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wesenden ein mit derartig regenerierter Valzine geimpfter Ochse vorgeführt werden, welcher
nach 6mal 24 Stunden einen geradezu mustergültigen Zustand des Impffeldes zeigte.
Calmette und Guerin haben im Institut Pasteur zu Lille 1) folgendes Verfahren ausgebildet:
Auf dem Rücken des Kaninchens wird eine Fläche von etwa 15 gem rasiert; auf
diese wird ohne Verletzung der Haut sofort, bevor noch die durch das Rasieren entstandene
Hautröte verschwunden ist, Kälberlymphe einfach eingerieben. Bei hellfarbigen Kaninchen
entstehen intensive Eruptionen. Am 4. Tage wird das Tier getötet, die Impffläche
einschl. der ödematösen Umgebung abgeschabt und das Abgeschabte im Mörser verrieben.
Solche Verreibung ist vielfach zu Kälber= und Kinderimpfungen verwendet worden. Die
Lymphe hat sich als konstant erwiesen, enthält immer eine geringe Menge fremder Mikroben.
Während 3 oder 4 direkte Pafsagen von Kalb zu Kalb genügen, um den animalen Stoff
durch die Vermehrung der fremden Keime abzuschwächen, kann man auf dem Kaninchen
mehr als 12 Passagen vornehmen, ohne daß die Beschaffenheit der Eruption sich ändert.
Von dieser Erfahrung ausgehend, haben Calmette und Guerin ein Verfahren zur Regeneration
der animalen Stämme ausgebildet. Das Kalb wird mit der soeben von Kaninchen abgenommenen
Lymphe geimpft. Es scheint, daß die Mikrobenflora einer solchen Stammlymphe
sich nicht auf dem Kalbe weiter entwickelt. Calmette und Guerin konnten damit jedesmal
Vakzine von tadelloser Beschaffenheit erzielen. Das Kaninchen vermittelt aber nicht allein
eine tadellose Vakzine, sondern führt auch keine Abschwächung derselben herbei. Das Institut
Pasteur zu Lille übt dieses Verfahren seit zwei Jahren; jährlich sind dort gegen 40 000 Tuben
hergestellt. Die genannten Forscher fassen ihr Urteil dahin zusammen, daß die Züchtung und Konservierung
von wirksamen Vakzinestämmen von jetzt ab nicht mehr die Sache der Impfinstitute
zu sein braucht, denn das Kaninchen regeneriert vollständig selbst abgeschwächte Lymphestämme.
Das nach vielfachen Versuchen in Weimar im Jahre 1904 durchgeführte Verfahren
der Lympheregenerierung ist folgendes geworden: Für jede Kälberimpfung sind 4 bis 6 Tage
vorher je 2 bis 4 Kaninchen in der von Calmette und Guerin beschriebenen Weise mit Kinderlymphe,
mit frischer oder monatelang konservierter Kälberlymphe geimpft worden. Halbwüchsige
Kaninchen erhalten eine handgroße Impfstelle auf der Lendengegend, in welche einige
Röhrchen Kinderlymphe oder ½ g Elhyzerinkälberlymphe nur mit der desinfizierten Fingerspitze
eingerieben werden. Bei Tieren mit derberer Haut wird vorher die rasierte Fläche
leicht mit Sandpapier überstrichen. Es hat sich herausgestellt, daß Kinderlymphe, frische
Kälberlymphe und konservierte Glyzerinlymphe gleichmäßig und leicht haften. Nach 4 mal
24 Stunden ist die Impffläche gleichmäßig infiltriert. Meist sind die Haare wieder etwas
nachgewachsen und bedecken die Haut als leichter Wollüberzug. Sobald die Impfstelle einige
rote Risse und Sprünge zeigt, wie in einer gebrochenen Glasscheibe, ist der Termin zur
Abimpfung gekommen. Zur Kontrolle sind im Beginn der Versuche je 4 Schnittchen an der
Innenfläche des einen Ohres angelegt worden. Der typische Verlauf dieser Impfschnitte ist
nach dem Schema in Fig. 2 (s. S. 119), welches von Kaninchen ohne gleichzeitige Rückenimpfung
stammt, langsamer; er erreicht erst nach 5 bis 6 mal 24 Stunden seine Höhe um alsdann
rasch unmittelbar in das Eintrocknungsstadium überzugehen, welches in etwa 12 Tagen
ohne Eiterung beendet ist. Für die Abimpfung muß das Tier getötet werden, was durch
einen Schlag in den Nacken rasch geschieht. Die geimpfte Stelle wird ausgeschnitten und auf
ein walzenförmiges Holzstück von 12 cm Durchmesser mittels kleiner Nägel ausgespannt, daun
wird es gründlich mit gekochtem, warmen Wasser abgerieben; mit dem scharfen Löffel wird
nun die Epidermis und die Malpighische Schicht bis auf die Lederhaut kräftig abgeschabt.
) Comptes rendus des séances de la société de Biologie, Séance du 17. V. 1902.