139
kleinen Kreis interessanter Männer um sich, die dort mit ausgesuchter
Gastfreundschaft behandelt wurden. Der „Fragmentist“
Fallmereyer war ganz entzückt davon. Denun es ist eitel Pöbelwahn
zu glauben, Philosophen lebten nur von Wasser und
Brunnenkresse.
Den Winter über wohnte der Kronprinz häufig den Lehrvorträgen
in der Gesellschaft „Museum“ in München bei und
belebte so das wissenschaftliche Juteresse. Aber er suchte dies
auch praktisch zu verwerthen. Da er als den Hauptquell der
Unzufriedenheit der Massen die Noth des täglichen Bedürfnisses
erkannte, so forschte er nach einem Mittel, diese Noth zu lindern.
Er fand es darin, das Volk fähig zu machen, daß es
alle Erwerbsmittel, die es in Grund und Boden und in der
Werkfertigkeit seiner Hände besitzt in ihrem ganzen Umfange
und in ihrer wahren Natur kennen und brauchen lernt, also
durch Entfaltung und Vermehrung seiner Kenntnisse und Geschicklichkeit.
Unmittelbare Beisteuern, Armentaxen und jede Art von
Almosen betrachtete er als unwirksam, in manchen Fällen sogar
die Faulheit und Dummheit befördernd. Die Armensteuern sind
doch nichts anderes als die Medikamentenkosten für die kranken
Glieder des Staatskörpers. Je mehr Armengelder ein Staat
zu zahlen hat, desto ungesunder ist sein Organismus. Deßhalb
gründete der Kronprinz Ende 18.44 einen Verein, der sich die
Aufgabe stellte, das Wichtigste und Wesentlichste, was aus den
Schätzen der Naturwissenschaft, der Oekonomie und der Gewerbskunde
geschöpft werden kann, in einer Reihe leicht faßlicher
Schriften dem Volke zur Kenntniß zu bringen. Der Verein
hatte nicht den Zweck, Bildung unter seinen eigenen Mitgliedern
zu verbreiten, sondern durch Verbreitung nützlicher Kenntnisse
im Volke dieses zur besseren Betreibung des Acker-, Gartenund
Wiesendaues, der Viehzucht und der Gewerbe zu befähigen.
Die darbenden Klassen sollten in den Stand gesetzt werden, sich
r*ie