Contents : Der Mündliche Vortrag. Zweiter Teil. Die richtige Betonung und die Rhythmik der deutschen Sprache. (2)

150  Der  Bezichungston.

Z.  B.  „Karl  schreibt  anstatt  zu  lesen.  Fritz  hielt  teils  Tauben,
teils  Kanarienvögel.  Sowohl  die  Römer  als  die  Griechen  hatten
gute  Dichter".  Diese  einander  gegenübergestellten  Begriffe  gewinnen
  allerdings  etwas  an  Ton,  doch  kann  man  von  einem
ganz  entschiedenen  Accent  nicht  sprechen.  Ein  solcher  tritt  aber
ein,  wenn  nicht  Begriffswörter,  wie  in  obigen  Beispielen,  sondern
Vorwörter  und  Fürwörter,  die  an  sich  schwach  betont  sind,
einander  gegenübergestellt  werden.  Z.  B.  „Weder  dich  noch
mich  hat  Karl  gefragt.  Das  Buch  liegt  unter  dem  Tische
anstatt  auf  demselben.  Nicht  nur  der  Feind,  auch  unser  Heer
litt  Mangel.  So  wenig  vor  als  hinter  dem  Hause  waren
sie  zu  finden.  Die  Gesangenen  kamen  teils  mit  teils  ohne
Waffen.  Fritz  hat  dich  anstatt  seiner  gerufen.  Sowohl
unser  Haus  als  das  ihrige  stand  in  Flammen".

Ganz  entschieden  tritt  der  Accent  auch  bei  Begriffswörtern
ein,  wenn  zwei  Begriffe  durch  die  Konjunktionen  „je,  desto“  in
begenseitge  Beziehung  gebracht  werden.  Z.  B.  „Je  mehr  Karl

äuft,  desto  mehr  erhitzt  er  sich.  Je  besser  Fritz  schreibt,

desto  größeres  Lob  wird  er  sich  erwerben.  Je  zorniger  du
wirst,  desto.  lächerlicher  erscheinst  du“.  In  diesen  Zusammenstellungen
  liegt  nicht  bloß  ein  Vergleich,  sondern  auch  eine
Steigerung,  daher  der  entschiedene  Accent.

Ein  ganz  entschiedener  Accent  tritt  aber  auch  bei  Begriffswörtern
  ein,  wenn  die  sprachliche  Form  des  Gegenüberstellens.
nicht  gebraucht  wird,  also  ein  solches  ohne  Konjunktionen  stattfindet.
  Z.  B.  „Er  hat  sein  Leben  zehnmal  für  dich  gewagt
und  zürnt  daß  ich  mein  Geld  jetzt  wage“.

Sind  die  einander  gegenübergestellten  Begriffe  ihrem  Sinne
nach  entschiedene  Gegensätze,  so  ist  der  Accent  immer  etwas
stärker.  „Das  Leben  gab  dir  keine  Ruhe,  vielleicht  findest  du
sie  im  Tode.“  Bei  so  ganz  entschiedenen  Gegensätzen  ist  der
Accent  auch  stärker,  wenn  Konjunktionen  die  Sätze  verbinden.
„Weder  im  Kalten  noch  im  Warmen  ist  es  ganz  behaglich.“

Dieser  Accent  findet  aber  nur  statt,  wenn  die  Gegensätze
als  solche  aufgefaßt,  wenn  sie  einander  gegenübergestellt  werden.
„Karl  fühlt  Haß  statt  Liebe.  Es  galt  Leben  oder  Tod.“
Sind  solche  Begriffe  durch  die  Konjunktionen  nicht  einander
entgegengestellt,  aondern  verbunden,  findet  auch  kein  Accent  statt.
„Karl  war  treu  im  Leben  und  im  Tode.  Reiche  und  Arme
ergötzten  sich.“  Hier  ist  nur  einfache  Verbindung  da  und  keine
Beziehung  auf  den  Gedanken  des  Gegensatzes,  also  auch  keine
Betonung.  .-