Vibel und Gottvertrauen 85
than, wenn ich es auch nicht um ihn verdiene.“ Die Bitte
um Gottes Schutz bildet den Schluß vieler seiner Briefe.
Ganz besonders stark regt sich dieses Gottvertrauen, als er
ganz plötzlich vor die Aufgabe gestellt wird, in das große poli—
tische Weltgetriebe einzutreten, das ihm so gänzlich unbekannt
war. Am 25. April 1854 hört er, daß er irgendwie diplomatisch
verwendet werden solle, am 28. schreibt er, daß man ihn als
Bundestagsgesandten nach Frankfurt schicken wolle. „Ich bete
recht innig daß der barmherzige Gott alles ohne Betrübniß
für unser zeitliches Wohl und ohne Schaden für meine Seele
einrichte“ .. . „ich habe es nicht gesucht, der Herr hat es gewollt
muß ich annehmen, und ich kann mich dem nicht entziehn.“
Wenige Tage später (3. Mai) hören wir die Gott vertrauenden
Worte: „Ich wiederhole, ich habe mit keiner Sylbe
herbeigeführt oder auch nur erwünscht was geschieht, ich bin
Gottes Soldat, und wo er mich hinschickt da muß ich gehn,
und ich glaube daß er mich schickt, und mein Leben zuschnitzt
wie Er es braucht.“ Wenige Wortez aber wie inhaltsschwer!
Ist es nicht, als ob in ihnen Gottes geschichtliches Walten und
menschliche Prophetie sich ineinander schlingen in den Tagen,
wo der Säemann hinauszieht, die Saat vorzubereiten, die dem
deutschen Volke zu seinem Segen wachsen sollte.
So stark Bismarcks Glaube ist, er hält sich frei von Hochmut
und der Lieblosigkeit und Wirkungsarmut des Quietismus, die
so leicht mit dem Glauben sich verbinden. Schon gleich nach
seiner Verlobung richtet er ein ernstes Wort an seine Braut:
„Wie habt Ihr doch meist so wenig Vertrauen in Euern
Glauben, und wickelt ihn sorgfältig in die Baumwolle der Abgeschlossenheit,
damit kein Luftzug der Welt ihn erkälte, Andre
aber sich an Euch ärgern, und Euch für Leute ausschreien, die
sich zu heilig dünken, um von Zöllnern etc. berührt zu werden."“
Zu diesen Zöllnern rechnete Bismarck wohl auch sich; denn ein
Weltkind, wie er es gewesen, blieb er immer noch; bei all seiner
Frömmigkeit stand er mitten im wirklichen Leben mit seinen
Interessen und Sorgen und fragt skeptisch (28. Februar 1847):
„Tou care for nobody? Das ist ja garnicht wahr mein Herz,