330 Ueber eine gesammtdeutsche Akademie
die besonders reine Handhabung der eigenen Sprache aber ist keine Wissenschaft.
Solche Verdienste verdienen ihre Belohnung, aber nicht durch
Aufnahme in eine gelehrte Gesellschaft. — Eine Frage von untergeordneter
Bedeutung ist es, ob diese einzelnen Wissenskreise als besondere Akademieen
organisirt werden sollen, welche zusammen dann ein National-Institut
bilden; oder ob sie besser Abtheilungen Einer Akademie sind. Praktisch
kommt es auf dasselbe heraus.
In Betreff der Arten der Mitglieder liegen nennenswerthe Zweifel
nicht vor. Es versteht sich, dass die einheimischen ordentlichen Mitglieder
den wesentlichsten Bestandtheil bilden, dass nur auf sie hinsichtlich der
Erfüllung der Aufgaben der Akademie gerechnet wird, und dass auch nur
sic alle Rechte ausüben. Neben ilınen mögen denn etwa einheimische
Ehrenmitglieder bestehen, deren äussere Stellung der Korporation zur
Zierde gereicht, welche aber keine weiteren Rechte oder Pflichten haben;
ferner einige auswärtige ordentliche Mitglieder, denen bei einer zufälligen
Anwesenbeit Sitz und Stimme eingeräumt sein kann; endlich eine grössere
Anzahl von Korrespondenten, auswärtige Gelehrte, welchen die Ehre dieses
Titels ertheilt wird. Von einem Nutzen für die cigentlichen Zwecke der
Akadenie sind alle diese Anhängsel natürlich nicht; sie dienen eigentlich
nur zur Ermöglichung von Höflichkeitsbezeugungen der Gelehrten
unter sich.
Schwieriger sind richtige Bestimmungen in Betreff der Zahl der ordentlichen
einheimischen Mitglieder zu treffen. Einer Seits ist die Zahl der
zu vertretenden Fächer gross und ist es überdiess wünschenswerthb, dass
mebr als Ein Mitglied derselben Wissenschaft angehöre, damit nicht eine
vielleicht beschränkte und parteiische Herrschaft eines einzigen Bepräsentanten
bestehe. Anch trägt unläugbar eine grössere Anzahl zum äusseren
Anschen der Akademie im Publikum und selbst bei der Regierung bei.
Auderer Seits sind nicht immer und nicht unter allen örtlichen Verbältnissen
wirklich ausgezeichnete Männer aller Fächer vorhanden, und ist auf
die Kosten Rücksicht zu nehmen. Zur Aufstellung einer benannten Zahl
sind keine apriorischeu Gründe vorbanden; nur wird man wohl bebaupten
können, dass wenn die intellectuellen oder die sachlichen Mittel zur Bestellung
von wenigstens 20—30 ordentlichen Mitgliedern in jeder Hauptabtheilung
der Akademie nicht vorlanden sind, das Ganze besser unterbleibt
oder doch nur eine auf cinen bestimmten, genügend zu besetzenden
Wisseuschaftskreis beschränkte Anstalt errichtet wird’). Dass ein Mangel
1) Das französische Insitut, unbestritten die orste Anstalt ihrer Art, zählt In der Academic
des Sciences 68 ordentliche Mitglieder; In jeder der vier andern Akademieen, also: frangalse,
des Inrcriptiones et Boilles lettres, des Sciences morales et politiques, endlich des Beaux
Arts Je 40, sodann in Jeder dieser letzteren 6—10 acad&micions libres (einheimische Ebrenmit-