Die Volksschule. 37
lären und in seinem Ziele scharf begrenzten Vortrag für wenig Vorbereitete
zu halten, als die gelehrteste Entwickelung Sachverständigen vorzulegen.
Wird man nun immer unter den wenigen Lehrern eines Seminars einen
Mann finden, welcher neben seinen sonstigen Aufgaben auch diese zu lösen
im Stande ist? Es ist nicht unmöglich, aber schwierig; und jedenfalls wird
es eine beständige Berücksichtigung dieses Bedürfnisses erfordern, so dass
zur rechten Zeit dem einen oder dem anderen befübigten jungen Manne
aus dem Lehrerstande die Aufforderung zugeht und die pekuniäre Möglichkeit
gegeben wird, sich durch den Besuch einer Universität hiefür auszubilden.
— Ein zweites Bedenken ist, ob der Unterricht in den staatlichen
Grundbegriffen, welche auf diese \Veise den tüchtigen Lehrern gegeben
werden soll, von ihnen selbst in der Fortbildungsschule auch richtig
verwendet werden werde, ob sie also im Stande sein werden, die Aufmerksamkeit
der Schüler auf diese Gegenstände gehörig zu lenken und solche der
Fassungskraft derselben entsprechend zu behandeln. Bekanntlich reicht
nämlich das eigene Wissen nicht aus, um einen Menschen zum erfolgreichen
Lehrer zu machen, sondern es muss derselbe auch die rechte Methode der
Mittheilung und der Behandlung der Zöglinge besitzen. Wenn nun eine
vielfache Erfabrung Ichrt'), dass der geringe Erfolg mancher Volksschulen
keineswegs in dem Mangel an Wissen der Lehrer zu suchen ist, sondern
in der Unfähigkeit zu deren Verwendung, und wenn zu dem Ende überhaupt
eine höhere allgemeine Bildung der Lehrer verlangt wird: so ist es
allerdings erlaubt zu glauben, dass sich dies bei dem weit schwierigeren
Unterrichte der staatlichen Fragen in noch höherem Grade zeigen, also
ein bedeutender Theil der hierauf verwendeten Mühe und Mittel nutzlos
bleiben werde. Es scheint dies jedoch kein durchschlagender Grund zur
Unterlassung des Versuches zu sein. Zunächst erleichtert das höhere Alter
der Schüler wenigstens in einem gewissen Grade den Unterricht. Sodann
aber wird theils durch die jedenfalls wegen des neuen Unterrichtsgegenstandes
nothwendig werdende Verlängerung des Seminarcursus, theils durch
die Beschäftigung mit den fraglichen Kenntnissen die allgemeine Bildung
der künftigen Lehrer wesentlich erhöht werden. Wenn es also auch thöricht
wäre, auf einen ausnahmslosen guten Erfolg zu rechnen, so mag doch
immerbin manches Gute erreicht werden. — Endlich ist noch ein dritter,
und vielleicht der grösste, Uebelstand ins Auge zu fassen. Durch den in
Frage stehenden Seminar-Unterricht in den staatlichen Grundbegriffen wird
man bei der Mehrzahl der künftigen Schullehrer natürlich doch nur ein
unvollkommenes Wissen erzielen. Ist nun aber überhaupt in der Welt jede
I) Geistreiche Bemerkungen über diesen vielleicht zu oft übersehonen Punct finden sich
im den Berichten der englischen Schulinspectoren. 8. Skeats, Popular education in England,
8. 10 fg.