Contents : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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Orte  ein  übermütiger  junger  Bursche;  der  wagte  es  eines  Abends,
als  sie  wieder,  auf  den  Tisch  gestützt,  schlief,  sie  ziemlich  derb  anzu—
stoßen.  Wie  erschraken  alle  Anwesenden,  als  statt  ihrer  Freundin
die  leeren  Kleider  in  die  Stube  fielen!  Da  plötzlich  klopfte  es  ängstlich
  ans  Fenster  und  draußen  stand  das  bewußte  Mädchen  nackend
und  frierend  und  bat  flehentlich  um  seine  Kleidung.  Es  war  nämlich
  in  diesem  Zustande  durch  das  Bansenloch  auf  die  Tenne  herabgestürzt.


3.  Eine  Magd  erblickt  ihren  verreisten  Herrn.

Gräße,  Rd.  I,  Nr.  84;  J.  Chr.  Sickel,  Nachrichten  von  Poltergeistern  und
gespenstischen  Erscheinungen.  Quedlinburg  1761.  A.  A.  80.  Teil  II,  S.  74  ff.

In  einem  in  der  Aähe  von  Meißen  gelegenen  Städtchen  wohnte
vor  einiger  Zeit  ein  Rechnungsführer,  Namens  Conradi.  Ob  nun
gleich  dieser  Mann  eines  Tages  in  Geschäften  für  mehrere  Tage
nach  Dresden  verreist  war,  ist  doch  die  Alagd  in  seine  Stube  gegangen,
  um  daselbst  aufzuräumen,  damit  er  bei  seiner  Bückkehr
alles  in  Ordnung  fände.  Beim  Offnen  der  Stubentür  sieht  sie  ihren
Herrn  am  Tische  im  Schlafrocke  sitzen  und  schreiben,  erschricht  aber
bei  solchem  unverhofften  Anbliche  furchtbar  und  tritt  sprachlos  zurüchk,
macht  auch  die  Türe  ganz  leise  zu  und  läuft  die  Treppe  hinunter,
um  ihrer  Frau  die  ihr  zugestoßene  Neuigkeit  zu  hinterbringen.  Sie
sagt  also:  ich  habe  gedacht,  unser  Herr  wäre  verreist,  und  kam  hinauf
  in  die  Stube  und  wollte  solche  auskehren,  da  saß  er  in  seinem
Schlafroche  und  schrieb.  Die  Hausfrau  wunderte  sich  hierüber  und
sprach:  du  bist  nicht  klug,  du  weißt  ja,  daß  mein  Mann  verreist
und  noch  nicht  wieder  nach  Hause  gekommen  ist!  Die  Alagd  aber
schwur  dazu  und  sagte:  ich  werde  ja  wohl  meinen  Herrn  kennen,
er  ist  ganz  gewiß  oben  und  schreibt!  Sie  bittet  dann  die  Hausfrau,
eilends  mit  hinauf  zu  gehen,  da  werde  sie  ihn  sehen.  Diese  tat  es
auch,  ging  mit  hinauf,  machte  die  Stube  auf  und  sah  hinein;  da
stand  aber  der  leere  Stuhl  da  und  niemand  saß  darauf.  Hierüber
hat  sich  aber  die  Magd  nicht  genug  wundern  können,  daß  ihr  Herr
nicht  mehr  da  war,  da  sie  ihn  doch  vor  kaum  einer  Biertelstunde
an  diesem  Orte  mit  ihren  Augen  gesehen  hatte.