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Päpste 2, 108; in kurzer abgebrochener Höflichteitswendung
gestatten Sie! (vgl. dazu unter erlauden); ungewöhnlich:
doch hätte, wie er war, an anstand und
Bestalt don Galoar . den preis ihm ohne kampf gestattet
(eingeräumt) Wieland Idr. 1, 13.
Gestehen, verstärktes steben, ahd. gistän, mhd. gegestehen
— Gestein.
stän, gesten, in der alten Spr. in mannigfacher, jetzt
in sehr eingeschränkter Bed.; 1) sinmlich, stehen, fest stehen,
stehen bleiden: dag ex (ein Kind) niht moht gegen noeb
gesitzen noch gesten Lamprecht Franzisk. 4450; (dn
sollst) keinen da hinwegk lan gehn, bisz er vor füll
nimm mag gestehn Grobian. 4191; von Gliedmaßen:
dann im das maul nimmer gestund Wickram Bilg. 50 ;
von Dingen: regenwazzer venn ez in ainer Zistern
gestet und lauter wirt Megenberg 104; die tiefe oben
gestehet Hiob 38, 30; von Gerinnendem: d0 gestuont
daz öl und gieng nums Mst. 1,276; gesteben. gerinnen,
schlickeren Henisch; mein schmalz .. veil es zuvor
gestehen und erkalten muste Simpl 4, 211; die milch
zgesteht Steinbach, und noch bei Adelung gestandene
milch. das fett gesteht; jetzt abkommend; — in mehr
unsinnlicher Anwendung, gestehen — bestehen: dabei
kann ich nicht gestehen Abelung; refl. sich gestehen,
sich unterstehen: er gesteht sich nicht herein zu kommen
Steinbach; einem gesteben, Stand halten; in freundlichem
Sinne — beitreten, beistehen: wer den vigenden
gestät, und die inren hurger lät Boner Edelst. 44, 49;
Jederman sol yhrer deutung gestchen Luther Postille
1528; seine mannschaft ist ibm niebt gestanden (hat
sich zu seinem Dienst nicht eingestellt) Adelung; in
seindlichem Sinne: er will mir nicht auf den degen
gestehn Steinbach; eines dinges gestchen, dabei
bleiben, einstehen für etwas: wolt ir mir des gestehen
Spittendorsf 184. Das Part. gestanden von fester
Gesinnung: der gestandene muot Trist. 9229; und gereiften
Jahren: eines gestandnen alters, yetz gäter tuge
Maaler; da ein zungling einem groszen baufen gestandener
männer forthellen musz Simpl. 4, 216; in
allen solchen Anwendungen jetzt veraltet. 2) gestehen
in alter Rechtsspr. = vor Gerichte erscheinen, namentlich
als Beklagter: wer czu dinge geladin ist und nicht
gesteit Magdeb. Blume 2, 3, 28; woraus sich die Bed.
bekennen, einräumen entwickelt (vgl. auch zugestehen):
gestchen, nicht in abred sein, nicht laugnen Henisch;
wiltu das gestehen und offentlich für gericht bekennen?
Luther von Chesachen 1530; wir gestehen ju vicht.
das sie die kirche seien Artifel 1538; die in nenerer
Spr. einzig lebendig gebliebene Bed.: es ist mein eigner
vater, ich wills nur gestehen Schiller Ränb. 4, 5; ebe
er sich eine ubereilung gestände Kab. 5, 7; gestehe
dasz ich glucklich bin Ring des Polykr.; recensenten
.. gestehen sich bekebrt Goethe 58, 171; ihr herrn
gesteht, ich weisz zu leben Faust 1; in formelhaften
Wendungen: oflen gestanden; die wahrbeit zu gesteben,
ich bin mude; gesetzt, aber nicht gestanden Simpl.
1, 147; — seltener — bewilligen: man mus juen auch
nicht gestchn, das sie viel mit den mügden scherzen
Colerus 1, 13; das wird der rath nicht gestchen
Steinbach; besonders wenn keinem glünbiger ein
recht an dem gute gestanden würde Möser Phant.
4, 265, jetzt nur zugestehen. 3) gestehen, mit Acc. der
Person = zu stehen kommen, kosten: wie tiwer si danne
gestet dirre werliliche riehtuom Hv Mell Erinn. 138;
er foddert .. nieht gros opfer noch kbstliche kleinot,
die viel gestchen möchten Luther 5, 4924; was ein
grosz unglaublich werk, gestuend und kost vil Aventin
1, 848; es gestat mich wenig Maalerz später untergegangen.
