Volltext : Aufgaben der Eisenbahn-Politik

110  Bericht  des  gemischten  Ausschusses  etc.

d.i.  einen  hohen  und  meistentheils  prohibitiven  Zoll  auf  Schiffe  legen,  welche
von  den  unabhängigen  Kanälen  in  ihre  Kanäle  einfahren.  So  ist  der  Durchgangsfrachtsatz
  für  Eisen  nach  London  4  S.  6  d.,  davon  erheben  die  unabhängigen
  Kanäle  3  S.  für  146  Meilen,  während  der  Birmingham-Kanal,  welcher
vermittelst  einer  Garanzie  unter  der  faktischen  Herrschaft  der  London-  und
North-Western  Eisenbahngesellschaft  ist,  1  S.  6  d.  für  10  Meilen  nimmt.  Die
Great-  Western  Eisenbahngeseilschaft  verlangt  10’,  Pence  für  12  Meilen  auf
ihrem  Stratford  upon  Avon  Kanal,  aber,  wenn  die  Waare  auf  einen  unabhängigen
  Kanal  übergeht  einen  Extra-  oder  Sperrungszoll  von  18.10d.  —
4  d.  ist  der  Preis  per  Tonne  für  die  Benutzung  des  Birmingham  -  Kanals,
aber  wenn  das  Schiff  in  einen  unabhängigen  Kanal  übergeht,  wird  1  S.6.d.
auferlegt.  Der  Verkehr  ist  gezwungen,  67  Meilen  auf  unabhängigen  Kanälen
umzugehen,  statt  der  kürzesten  Route,  welche  37  Meilen  beträgt.  Die  unabhängigen
  Kanäle  haben  seit  der  Zeit,  als  die  Vereinbarung  zwischen  dem  Birminghamkanal
  und  der  Eisenbahngesellschaft  Platz  gegriffen,  ihre  Zölle  um  eine
zwischen  70  und  25  pCt.  variirenden  Summe  vermindert,  und  im  Allgemeinen
um  etwa  50  pCt.,  während  diese  ganze  Periode  hindurch  keinerlei  Ermässigung
auf  dem  Birmingham-Kanal  stattgefunden  hat.  Sie  besorgen  einen  grösseren
Lokalverkehr  als  die  im  Besitze  von  Eisenbahngesellschaften  befindlichen  Kanäle.
Der  Worcester  Kanal,  welcher  nahezu  bankerott  ist,  und  den  die  Midland-Eisenbahngesellschaft
  jetzt  zu  kaufen  beabsichtigt,  ist,  wie  man  sagt,  dadurch
ruinirt  worden,  dass  er  zwischen  Kanälen  liegt,  welche  in  den  Händen  von
Eisenbahngesellschaften  sind.

Ferner  der  Ayre-Calder-Kanal,  welcher  im  Osten  mit  dem  Humber  Kanal
verbunden  ist,  communieirt  mit  Lancashire  und  dem  Mersey  auf  3  Wegen,  nämlich
  durch  den  Huddersfieldkanal,  den  Rochdalekanal  und  den  Leeds-Liverpoolkanal;
  von  diesen  gehört  der  Huddersfieldkanal,  welcher  der  kleinste  und
mindest  bewerthete  ist,  der  London-North-Western-Eisenbahn,  die  Zölle  auf  demselben
  sind  durch  Koncession  auf  eine  niedere  Rate  fixirt,  aber  es  ist  konstatirt,
dass  der  Verkehr  auf  mannichfache  Weise  behindert  und  das  Wasser  ungegenügend
  ist.  Der  Rochdalekanal,  welcher  grosse  Erleichterungen  in  Manchester
hat,  ist  den  London-North-Western-,  Lancashire-Yorkshire-  und  North-Eastern-Eisenbahngeseslischaften
  verpachtet  unter  einer  Pachtung,  von  welcher  noch
nicht  4  Jahre  verflossen  sind,  und  es  ist  konstatirt,  dass  die  Zölle  auf  diesen
Kanal  prohibitivisch  sind.  Der  Leeds-Liverpool-Kanal  hat  seinen  Waarenverkehr
mit  Ausnahme  der  Mineralien  zeitweise  den  London-North-Western-  und  Lancashire-Yorkshire-Eisenbahnen
  verpachtet.  Diese  Gesellschaften  zahlen,  wie  festgestellt
  ist,  den  Aktionären  des  Leeds-Liverpool-Kanals  37500  Pfund  jährlich  um
die  Zölle  auf  dem  Kanal  auf  ein  Maximum  zu  erhöhen,  so  dass  der  Frachtpreis
auf  dem  Kanal  für  Zölle  allein  16  S.  beträgt,  während  die  Eisenbahngesellschaften
  für  15.  S.  befördert.  Als  Folge  für  die  Ayre-Calder  Gesellschaft  wird
angegeben,  dass  sie  keine  Güter  höherer  Klasse  von  Osten  nach  Westen  oder
vice  versa  direct  befördern  kann,  und  dass  sie  75  pCt.  ihres  Verkehrs  auf  den
westlichen  Kanälen  verloren  hat.

Wo  die  Zölle  durch  Parlamentsakte  auf  eine  lohnende  Höhe  festgesetzt
sind,  ist  in  manchen  Fällen  festgestellt,  dass  die  die  Kanäle  besitzenden  Eisenbahngesellschaften
  nicht  nur  keine  Verbesserungen  machen,  sondern  dass  sie
durch  Vernachlässigung  der  Reparaturen,  durch  Schliessen  der  Kanäle  bei