403
Die Verwendung der Gelder war also zwar sichtbar,
aber was nützte es die Landskände, wenn der Herzog Güter
kaufte? und falls etwa auch, wie bei einigen geschah, die
erkauften Ortschaften dem Lande einverleibt wurden, künftighin
also an Bezahlung der Schulden mit tragen sollten,
welche die Stände von der herzoglichen Kammer übernommen
hatten, war diese Hölfe ein Ersatz für jene unerschwingliche
Summen? In einer Versammlung, die größtentheils
aus alten Geistlichen und Deputirten der Städtemagistrate
besteht, war schon die Liebe, alles bei dem Alten zu lassen,
ein mächtigwirkender Widerwille gegen alle neue Erwerbungen,
und mit der Erwerbung neuer Güter stieg doch auch
bei dem Herzog die Begierde, immer noch größerer, noch
unabhängigerer Herr zu werden. Es war unverkennbar,
wie sich der Plan, den Friederich bei dem Antritt seiner
Regierung gezeigt und nachher in der Ausführung ein wenig
aufgeschoben hatte, allmählig erweiterte und zuletzt durch
Enzlins Veranstaltungen vollständiger ausgeführt werden
sollte., als der Herzos selbst Anfangs gewuͤnscht haben
mochte.
Friederich wollte sein Herzogthum eben so besitzen,
wie es auf die Linie von Ulrich gekommen, und alle Privilegien,
welche sich die Landstände unter Ulrichs, Christophs
und Ludwigs Regierung erworben hatten, schienen ihm ungerechte
Veräusserungen, die nie zu seinem. Schaden hätten
geschehen können, weil keiner dieser drei Herzoge das Recht
auf Abwendung der Afterlehnschast viermal hunderttausend Gulden
wenden mußte, den seine Gesandtschaften nichts Geringes
kosteten, da er an allen kleinen und großen Teutschen Händeln
leines Zeitalters Theil nahm. Was doch bei einem folchen
Lande, wie Wirtemberg ist, auch nur in einer kurzen Periode
ausgerichtet werden kann!