  aus  religiösen