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Auster, f. die eßbare Seemuschel; ohne Entsprechung
im mhd. ahd. (aostorseala Ansterschale des 2. Basler Recepts
gibt keinen Beleg, da der Schreiber ein Angelsachse
ist); aber altengl. ostre als Lehnwort des griech.-lat.
ostrea Meermuschel (man lernte die Eßbarkeit der Sache
mit der Bezeichnung durch die Römer kennen), mittelniederl.
ocster, niedersächs. ouster (Dief.); der Name
war an der ganzen Nordseeküste verbreitet. Am Rhein
(Köln, Sta gedruckte Wörterbücher des 16. Jh.
bringen das Wort als astree, oester, ouster. Garg. 484
nach holländ. Ansspr. nach ustern fisehen; bei Henisch
awstern, ostern, schalbsch; seit 17. Ih. setzt sich die
heutige Form sest. Als Leckerbissen häufig genannt;
sprichwörtlich: dumm wie eine auster; der austern gluck
mir anzupreisen (Beschränkung auf sich)h Wieland
n. Amad. 3, 18. — Zusammensetzungen: Ansternbaul, f.
Felswand im Meer, wo die Austern sich ansetzen. —
Musternsang, m. Fang der Austern. — Ansternparl, m.
Meeresgrund wo Austernbänte sich befinden, Anstern
gezüchtet werden. — Ansternschalc, 1. Schale der Auster.
Austhun, 1) allgemein eine Thätigkeit nach außerhalb
richten; ausziehen, kleider, stiefel, schuhe; ausleihen,
weinberg (Marc. 12, 1), geld (3. Moj. 25, 37),
jetzt nur noch in gewöhnlicher Rede, namentlich Oberdeutschlands;
aus Haus oder Zimmer schaffen, etwas,
einen; auszthün. ausz seinem ort thön Maaler; seine
kinder, in Dienst oder Lehre; einen, verdrängen: und
was kam heraus, wenn Marbod uberwand? ich vwar
Auster — austragen.
ausgethan! Klopstock Herm. Tod 19; in älterer Spr.
i hast ein
auch einen verschneiden: was sehe ich, du
krummen latz, dist auszgethan Garg. 193. 2) refl.,
mhd. sich üz tuon sich auslassen, vernehmen lassen (Eree
725); weun der verfasser sich zu weitläuftig ausgethan
halte Goethe Tagh. 1796; dann sich ausgeben, sich einer
kunst auszthün und berumen Maalerz; thüt sich eine
junge zigeunerin vor dessen weib aus Simpl. 3, 138; jetzt
nicht mehr. 3) vergehen machen, tilgen: feuer; thut die
lichter aus! Goethe Puppensp.; eine sehuld im buche,
posten einer rechnung. — austilgen, tilgend entsernen,
mhd. ux tiligen (oberdeutsch alt ausztilken, durch und
abthän Maaler, blut . das es nit het mögen uszfeäutt
werden Zimm. Chr. 1, 333); einen (2. Mos.
17,14
Sünde (Jer. 18, 12), handschrift (Col. 2, 14), cie Sodmiten
vom erdboden austilgte Simpl. 3, 338; helfen
Sie meine schuld austilgen Goethe Clav. 2; groszes
zu thun, das die zeit nicht austilgt Leuthold Ged.
261. — austoben, zu Ende toben: jugend musz austoben;
sturm, ficber toben aus; die qunl hat ausgetobt
Schiller Räub. 5, 1; trans. seine wut austoben:; refl.
