des weiblichen Geschlechts. 271
gegeben werden wird, allerdings die öffentliche Fürsorge bisher in der
Regel nicht genügend war, so rührt diess doch nicht sowohl aus einer
groben Verletzung eines Grundsatzes, als vielmelir aus einer unrichtigen
Berechnung der Verhältnisse. Bei der Zuhl und Einrichtung der Unterrichtsanstalten
für die männliche Jugend müssen auch für die höchsten und
nur selten nothwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten genügende Vorkehrungen
getroffen werden; dagegen kann es vielfach den Aeltern olıne
Unbilligkeit angemuthiet werden, für die Erziehung ihrer Töchter innerhalb
der Familie und sumit auf eigene Kosten selbst zu sorgen, wenn sio in
dem Falle sind, die möglichst verfeinerte Ausbildung für sie zu bedürfen
und zu wünschen, oder doch wenigstens neben der Benützung einer Öffentlichen
Anstalt selbst für Unterricht in solchen Dingen zu sorgen, welche
nur der Zierde und Annelmlichkeit des Lebens dienen, ohne aber die
wesentliche Bestimmung des Weibes auszumachen. Wenn freilich die oben
angedeuteten Forderungen zu neuen Beschäftigungen und Lebensstellungen
der Weiber anerkannt werden werden, so ergiebt sich daraus auch die
Nothwendigkeit einer entsprechenden Ausdehnung des bisherigen Unterrichtes
in den Öffentlichen Schulen, da das alsdann zu Fordernde durch
Privatunterricht nicht wohl beschafft werden kann.
Drittens ist, gestützt auf die allgemeine Lebensaufgabe des Weibes,
von vorneherein und gültig für alle Arten von Unterrichtsanstalten für die
weibliche Jugend die Forderung zu stellen, dass bei der Erzielung der
Mädchen ganz besonders auf die Entwicklung des Verstandes und des
Urtheils gesehen werde. Allerdings ist in der geistigen Natur des Weibes
das Gefühl vorherrschend und vorzugsweise bestimmend; auch ist zuzugeben,
dass dasselbe in Beurtheilung von Menschen einen schnelleren fast instinktmässigen
Blick hat: allein eben desswegen ist die von der Natur schwächer
angelegte Seite, nämlich das richtige Denken und das logische Schliessen,
um so entschiedener künstlich auszubilden. Jede Gymnastik, auch die
geistige, ist ja nur dann richtig angeordnet, wenn sie sich beinühet, die
ursprünglich schwächeren Kräfte zu stärken und vollkommen brauchbar zu
machen. Die Nothwendigkeit dieser Nachhülfe ist aber nicht etwa nur
dadurch begründet, dass die ideelle Aufgabe der menschlichen Bildung eine
harmonische Entwickelung aller Eigenschaften verlangt, sondern durch sehr
praktische Bedürfnisse des täglichen Lebens. Zunächst erfordert die richtige
und gedeihliche Besorgung der der Frau, in jeder Lebensstellung, zufallenden
Beschäftigung und Aufsicht, dass sie richtig denkt und schliesst.
Das äussere Wohl der Familie und damit unberechenbar weiteres Glück
oder Unglück hängt zum grossen Theile, wo nicht ganz, hiervon ab. Mit
dem Gefühle allein ist es bier nicht gethan; es muss unter die Zucht des
Verstandes genommen werden, wenn es nicht irregeben, zu viel oder zu