Full text : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

120  Ausfall  am  16.  August.

Bauart  ihrer  Häuser  vortreffliche  Stützpunkte  gegen  den  vorrückenden
Feind  abgegeben  haben  würden.

Am  16.  August  versuchte  der  französische  Kommandant,  sich  durch
einen  Ausfall  gegen  die  Belagerungstruppen  Luft  zu  verschaffen.
Eine  nicht  unbedentende  Anzahl  Truppen  mit  mehreren  Batterien
warfen  sich  im  Süden  der  Festung  in  der  Richtung  nach  Ostwald
auf  die  badischen  Regimenter,  welche  auch  sofort  den  Kampf  aufnahmen
  und  den  ausgefallenen  Feind  durch  ein  geschicktes  Manöver
von  der  Stadt  wegzudrängen  suchten.  Ganz  gelang  es  nicht,  aber
schon  nach  kurzer  Zeit  war  der  Feind  so  umstellt,  daß  er  nur  durch
einen  eiligen  Rückzug  in  die  Festung  mit  Zurücklassung  von  drei
Kanonen  und  zahlreichen  Gefangenen  sich  retten  konnte.

Man  traf  nun  Anstalten  zu  einer  regelrechten  Belagerung.  Bei
Stollhofen,  oberhalb  Rastadt,  wurde  eine  Schiffbrücke  über  den  Rhein
geschlagen,  um  vom  Großherzogthum  Baden  aus  alle  Bedürfnisse  zur
Verpflegung  der  Truppen  und  alle  Erfordernisse  zur  Belagerung  und
Beschießung  ohne  Unterbrechung  beziehen  zu  können.  Es  darf  nicht
unerwähnt  bleiben,  daß  während  der  ganzen  Zeit  der  Belagerung  die
Bewohner  des  Großherzogthums  Baden  zu  jedem  Opfer  und  zu  jeder
Unterstützung  der  deutschen  Truppen  bereit  gewesen  sind,  und  daß
auch  hierin  ein  Grund  für  die  rasche  und  glückliche  Durchführung  der
Belagerung  zu  suchen  ist.  Das  ist  eins  der  erhebendsten  Momente
in  dem  großen  Kriege,  daß,  mit  schmählicher  Ausnahme  der  Sozialdemokraten,
  in  dem  ganzen  großen  deutschen  Volke  kein  einziger
Stamm  sich  ausgeschlossen  hat  von  dem  Kampfe  und  von  dem  viebeswerke
  gegen  die  Truppen  und  gegen  die  Verwundeten.  Durch  die
persönlichen  Bemühungen  des  Großherzogs  von  Baden  sind  bei
Straßburg  den  Truppen  sehr  viele  Erleichterungen  gewährt  worden.

Mit  dem  17.  August,  als  neue  deutsche  Truppen  eintrafen,  wurde
die  Zernirung  der  Festung  eine  engere.  Um  diese  Zeit  trafen  auch
von  der  Festung  Rastadt  32  schwere  Geschütze  ein,  welche  am  rechten
Rheinufer  unterhalb  der  badischen  Stadt  Kehl  in  Batterie  gestellt
wurden.  Am  19.  August  wollten  zwei  von  diesen  Batterien  eine
Probe  machen,  ob  ihre  Berechnung  der  Entfernungen  eine  richtige  sei.
Sobald  aber  von  deutscher  Seite  der  erste  Schuß  gefallen  war,