er hat sich noeb nicht ausgetobt. — Austrag, m. das
Austragen; altes Rechtswort, mhd. ü#ztrac, für Schlichtung,
Entscheidung einer Sache (zum austrage kommen,
bis zum gutlichen austrag der sache u. a., älter auch
die sache hat, nimmt austrag); persönlich, Schiedsrichter,
Plur. austräge Kammerger. Ordn. v. 1555, II. 2,1; mir
war es lieb, du wähltest mich zum austrag Goethe
Tasso 2, 4 (von daher das lateinisch anklingende austrägalgericht,
Schiedsgericht); erst in neuester Spr. auch
nach austragen 1: eine frau zum austrag der zeitungen
gesucht. Sritungsankeige. — austragen, 1) tragend nach
außerhalb bringen, kinder in die frische luft; trug uns
aus und setzte uns auf einen grünen rasen Simpl. 2,
177; wasser aus dem badzuher, nachdem das Bad genommen,
begriffrauschend das bad; sprichwörtlich: wer
ertappt wird, musz das bad austragen (Folgen und
Ende auf sich nehmen); früber einen toten, zum Begräbnis;
wann ieh des alten leiche siehe austragen
Frölich Stob. 535; jetzt namentlich für Verbreitung
und Verkauf, 2eitungen, briefe, brat, fleiseb; unsinnlich
nachrichten, gebheimnisse; suchen etwas, das sie lestern
mugen, gehen hin und trageus aus Pf. J1, ; einen,
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mit dem Beisinn des Verleumdens: einen schimpflich
austragen Stieler. 2) als altes Rechtswort, Streitsache
vor einen andern zur Entscheidung tragen: do kr
der selbe bischof und her Herman von Tierstein 2a
dem bobste, dag su ir sachen do woltent ustragen
D. Städtechr. d, 91; die sach guctlich oader rechtlich
ausztragen Aventin 1, 106; noch in jetziger Spr. in
sreiem Gebrauch, — schlichten: strenfrage verhandelt,
ohne ausgetragen zu werden Bismarck Reden 2, 18;
wurde der streit für ausgetragen erklurt Freytag
Ahnen 6, 344. 3) zu Ende, völlig tragen: er trügt seine
röcke sehr aus (lange und abnutzend): namentlich ein
kind austragen, bis zur Reise im Mutterleibe; sy hat
das kind schon ausztragen Maaler; mit nur verstandenem
Obj., von einem Leiden: es ist nicht verzweiflung,
es ist gewiszheit, dasz ich ausgetragen hahe
Goethe 16, 161. 4) am Ende ergeben, rechnerisch; als
Gewinn: ein kunst können die vil ausztregt Maaler
(daher eine austrägliche pfarre Rabener Sat. 3, 38,
jetzt eintragen, einträglich); als Summe: dic rechnung
wird ein paar thaler austragen; die fracht kan so viel
nicht austragen Lessing Brief 1749. — anstreiben,
mbd. üztriben, nach außen treiben, vieb, herde, auf die
Weide; die seuw ausztreiben Maaler; einen, verbannend:
Adam 1. Mos. 3, 21; die magd mit dem sohn
21, 10; leinde 1. Mos. 32,21; ein frevel treibt mich aus
(aus dem Hause) Schiller Br. v. Meff. 2502; aus dem
grabe werd ich ausgetrieben Goethe Br. v. Cor. 26;
teufel, böse geister Matth. 7, 22. 8, 16; einem die furcht,
den kitzel, die versuchung; dasz ich ihr den muthwillen
austriebe Goethe Fischerin; früher leibeslrucht:
muttergewächs und taodte frucht auszutreiben Taberaustreiben
— austreten.
naem. 392, jetzt abtreiben (s. d.); wol aber noch einem
den schweisz; arbeit treibt schweisz aus; wurzel treibt.
schöszlinge aus, ohne Obj. der stock hat wieder ausgetrieben;
beim Metallarbeiter: hguren in silber austreiben;
in kupfer ausgetriebene arbeit. — austreten,
1) intrans. nach außen treten, z. B. aus dem Schiff:
und als er austrat auf das land Luc. s, 27; aus einer
Reihe: da der marsch angeben soll, tritt er aus Wieland
Danischm. 28; jetzt verhüllend einmal austreten
mussen (eine Gesellschaft für kurze Zeit zur Stillung eines
namen (5. Mos. 9, 14), stamm (Nicht. 21, 17),
Bedürfönisses verlassen); sonst unsinnlicher aus einem verbande,
einer genossenschaft, ihr entsagen; ausztrütten,
sich absunderen und trennen Maaler; du bist mit
knualleffeet ausgetreten (aus einem Tanztränzchen) Freytag
Soll 1, 232; weichen vom geraden Wege: die rinder
tratten beseit aus 2. Sam. 6,6; bildlich: die jungfrau
ist ausgetreten, a virtute deece Stieler; daher
pflichtwidrig entweichen: straf derjenigen so böszlich
ausztretten Carol. 122% ausgetretene mönche, soldaten;
schweizerisch: gegen den ausgetretenen N. ist konkurs
erkannt, in amtl. Bekanntmachungen. Von Dingen:
das blut trat ihm zu den obren aus. starker schweis:
tritt an ganzen körper aus; die wasser sind von den
entsetzlichen regen alle ausgetreten Goethe Götz 5.
2) tranf. tretend entfernen: plerde treten körner aus den
übhren, begrifftauschend ähren aus; salt aus den beeren,
beeren; trauben austreten Frisch; dasz ich ihm nicht
die zuhne austreten soll! Lessing Minna 1, 3; tretend
ausweiten, höhlen u. ähnl.: die stufen einer treppe
Frisch; schuhe: die backsteine des fuszbodens waren.
an vielen stellen tief ausgetreten Goethe 28, 138;
stiegen drei ausgetretene treppen hinauf Freytag Soll
1, 40; bildlich die kinderschuhe ausgetreten haben, nicht
mehr Kind sein: nuchierne menschheit, die jetzt gottlob
„olche kinderschuhe ausgetreten hat Heyse Par. 1, 95;
in älterer Spr. aber einem die schuhe austreten, im
Berufe ihn verdrängen Stieler; sie möchten soust,
anstatt blosz in unsre fusztuplen zu treten, uns die
schuhe austreten Lessing Bries 1768; tretend austilgen,
deu ausgewurfenen schleim und speichel Frisch;