Full text : Der Einfluß des Krieges auf die Hauptverträge des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

A.  Art.  23h  des  Haager  Abkommens
über  die  Gesetze  und  Gebräuche  des  Lanudkriegs
und  das  englische  Recht.

„Es  war  in  einem  kleinen  Neste  vor  Namur,  da  fragte  mich
einmal  mein  General,  über  welche  Fächer  ich  eigentlich  läse.  Ich
antwortete:  Staatsrecht,  Verwaltungsrecht,  Kirchenrecht,  Völkerrecht.
  Da  lachte  er  und  meinte:  „Nun,  über  Völkerrecht  können.
Sie  ja  jetzt  famose  Studien  machen.“  —  —  —  Aiur  lachten  und
scherzten  noch  weiter,  aber  bei  dem  Ganzen  wurde  mir  doch  auf
einmal  klar,  daß  es  tatsächlich  nicht  mehr  ganz  einfach  ist,  fernerhin
  den  Studenten  Völker-„Recht“  mit  ernstem  Gesichte  vorzutragen.“
  So  schreibt  der  Marburger  Rechtslehrer  Prof.  Bredt  in
einem  Feldpostbrief.)  als  Verwundeter  aus  einem  Berliner  Lazarett:
  „Die  ganzen  völkerrechtlichen  Abmachungen  haben  sich  auf
seiten  unserer  Gegner  nur  als  Papier  erwiesen  und  obendrein
recht  brüchiges.“  Das  hat  sich  auch  darin  gezeigt,  wie  diese  das
Haager  Abkommen  über  die  Gesetze  und  Gebräuche  des  Landkriegs
vom  18.  Oktober  1906  behandelt  haben.

Ausdrücklich  untersagt  dessen  Art.  23h  die  Aufhebung  oder
zeitweilige  Außerkraftsetzung  der  Rechte  und  Forderungen  von
Angehörigen  der  Gegenpartei  oder  die  Ausschließung  ihrer  Klagbarkeit.
  Auch  England  hat  dieses  Abkommen  unterzeichnet  und
hat  sich  doch  nicht  gescheut,  durch  seinen  leitenden  Staatsmann
Sir  Edward  Grey  erklären  zu  lassen,  „daß  dadurch  das  englische
Recht  in  keiner  Weise  berührt  werde".  Die  Bestimmungen  des
englischen  Rechtes  aber  lassen  sich  kurz  dahin  zusammenfassen?):

Die  während  des  Krieges  zwischen  Angehörigen  der  kriegführenden
  Mächte  abgeschlossenen  Verträge  sind  nichtig.  Auf
Grund  derselben  kann  auch  nach  Friedensschluß  kein  Anspruch
mehr  geltend  gemacht  werden.

1)  Abgedruckt  in  der  DJZ.  1914  S.  1367  f.
2)  Vgl.  Wassermann,  JW.  1914  S.  807.