Full text : Major Menzels Dienstunterricht des deutschen Infanteristen.

XXXIII

Feldzug  in  Deutsch-Südwestafrika.

Im  Norden  der  Kolonie  Deutsch-Süpwestafrika  wohnen  die  Owambos,  die  bisher
mit  der  deutschen  Oberherrschaft  weniger  in  Berührung  getreten  sind,  im  Süden  die
Hottemotten,  dazwischen  eingeschoben  vie  Hereros.  Letztere,  ein  ausgesprochenes  Hirtenvolk,
  biwen  ven  zahlreichsten  Stamm.  Die  Erhallung  und  Vermehrung  ihrer  Viebherden
  beeinflußt  ihr  ganzes  Tun  und  Treiben.  Graufam,  habgierig,  verschlagen,  andrerseits
  aber  auch  sehr  genügsam,  sind  die  Hereros  trotz  angeborener  Schwerfälligkeit  ein  nicht
zu  unterschätzender  Feind,  wenn  es  sich  um  den  Kampf  um  ihr  Bieh  handelt.

Die  Hoitentotten  sind  anspruchsvoller,  leichisinniger,  ausdauernder  und  beweglicher
als  die  Hereros,  gute  Schützen  und  Reiter.  Durch  jahrelunge  Kämpsfe  mit  diesen  waren
ihre  kriegerischen  Eigenschaften,  so  tadellose  Geländebenutzung,  hoch  entwickelt.

Nachdem  im  Jahre  1894  mit  Hendrik  Witboi,  Kapitän  ver  Witdot-Hottentotten,
ein  Friede  geschlossen  war,  glaubte  man  scheinbare  Erfolge  erzielt  zu  haben  und  die
Kolonisation  begann  sich  wesentlich  zu  heben.  Viehzächter  und  händler  kamen  in
das  Land,  Hajfen  und  Eisenbahnen  wurden  gebaut.  Militärstationen  angelegt.  Die
Schutztruppe,  gelrennt  in  Polizei=  und  in  Feldtruppe,  bestand  1904  aus  rund  770  Köpfen.
Lettere  war  in  vier  Kompagnien  und  eine  Bailerte  gegliedert.  Die  Kompagnien  lagen
in  pier  Stabsquartieren,  indessen  waren  sie  durch  Abkommandierung  zahlreicher  Mannschaften
  auf  kleineren  Starkonen  sehr  geschwächt.

Da  erhoben  sich  Ende  1908  die  im  äußersten  Südosten  wohnenden  Bondelzwarts-Hottentotten,
  die  nie  als  sehr  zuverlässig  gegolten  hatten,  Gelegenilich  einer  angeordneten
Wassenabstempelung  und  sie  erschossen  am  25.  Oktober  den  zur  Wiederherstellung  der
Ordnung  erschienenen  deutschen  Schutztruppenoffizier  und  zwei  seiner  Begleiter.

Nun  brach  der  Aufstand  allgemein  los.  Zur  Verstärkung  der  im  Süden  befindlichen
  deulschen  Kräfte  wurde  auch  noch  die  2.  Feldkompagnie  aus  Omaruru  dahin
beordert.  Hendrik  Witbol  schickte  ebenfalls  seine  Leute  den  Deutschen  zur  Hüfe.  Schon.
amn  27.  Januar  1904  konnte  der  Gonverneur,  Oberst  Leutwein,  Frieden  mit  den
Bondelzwarts  schließen.  Dies  war  aber  auch  von  besonderer  Bedeutung.

Die  Entblöhung  des  Hererolandes  von  der  nach  dem  Süden  abgerückten  Schgtruppe
  hatie  wohl  bei  einem  Teil  der  Eingeborenen  wiederum  eine  Hoffnung  auf  #A##l
werfen  der  deutschen  Herrschaft  ausleben  lassen.  Indessen  hatten  sie  ihre  innersten
Gedanken  so  geschickt  verborgen,  daß  der  am  12.  Jannar  1904  losbrechende  Ausstand  den
Deutschen  doch  sehr  überraschend  kam.  An  diesem  Tage  begannen  die  Hereros  im  ganzen
mittleren  Schutzgebiet  alle  Weißen,  mit  Ausnahme  der  Englänvder,  Missionarc  und  Buren,
äum  Teil  mit  viehischer  Grausamkeit,  zu  ermorden,  die  Farmen  zu  plündern  und  das  Vieh
äu  stehlen.  Wer  sich  nicht  auf  vie  Stationen  zurückzog,  war  seines  Lebens  nicht  sicher;
aber  auch  erstere  wurden  hart  bedrängt,  besonders  Okahandja  und  Omar#ru.

Die  erste  Hilfe  versuchie  Leutnant  v.  Zülow  zu  bringen,  ver  mit  ektwa  60  Mann  von
Swakopmund  in  Richtung  Otahandja  aufbrach  und  es  auch  erreichte.  Später  folgten
Landungsabteilungen  von  S.  M.  S.  „Habicht“.

Inzwischen  hatte  dfe  im  Marsch  nach  bein  Sübden  beftudliche  2.  Felokompagnie  unter
Hauptmonn  Franke,  sonst  in  Omaruru  in  Garnison,  Gibeon  erreicht,  als  die  Nachricht
vom  Auffstand  der  Hereros  bekannt  wurde.  Die  Kompagnie  kehrte  sofort  um  und  befreite
  nach  schweren  Gesechten  bei  Okahandja  und  Omaruru  beide  Orte,  letzteren  am
4.  Februar  1904.  In  4¼  Tagen  legie  Kompagnie  Franke  auf  diefem  Kriegszuge
380  km  bei  tagelangem  Regen  unter  gewaltigen  Anstrengungen  zurück.  Aber  ihre
Leistungen  machten  sich  bezahlt,  die  BDahn  Swakopnn#nd  —  Windhut  geriet  wieder  völlig
in  deulsche  Gewalt  und  konnte  nun  instand  gesetzt  werden,  um  die  erwarteten  Verstärkungen
  von  der  Küste  nach  dem  Innern  zu  befördern.  Ebenso  wie  die  2.  Kompagnie
kehrten  auch  nach  dem  Frieden  mit  den  Bonvdels  die  dort  frei  gewordenen  Schutztruppen
nach  ihren  früheren  Schußgebieten  zurtck.  #

Am  9.  Februar  traf  ein  deutsches  Marine-Expeditionskorps  unter  Major  v.  Glasenapp
  in  Swakopmund  ein  und  wird  dem  Gouperneur  unterstellt.  Dieser  teilte  mm  die

Menzet,  Vieseunterrscht.  II