Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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mit  der  Verbesserung  der  Feuerwaffen  Handbomben
und  Handgranaten  fast  ganz  verschwunden  undtauchten
  auch  im  19.  Jahrhundert  nur  gelegentlich  auf.
Aber  Anfang  unseres  Jahrhunderts  gelangte  im  rus.
sisch-iapanischen  Kriege  die  Handbombe  wieder  zu  ausiebigerer

  Verwendung,  besonders  beim  Kampf  um

ort  Arthur,  wo  sie  sich  in  wirkungsvollem  Gebrauch
bewährte.  Als  granatenartiges  Geschoß  verband  sie
darauf  der  Engländer  Marten  Hale  derartig  mit  dem
Gewehr,  daß  sie  aus  diesem  abgefeuert  werden  konnte;
das  führte  zur  Konstruktion  der  Gewehrgranate.  Inzwischen
  hatten  fast  alle  modernen  Heere  Oandbomben
übernommen  und  in  den  mannigfaltigsten  Formen
und  Konstruktionen  hergestellt.

So  sind  jetzt  auf  allen  Kriegsschauplätzen  bei  Freund
und  Feind  Nahkampfmittel  verschiedenster  Art  in  Gebrauch.
  Die  große  Treib=  und  Sprengkraft  der  heutigen
  Pulver=  bzw.  Sprengstoffarten  gestalteten  dieselben
  zu  einer  sehr  wirkungsvollen,  ja  mitunter  furchtbaren
  Wasse  des  Nahkampfes  im  Stellungs=  und  Festungskrieg
  sowohl  für  die  Verteidigung  wie  für  den
Ungriff.  Har  alle  gilt  aber,  was  shon  zu  früheren

eiten  und  heute  auch  für  die  übrigen  Kriegswaffen

eltung  hat,  nämlich,  daß  die  Wirkung  nicht  nur  von
der  Güte  der  Waffe,  sondern  auch  von  ihrem  geschickten
  Gebrauch  abhängig  ist;  und  gerade  für  die  Verwendung
  der  Handgranate  werden  die  höchsten  Ansorderungen
  an  die  Geschicklichkeit,  Umsicht  und  Kaltblütigkeit
  des  Kämpfers  gestellt.

Es  sind  zunächst  zwei  Hauptgruppen  zu  unterscheiden:
  die  Hand-  und  Gewehrgransten  und
die  Minenwerfer.

Das  Prinzip  bei  diesen  Konstruktionen  istim  Grunde

enommen  üÜberall  dasselbe:  ein  Sprengstoff  wird
in  irgendein  zweckentsprechendes  Gefäß  gepreßt  und
durch  die  eingesetzte  Zündung  beim  Gegner  zur  Explosion
  gebrocht,  indem  das  Geschoß  entweder  mit
der  Hand  oder  mittels  einer  besonderen  Vorrichtung
(Gewehr,  Schleuder-,  Schießgestell)  fortgeschleudert
wird.  Während  hiernach  Handzronaten  in  der
allereinfachsten  Form,  z.  B.  mit  Hilfe  von  Konservenbüchsen,
  von  den  Leuten  in  den  Schützengräben  selbst
hergestellt  werden  können,  sind  die  fabrikmäßig  in
ungeheuren  Massen  beschafften  Granaten  zum  Teil
sehr  komplizierter  Art,  besonders  in  bezug  auf  die
Zündung.  Letztere  wird  entweder  durch  einen  Zeitoder
  Aufschlagzünder  bewirkt.  Der  Unterschied  ist
der,  daß  bei  Zeitzüundung  das  Geschoß  nach  einem  gewissen,
  genau  durch  die  Länge  der  Zündschnur  oder
die  Abbrenndauer  des  Zündsatzes  bemessenen  Zeitraum
  explodiert,  während  das  Geschoß  mit  Aufschlagzünder
  stets  erst  beim  bzw.  durch  den  Aufschlag
Elprengt  wird.  Beide  Arten  der  Zündung  haben

or=  und  Nachteile:  der  Zeitzünder  ist  einfacher  und
billiger,  die  Bedienung  ist  einfach  und  die  Explosion
  selbst  sicher,  dagegen  der  Zeitpunkt  der  letzteren
unter  Umständen  zu  früh  oder  zu  spät,  je  nach  der
vielleicht  nicht  genau  genug  abgepaßten  Länge  der
Zündschnur  (l  em  Länge  entspricht  in  der  Regel  einer

