Metadata : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

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Geist  und  Ziele  der  Akademie  naclı  FRIEDRICH  und  MaAvperttiıs.  309

Nicht  als  kirchliche  Theologen  sollen  die  Akademiker  die  religiösen
  Fragen  behandeln;  aber  sie  sollen  sie  doch  nicht  ausschliessen,
ja  Mauperttis  scheint,  wie  Worrr,  anzunelunen,  dass  der  Idealismus
und  das  »natürliche«  System  der  Religion  beweisbar  seien  und  mit
dem  christlichen  Theismus  der  Evangelien  zusammenstimmen.  Ein
grosser  Theil  der  Akademiker  FrieprıcH's  hat  sich  mit  religionsphilosophischen
  Fragen  fort  und  fort  beschäftigt.  Wir  sind,  sagten
sie,  weder  abergläubisch  noch  ungläubig;  wir  leben  auf  einem
Boden.  wo  man  die  Grenzen  der  Vernunft  und  des  Glaubens  in
gerechter  Weise  gezogen  hat,  wo  man  jene  ausbildet  und  diesen
respectirt.  »Die  Religionsphilosophie  verbannen,  das  bedeutet,  sich
auf  eine  Akademie  der  Sounette  und  Madrigale  zurückziehen  «'.

Die  wichtigste  Neuerung  in  den  Statuten  von  1744  und  1746
war  die  Errichtung  einer  besonderen  Klasse  für  die  speculative
Philosophie.  Wie  die  Berliner  Akademie  die  erste  gewesen  ist,
welche  alle  Disceiplinen  der  Wissenschaft  in  sich  vereinigt  hat
—  weil  Leissız  mit  scharfem  Blick  erkannt  hatte,  dass  das  Prineip
der  kritischen  Forschung  nicht  nur  auf  naturwissenschaftlichem
Gebiete,  sondern  in  allen  Wissenschaften  anzuwenden  sei”  —,  so
ist  sie  auch  die  erste  gewesen,  welche  die  Pflege  der  speculativen
Philosophie  unter  ihre  Aufgaben  aufgenommen  hat.  MAUPERTUIS
und  Forxer  haben  noch  das  Bedürfniss  gefühlt,  diese  Neuerung
zu  rechtfertigen.  Beide  fassen  die  Metaphysik  als  die  Mutter  und
Königin  der  Wissenschaften,  als  die  Wissenschaft  der  Wissenschaften,
  als  die  Theorie,  welche  die  allgemeinen  Prineipien,  die
nothwendigen  und  universalen  Ideen  liefert,  und  welche  die  Quelle
der  Evidenz  und  die  Grundlage  der  Gewissheit  bildet.  Beide  zeigen,
dass  dieses  hohe  Studium.  von  den  grossen  Denkern  der  neuen
Zeit  so  glücklich  weitergeführt  und  gereinigt  von  dem  scholastischen
Roste,  aufgehört  hat  ein  »  Wörterbuch  barbarischer  Terminologieen  «
zu  sein  und  die  grundlegende  Wissenschaft  geworden  ist,  die  jeder
Diseiplin  die  massgebenden  Grundbegriffe  giebt.  Sie  schliessen
daraus,  dass  eine  Akademie  der  Wissenschaften  eine  besondere
Klasse  für  die  Metaphysik  einrichten  und  eine  eigene  Abtheilung

ı  Prexoxtrvar  in  den  Mc.  1761  p.416f.  Ausdrücklich  verweist  er  dabei
auf  Leisxizens  Theodicee.

?  Dazu  kanı.  dass  er  letztlich  von  der  Akademie  (bez.  von  den  Netz  von
Akademieen.  das  er  gründen  wollte)  Jie  Herstellung  einer  grossen  Encyklopädie
alles  Wissenswürdigen  oder  —  wie  er  sieh  auszudrücken  liebte  —  Logaritlunentafeln
  für  alle  Wissenschaften  erwartete.