Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

—  197  —

Der  Süd-,  Südwest-  und  Westwind  haben  eine  mildere  Temperatur
und  sind  daher  leicht,  folglich  vermindern  sie  den  Druck  der  Luft  und  das
Quecksilber  fällt.  Weil  aber  gerade  diese  Winde  oft  Regen  bringen,  so
geht  das  Fallen  des  Quecksilbers  oft  dem  Regen  voraus;  allein  auch  dieses
Zeichen  kann  unrichtig  sein,  wenn  der  Luftdruck  sich  aus  einer  anderen
Ursache  vermindert  hat.  Daher  kann  es  regnen,  wenn  das  Ouecksilber
steigt,  und  es  kann  heiteres  Wetter  sein,  wenn  es  fällt.  Will  man  daher
das  Barometer  als  Wetterglas  richtig  benutzen,  so  muß  man  sich  an  folgende
Regeln  halten:

1.  Ein  ungewöhnlich  hoher  Stand  des  Quecksilbers  zeigt  heiteres  Wetter
an,  das  im  Winter  von  strenger  Kälte,  im  Sommer  von  mäßiger  Hitze  begleitet
  ist.

2.  Ein  sehr  niedriger  Stand  deutet  auf  Wind,  und  wenn  dieser  aus
Südwest,  Süd  oder  West  kommt,  auf  Regen.

3.  Das  plötzliche,  starke  Fallen  des  Quecksilbers  läßt  starken  Wind  oder
Sturm  vermuten,  welcher  Regen  bringt,  wenn  er  aus  Süd,  Südwest  oder
West  weht.

4.  Dauernde  Unveränderlichkeit  in  dem  Stande  des  Quecksilbers,
mag  er  hoch  oder  niedrig  sein,  zeigt  die  Fortdauer  der  eben  vorhandenen
Beschaffenheit  des  Wetters  an.

5.  Die  Veränderung  des  Quecksilberstandes  ist  mit  Veränderlichkeit  in
dem  Wetter  verbunden,  wobei  es  nicht  selten  regnet,  wenn  der  Wind  aus  den
genannten  Himmelsgegenden  weht.  Nach  Palm  (Webehh.