220 Buch II. Kap. 4.
Haltung der Tanzenden war eine sehr ruhige und ge—
messene, die Bewegung der Füße nur ein Treten und
Schleifen 65). Feierlichste Gestalt nahm diese Tanzweise
in den „Fackeltänzen" an, welche bei vornehmen Hochzeiten
üblich waren. Die Springtänze oder „Reihen“
wurden mehr im Freien als im Hause getanzt und zwar
nicht schreitend, sondern springend, wobei sich Tänzer
und Tänzerinnen durch möglichst hohe und weite Sprünge
hervorzuthun suchten. Wenn uns berichtet wird, daß
Mädchen im Reihen klafterweite Sprünge gethan 67) und
daß die Tanzenden wie Kraniche, Bären und Böcke durcheinander
gesprungen 68), so können wir uns leicht vor-66)
Uf den zehen slichent's hin,
Nach dem niuwen hovesin.
Swer niht trittel treten kan
Als zuo einer henne ein han,
Der bedarf sich vragen in daz göu
Oder er wirt gekapfet an,
Als er si ein wilder man.
Zippelzehen, schokken dar,
Strichen mit den versen,
Swer daz kan, des nimt man war,
Dem kan nieman gehersen. Minnesinger,
III, 196, 283.
67) Si sprank
Mer danne eines klafters lank
Unt noch hoher. Minnes. II, 122.
68) Wie si tanzen und ouch schwanzen
Mit ir glanzen swibelswanz;