ç
Gestein, n. Steinmenge, Steinmasse (mhd. gcsteine
— Edelsteine und Schmuck davon, pgl. G•ielgseceio) :
gesteine #ap#scker Steinbach; des Gebirges: dasz du
gegenwürtig auf dem ültesten gebirge, auf dem fruhesten
Gestell — Gestöber. 1152
gestein dieser welt sitzest Goethe Wanderj. 1, 3; des
Pflasters: wie von buntem gcstein schimmernd das
estrich sich hebt Schiller Pompeji 21; die mhd. Bed.
wieder ernenert: viel köstliches gestein bracht er den
Hunnen dar Scheffel Waltharilied 61.
Gestell, n. etwas Zusammengestelltes, stehend Verbundenes,
Vorrichtung zum Stellen, mhd. genmelle: gestüle
mit ehernem gestell 1. Kön. 7, 30; lam Wagen)
kein achse, deistel, gestell Vorrede zu Hesekiel; kusz-,
bett-, kutschen-, tischgestel! Jacobsson; des königs
büd auf blumigem gestelle Heyfe 3, 146. Bei den
Riemern heißt gestell das Kopsstück des Pferdezamms:
bei Fischern die ausgestellten Reusen oder Netze; bei
Salzwirkern die Einsassung des Brunnens über der Erde.
Gestern, den Tag vor heute; altes indogerm. Wort,
ursprünglich mit allgemeinerer Bed., nur den andern
Tag von heute ab ausdrückend, daher sowohl — den
vorigen Tag, wie das urverwandte sanskr. bjas, lat.
heri (aus hesi, vgl. besternus gestrig), griech, chthés
(aus eheés), als = morgen, wie namentlich im goth.
zusammengesetzten gistradagis, ebenso im Ahd., wo
ẽgestern neben vorgestern auch übermorgen, und im
Altnord. wo ĩ-gær sowohl gestern als morgen bezeichnet.
Das deutsche Wort erscheint als ein ursprüngliches,
adverbial gewordnes Subst. (durch ableitendes #ter, goth.
tra von dem einsacheren, den urverwandten Sprachen
entsprechenden ges, gis weitergebildet), entweder in der
Form eines Dativs des Singulars: ahd. kestre, mhd.
gester, auch uhd. bis ins 17. Ih. so: ich bab gester
die spitz abgebissen Garg. 187; er hat .. gester zu
viel gesoffen Simpl. 3, 295; oder eines Dativs Plur.,
ahd. gesteron, gesteren, mhd. gestern, uhd. gewöhnlich;
in strengem Sinne: gestern wars an mir, heute ists an
dir Sir. 38, 23; gestern umb die siebende stunde verlies
jn das fieber Joh. 4, 52; als ob er gestern gestorben
wer Garg. 91; gestern abend, mittag, morgen; auch
gestern abends Adelung; seit gestern, von gestern
ab, bis gestern wuszte ich nicbts, u. f. w.; ungefäbre
Bezeichnung einer kurzen Vergangenheit: wir sind von
gestern her und wissen nichts Hiob 8, 9; ieb besorge
es nicht erst seit gestern Lessing Brief 1771; ieh
weisz es noch als wärs von gestern her Wieland
Perv. 2, 54; gestern noch auf stolzen rossen, heute
durch die brust geschossen, morgen in das küble grab
WHauff 1, 35; — als Subst.: liegt dir gestern klar
und otfen Goethe zahme Ten. IV; kaum kann ich heut
des gestern mich erinnern Grillparzer 3,167; indems
ihn (den Geist) an ein reiches gestern kettet
Geibel 3, 35. — gesternt, s. unter gestirnt.
Gestirn, u. Sternbild und einzelner Stern von besonderer
Größe, ahd. gistirni, mhd. gestirne; escktur gestirn,
gestirre, gesterne Dief.; Orion ist das helle
gestirne gegen mittag Glosse zu Hiob 9, 9; zwilling, die
nu ein gestirn am himmel heiszen Glosse zu Ap. Gesch.
28, 11; beide sonn und gestirn Pf. 74, 16; jedes entlegene
gestirne Schiller 4, 47; er hat ench die gestirne
gesetzt als leiter zu land und see Goethe
Div. 1, 3; als Bestimmer des Schicksals (vgl. stern): es
war ein schicksal, ein ungluckliches gestirn Schiller
Jungsr. 3,3; dem grausamen gestirn, das uns verfolgt,
zu widerstehn Turand. 4, 10. — gestirnt, mit
Sternen verseben oder besetzt, ahd. gistirnit, mhd. gestirnet:
der gestirnte himmel; gleich wie ein seher
aufbliekt zur gestirnten terne Uhland 451; übertragen:
die augen, draus . sein himmel ihm gestirnt
entgegen lacht Heyse 3, 150; — dafür neuer auch
gesternt, der gesternte himmel.
Gestöber, n. das Stöbern und staubartig Niedersallendes;
in der alten Spr. — Staubaufwirbeln:
wachtin ein gestubere Jeroschin 13962; jetzt wesentlich
auf den Schnee bezogen: der morgenwind jagte
abwechselnd leichte gestober an den bergen und durch