Die Pausen. 213
zeichen, dem Fragezeichen bezeichnet. Diese Interpunktionen sind
dann ein Haltpunkt für die Anwendung der Pausen. Bei diesen
Zeichen findet immer ein Heben oder Senken der Stimme statt,
also ein Abschließen. Diese mit dem Abschließen eines Satzes
verbundenen Pausen sind die größten, die längsten, sie sind
namentlich geeignet Atem schöpfen zu lassen. In ihnen kann man
einen vollen Atemzug nehmen. Uber ihre Dauer etwas bestimmtes
festzusetzen ist nicht gut thunlich. Die Dauer hängt
wesentlich vom Zeitmaß, vom Tempo der Rede ab. Eine leidenschaftliche
Rede hat ein lebhaftes Zeitmaß und in diesem sind
die Pausen nur kurz, die Sätze reihen sich rasch an einander an,
ohne zu einem vollkommnen Abschluß zu gelangen. In einem
ruhigen Vortrage dagegen ist das Zeitmaß langsam, die Tonsenkung
am Schlusse der Sätze ist vollkommener, also sind auch
die Pausen länger. Die Pause darf im allgemeinen nicht länger
sein, als daß der Hörer sie für eine solche erkennen kann. Er
muß fühlen daß hier eine Pause und nicht der Schluß der
ganzen Rede stattfindet.
Nach einem Gedankenstrich findet eine größere Pause statt.
Eine Periode besteht aus mehreren Sätzen. Diese sind
gewöhnlich durch Kommata von einander geschieden. Auch sie
werden durch eine Pause von einander getrennt und so ist das
Komma wieder ein Fingerzeig für eine Pause.
Diese Pausen sind von den ersten dadurch verschieden daß
bei ihnen kein Abschluß, also kein Sinken der Stimme vorkommt,
sie sind demnach kürzer als die vorhergehenden. Auch bei ihnen
kann man meistens Atem nehmen, aber nicht mehr als einen
flüchtigen Atemzug thun.
Innerhalb einer Periode kommen auch das Kolon und
Semikolon vor. Die Pausen, die durch diese Interpunktionszeichen
bedingt werden, sind um eine Schattierung länger, als
die der Pausen beim bloßen Komma, sie sind namentlich auch
geeignet Atem zu nehmen.
Was nun eben vom Zeitmaß gesagt worden ist gilt auch
von den Pausen bei dem Komma, Kolon und Semikolon.
Viele dieser Bemerkungen über die Pausen sind schon in
den §§ 7 ff. vorgekommen und nur noch einmal übersichtlich
zusammengestellt.
§ 92. Für alle diese Pausen giebt die Grammatik durch
die Interpunktion einen Fingerzeig"). Es kommen nun aber
*) Die Interpunktion in unserer Sprache liegt aber sehr im Argen. Es
kann hier nicht weiter darauf eingegangen werden, zumteil sind auch Be-