ekunde  Brennzeit)  oder  nach  dem  nicht  zum  richtigen
Zeitpunkt  erfolgten  Abwerfen.  Im  ersteren  Fall  können
  die  eigenen  Leute  von  der  Wirkung  betroffen
werden,  im  anderen  Fall  können  die  Gegner  die  Geschosse
  aufheben  und  zurückwerfen.  Der  Aufschlagünder

  hat  den  Vorteil,  daß  die  Handgranate  erst

eim  Feinde  explodiert  und  von  diesem  nicht  zurückgeworfen
  werden  kann,  dagegen  kann  er  versagen,
also  Blindgänger"  verursachen,  wenn  die  Zündung

III.  Technik  und  Kriegführung

bei  weichem,  nassem  oder  sunrpfigem  Boden  nicht  zur
Wirkung  kommt.  Alle  Zeitzünder  beruhen  auf
derselben  Konstruktion:  durch  das  Herausreißen  des
„Reibers=  aus  der  Zündung  (s.  Abreißvorrichtung  in
Fig.  1)  wird  ein  Funken  bzw.  eine  Flamme  exzeugt,
die  eine  Zündschnur  oder  den  Zändsah  entzündet:
dann  wird  das  Zündfeuer  zu  einer  mil  der  ½##
ladung  in  Verbindung  stehenden  Sprengkapsel  (Zündpulver)
  weitergeleitet  und  durch  "
die  Detonation  der  letzteren  die  ######.  4
Sprengladung.  zur  Explosion  ge-  *
bracht.  Der  Aufschlagzünder  q%
betätigt  sich  dadurch,  daß  eine  durch  -
den  Abschuß  frei  wer-  –9
dende  Nadel  (Bolzen)  *
auf  ein  Zündhütchen
(Sprengkapsel)
stößt,  dessen  Detonation

  die  Zündla.

dung  und
diese  die
Sprengladung
  entzündet


Eig.  2
und  4).—
Zur  ersten

Hauptgrurre
  geören
  Granaten,
  die
unmittelbar
  aus
der  Hand,  mit  und  ohne  Stiel,  geworfen  oder  aus
einem  Gewehr  abgeschossen  werden,  also  Hand=  und
Gewehrgranaten.

Die  allgemeinste  Anwendung  finden  die  Handgranaten,
  sowohl  zum  Angriff  wie  zur  Verteidigung.
Bei  ersterem  werden  sie  von  den  Leuten,  die  sich  an
die  feindlichen  Schützengräben
  herangearbeitet  ——
und  angeschlichen  haben,  s
möglichst  überraschend
über  den  Wall
hinüber  und
dann  im  Graben
  selbst  unmittelbar
  gegen
  die  Verteidiger
  und

—  —  —  —  ——

—

—

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  s
.  .

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Fig.  1.  Französische  Handgranate  mit
Zettzündung.

Iiapsropsen

Sprenglodung  #2  *  *

in  die  einge-  Zusduadet
bauten  Unter-  zusk#aschen
stände  hinein-  —es
geworfen.  Bei

der  Verteidiung

  werden
fe  aus  dem
Schützengraben
  dem  stür-  "
menden  Feind  entgegengeschleudert,  wenn  er  an  die
Drahtverhaue  oder  an  bzw.  auf  den  Wall  gelangt  ut.
Fig.  1  zeigt  eine  französische  Kugelbandgranate  mit
Zeitzündung;  in  Fig.  2  u.  3  ist  eine  Handgranate  mit
Stiel  und  Aufschlagzünder  ersichtlich.  Die  gußeiserne
Hohlkugel  in  Fig.  1  hat  einen  Durchmesser  von  8  cm,
Gewicht  der  Ladung  1,2  kg.  Die  Granate  wird  mit
Hilfe  einer  am  Handgelenk  befestigten  Abzugschnur
weggeschleudert;  durch  den  Schwung  des  Wurfes  wird

Fig.  2.  Handgranate  mit  Aufschleszündung,
  von  dem  Engländer  Marten  Hale.