Full text: Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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duldig jedes Leid und fluche ja nicht! Hättest du heute bei der 
Verfolgung der Wespe einen Fluch ausgesprochen, so wärest du 
ganz sicher ertrunken.“ Und nun erzählte sie ihm von ihrer Ver— 
zauberung durch den bösen Geist und wie die Topase nichts weiter 
als ihre verzauberten Gefährtinnen seien. 
Wie erstaunte Theodor über die Worte Muldas! „Und wann 
naht denn für euch die erlösende Stunde?“ wagte er schüchtern zu 
fragen. „Auch dies soll dir nicht verschwiegen sein, denn auch du 
kannst deinen Teil dazu beitragen,“ entgegnete die freundliche Mulda. 
„Wenn die Menschen einträchtig wie Brüder und Schwestern bei— 
einander wohnen, dann dürfen wir wieder hinauf zur Erde steigen 
und können uns dann vielleicht eines Wiedersehens erfreuen.“ — — 
Musik erklang; und von unsichtbaren Händen gezogen, ward 
Theodor Fremdling wieder ans Tageslicht gebracht. Wie im Traum 
wandelte er der elterlichen Hütte zu und erzählte den erstaunten 
Eltern, wie die weingelben, glänzenden Topase verzauberte Aixen 
seien. — Aufs Topassuchen ist er nie wieder gegangen. 
1244. Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges 
bei Kirchberg (Zwickau). 
Köhler, Sagenbuch, NAr. 325, nach „Glückauf“, 2. Jahrg., S. 80. 
In der Schlacht an der Göltzsch, in welcher die Deutschen die 
Herrschaft der Sorbenwenden in den Flußgebieten der Saale, Elster 
und Mrulde brachen, verlor auch ein adeliger Sorbe das Leben. 
Seine Burg lag inmitten seines ansehnlichen Grundbesitzes auf dem 
Borberge, welcher sich nahe bei der Stadt Kirchberg erhebt. Bevor 
er in den Kampf gezogen war, hatte er seine Schätze dicht neben 
dem Burgbrunnen, welchen man noch heute auf dem Borberge zeigt, 
vergraben, seine Kinder aber, drei Mädchen von großer Schönheit, 
hinausgeführt in den heiligen Hain und sie hier geloben lassen, dem 
Glauben ihrer Väter treu zu bleiben und die heiligen Gebräuche 
ihres Volkes fortzuüben. Als die Deutschen in die Gegend ein- 
rüchten, brannten sie die Burg nieder, ließen aber die drei Schwestern, 
welche unterdessen ein kleines Gehöfte am Berge bezogen hatten, 
ziemlich unbelästigt in ihrer Verborgenheit leben. Allerdings traf 
65“
	        
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