Full text: Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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1246. Der Ottenstein bei Schwarzenberg. 
Gräße, Bd. J, Ar. 520, poetisch bearb. v. St. im Erzgebirg. Volksfreund, 
1874. Beilage Ar. 3. Unterh.-Bl. 1. 
Ohngefähr eine halbe Stunde östlich von Schwarzenberg 
zwischen dem Schwarzwasser und der Pöhl unweit der Chaussee 
nach Scheibenberg liegt das Bad Ottenstein, welches angeblich 
seinen Mamen von einem Kaiser Otto führen soll, der einst hier 
übernachtete. Anderes weiß allerdings die Sage darüber zu be- 
richten. 
Es soll nämlich einst auf der Feste Schwarzenberg ein Ritter 
gehaust haben, der eine schöne Mündel besaß, um welche ein Graf 
Otto von Siebeneichen, aus den Bheinlanden stammend, freite. 
Weil der Vormund aber seine Mündel lieber selbst ehelichen wollte, 
wies er die Anträge des fremden Ritters barsch zurück. Derselbe 
beschloß nun, sie zu entführen. Aun war aber damals um Schwarzen- 
berg herum alles Land von einem See eingenommen, der sich bis 
nach Untersachsenfeld hinzog. Der Mitter schlug nun seine Wohnung 
in einer Fischerhütte auf, von wo aus er durch die ins Schloß 
kommenden Bewohner derselben dem Burgfräulein Aachricht von 
seiner Ankunft gab und ihr den Tag bestimmte, wo er sie an einem 
Vollmondsabende auf einem Kahne über den See weg abholen 
wolle. Inzwischen vergnügte er sich selbst öfter mit Herumfahren 
auf dem Wasser. Da stieg einst, als er spät noch sich herumkahnte, 
ein wunderschönes Frauenbild aus dem Wasser heraus, setzte sich 
an seine Seite und suchte ihn durch Liebkosungen zu verleiten, sie 
zu ihrem Kristallpalast unter den Wellen, wo sie als die A#xxe des 
Sees weilte, zu begleiten; er aber stieß sie zurückh und sagte, er 
könne kein anderes Weib lieben, da er schon sein Herz einer andern 
geschenkt habe. Traurig verließ ihn die schöne Aixe, und er selbst 
ließ sich nicht wieder an dem See blicken, bis der Tag kam, wo 
er seine Geliebte abholen wollte. Endlich erschien dieser, der Voll- 
mond warf sein bleichglänzendes Licht auf die Spiegelfläche des 
Gewässers, glücklich fuhr er nach dem gegenüberliegenden Afer, wo 
seine Braut auf ihn wartete; als sie aber zurüchfuhren, schienen 
plötzlich die Wogen in sich selbst aufzukochen, er vermochte den 
schwankenden Kahn nicht im Gleichgewicht zu erhalten, derselbe 
schluug um, und ob er gleich seine Geliebte ergriff und sie durch
	        
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