Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zehnter Band. (10)

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sich  Bläschen  nur  an  der  Impfstelle,  bei  einem  anderen  im  Reg.-Bez.  Münster  ringsum
am  Halse.  11  Fälle  von  einem  über  den  ganzen  Körper  sich  ausbreitenden  schnell  vorüber-Zehenden
  Hautausschlage  kamen  im  Reg.-Bez.  Hannover  vor.  Aus  Sachsen-Me  iningen
ist  berichtet  über  1  Fall,  aus  Baden  über  6  Fälle  von  Hautausschlag.  Ein  kleinbläschenförmiger
  Ausschlag  entwickelte  sich  bei  einem  Kinde  in  Chemnitz  11  Tage  nach  der
Impfung  am  Oberarm  und  der  rechten  Schulter;  einige  Bläschen  waren  auch  an  den  Beinen
und  am  Gesäß  sichtbar;  die  Abheilung  der  Impfstelle  wurde  durch  diesen  Ausschlag  nicht
verzögert.  Bei  einem  anderen  Kinde  in  Chemnitz  war  ein  2  Wochen  nach  der  Impfung
aufgetretener,  juckender  Knötchenausschlag,  der  sich  von  den  Hand=  und  Fußrücken  über  den
ganzen  Körper  verbreitete  und  stellenweise  kleine  Geschwüre  zeigte,  durch  Krätzmilben  bedingt
  und  stand  in  keinem  Zusammenhang  mit  der  Impfung.  In  Berlin  wurde  ein  Fall
von  Prurigo  nach  der  Impfung  beobachtet.

Masern=  und  rötelnähnliche  Ausschläge  stellten  sich  in  3  Regierungsbezirken
Preußens  je  1  mal,  in  je  einem  2  und  3  mal  und  in  einem  anderen  mehrere  Male
ein.  In  Breslau  kam  ein  Fall  von  fleckigem  Ausschlag  zur  Anzeige.  Bei  den  in  Bayern
vorgekommenen  Fällen  boten  die  Impfstellen  meist  keinerlei  Regelwidrigkeiten  dar,  was  von
vielen  Impfärzten  ausdrücklich  hervorgehoben  ist.  Aus  Lübeck  ist  über  einen  leichten  Fall  berichtet.
  In  Sachsen  -Altenburg  kam  3  mal,  in  Braunschweig  1  mal  ein  masernähnliches
  Exanthem  vor.  Ein  11jähriger  Knabe  aus  Cannstatt  (Neckarkreis)  bekam
19  Tage  nach  der  Impfung,  nachdem  die  vier  gut  entwickelten  Pusteln  bereits  eingetrocknet
waren,  ein  ausgebreitetes  papulöses,  an  den  Ohrläppchen  bläschenförmiges  Exanthem,  das
schon  nach  wenigen  Tagen  ohne  Fieber  heilte.

Einen  schwereren  Verlauf  nahm  die  Erkrankung  eines  Kindes  im  Bezirk  Wertheim  (Baden).
Bei  ihm  war  an  dem  Nachschautage  nur  eine  stärkere  Reaktion  um  die  Impfpusteln  zu  bemerken;  in  der
2.  Woche  nach  der  Impfung  entwickelte  sich  unter  Erbrechen,  Durchfall  und  Anschwellung  der  Achseldrüsen
ein  nesselsuchtähnliches  Exanthem  über  den  ganzen  Körper.  Das  Kind  erschien  schwer  krank.  Durch  den
Impfarzt  wurden  alsbald  sämtliche  am  gleichen  Tage  geimpften  Kinder  untersucht  und  bei  einem  davon
ein  gleichartiger  Ausschlag,  wenn  auch  von  geringerer  Heftigkeit,  festgestellt.  In  einer  Nachbargemeinde
waren  Erst=  und  Wiederimpflinge  eine  Stunde  früher  aus  demselben  Lymphegläschen  und  nach  demselben
Verfahren  geimpft  worden;  die  Untersuchung  dieser  Kinder  ergab  nicht  die  geringste  Störung  des  Impfverlaufes.
  Das  erkrankte  Kind  war  nach  etwa  einer  Woche  wieder  hergestellt.  Seitens  des  Impfarztes
wird  darauf  hingewiesen,  daß  in  der  betreffenden  Gemeinde  als  Trink-  und  Gebrauchswasser  der  Inhalt
von  Zisternen  benutzt  wird,  da  anderes  Wasser  nicht  zu  beschaffen  ist;  mit  solchem  Zisternenwasser  wurde
das  erkrankte  Kind  gewaschen  und  darin  gebadet.  Der  Impfarzt  ist  der  Ansicht,  daß  möglicherweise  durch
das  Wasser  eine  Infektion  der  Impfstelle  erfolgt  ist.

In  Elsaß-Lothringen  war  bei  3  Impflingen  am  ganzen  Körper  ein  masernähnlicher
Ausschlag  aufgetreten,  aber  bereits  nach  2  bis  3  Tagen  wieder  verschwunden;  der  Berichterstatter
  nimmt  an,  daß  es  sich  um  Insektenstichexrantheme  gehandelt  hat.  Aus  Mecklenburg-Strelitz
  ist  über  einen  Fall  von  „Impfmasern“  berichtet,  aus  Sachsen-Altenburg
über  5,  aus  Hamburg  über  3  Fälle  von  Nesselfrieselausschlag.

Ein  Auftreten  von  Vakzinepusteln  an  anderen  Körperstellen  ist  in  Preußen,
Bayern,  Sachsen,  Württemberg,  Schwarzburg-Rudolstadt  und  Hamburg
zur  Beobachtung  gelangt;  es  war  teils  auf  Übertragung  des  Vakzinestoffes  durch  die  Hände
(Fingernägel)  zurückzuführen,  teils  ist  nach  der  Annahme  der  Berichterstatter  die  Weiterverbreitung
  auf  dem  Wege  der  Blutbahn  erfolgt.  Betroffen  wurden  fast  alle  Körperteile,
verschiedentlich  traten  Vakzinepusteln  an  den  Augenlidern  auf.  In  einem  Falle  zeigten  sich
die  verirrten  Pusteln  nach  frisch  geheiltem  Exanthem  oberhalb  der  Impfstelle  und  in  den
Achselhöhlen  mit  starker  Schwellung  der  Achseldrüsen  und  Fieber.  Im  Amtsbezirk  Rockenhausen
  (Pfalz)  entstanden  bei  einem  Erstimpfling  neben  vier  vollständig  und  ohne  besondere