Volltext : Ergänzungsband zum Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1838. (15a)

Vibel  und  Gottvertrauen  85

than,  wenn  ich  es  auch  nicht  um  ihn  verdiene.“  Die  Bitte
um  Gottes  Schutz  bildet  den  Schluß  vieler  seiner  Briefe.

Ganz  besonders  stark  regt  sich  dieses  Gottvertrauen,  als  er
ganz  plötzlich  vor  die  Aufgabe  gestellt  wird,  in  das  große  poli—
tische  Weltgetriebe  einzutreten,  das  ihm  so  gänzlich  unbekannt
war.  Am  25.  April  1854  hört  er,  daß  er  irgendwie  diplomatisch
verwendet  werden  solle,  am  28.  schreibt  er,  daß  man  ihn  als
Bundestagsgesandten  nach  Frankfurt  schicken  wolle.  „Ich  bete
recht  innig  daß  der  barmherzige  Gott  alles  ohne  Betrübniß
für  unser  zeitliches  Wohl  und  ohne  Schaden  für  meine  Seele
einrichte“  ..  .  „ich  habe  es  nicht  gesucht,  der  Herr  hat  es  gewollt
  muß  ich  annehmen,  und  ich  kann  mich  dem  nicht  entziehn.“
  Wenige  Tage  später  (3.  Mai)  hören  wir  die  Gott  vertrauenden
  Worte:  „Ich  wiederhole,  ich  habe  mit  keiner  Sylbe
herbeigeführt  oder  auch  nur  erwünscht  was  geschieht,  ich  bin
Gottes  Soldat,  und  wo  er  mich  hinschickt  da  muß  ich  gehn,
und  ich  glaube  daß  er  mich  schickt,  und  mein  Leben  zuschnitzt
wie  Er  es  braucht.“  Wenige  Wortez  aber  wie  inhaltsschwer!
Ist  es  nicht,  als  ob  in  ihnen  Gottes  geschichtliches  Walten  und
menschliche  Prophetie  sich  ineinander  schlingen  in  den  Tagen,
wo  der  Säemann  hinauszieht,  die  Saat  vorzubereiten,  die  dem
deutschen  Volke  zu  seinem  Segen  wachsen  sollte.

So  stark  Bismarcks  Glaube  ist,  er  hält  sich  frei  von  Hochmut
und  der  Lieblosigkeit  und  Wirkungsarmut  des  Quietismus,  die
so  leicht  mit  dem  Glauben  sich  verbinden.  Schon  gleich  nach
seiner  Verlobung  richtet  er  ein  ernstes  Wort  an  seine  Braut:
„Wie  habt  Ihr  doch  meist  so  wenig  Vertrauen  in  Euern
Glauben,  und  wickelt  ihn  sorgfältig  in  die  Baumwolle  der  Abgeschlossenheit,
  damit  kein  Luftzug  der  Welt  ihn  erkälte,  Andre
aber  sich  an  Euch  ärgern,  und  Euch  für  Leute  ausschreien,  die
sich  zu  heilig  dünken,  um  von  Zöllnern  etc.  berührt  zu  werden."“
Zu  diesen  Zöllnern  rechnete  Bismarck  wohl  auch  sich;  denn  ein
Weltkind,  wie  er  es  gewesen,  blieb  er  immer  noch;  bei  all  seiner
Frömmigkeit  stand  er  mitten  im  wirklichen  Leben  mit  seinen
Interessen  und  Sorgen  und  fragt  skeptisch  (28.  Februar  1847):
„Tou  care  for  nobody?  Das  ist  ja  garnicht  wahr  mein  Herz,