Full text : Die deutsche Sache. Die deutsche Seele.

Protestantismus  in  England  bedacht  war,  und  wie  willig  er  die  Hand  selbst  zu
kriegerischen  Unternehmungen,  wenn  der  Schug  nicht  anders  bewerkstelligt  werden
konnte,  bot.  Kurz  vor  seinem  Tode  hatte  der  große  Kurfürst  den  Vertrauten
seines  Nachfolgers,  Eberhard  von  Dankelmann,  in  das  Geheimniß  seiner  Unterhandlungen
  mit  Wilhelm  von  Oranien  eingeweiht,  und  auf  den  Rath  desselben
auch  den  Kurprinzen.  Friedrich  III.  ergriff  die  Pläne  seines  Vaters  mit  großem
Eifer,  da  ihm  der  Schutz  der  protestantischen  Interessen  vor  allem  wichtig  erschien,
wiewohl  mehrere  seiner  Räthe  gegen  diese  politische  Richtung  waren.  Wenige
Wochen  nach  dem  Tode  des  großen  Kurfürsten  erschien  Bentink,  der  Vertraute
Wilhelm's,  in  Berlin,  mit  dem  äußerlichen  Vorwande,  dem  jungen  Kurfürsten
wegen  seines  Regierungsantrittes  Glück  zu  wünschen;  seine  Hauptsendung  aber
ging  dahin,  von  ihm  6000  Mann  brandenburgischer  Truppen  zur  Vertheidigung
Hollands  zu  erbitten,  weil  man  dort  nicht  mit  Unrecht  einen  Angriff  von
Frankreich  aus  fürchtete,  sobald  die  Flotte  der  vereinigten  Staaten  nach  England
hinübergegangen  wäre.

Der  Kurfürst  nebst  seinem  ersten  Rathgeber  war  nicht  nur  für  diese  Unternehmung,
  sondern  bot  sich  auch  als  Vermittler  an,  um  andere  deutsche  protestantische
  Kegierungen  für  die  Sache  zu  gewinnen.  So  ward  der  gerade  in
der  Zeit  zu  Berlin  anwesende  Landgraf  Karl  von  Hessen-Cassel  ins  Vertrauen  gezegen,
  nebst  dem  Kurfürsten  von  Sachsen,  wenngleich  letzterer  keine  Truppen  dazu
stellen  wollte.  Um  aber  die  Verhandlungen  desto  besser  in  Geheimniß  hüllen
zu  können,  mußte  der  kurfürstliche  Gesandte  dieselben  in  Celle  führen,  denn
auch  der  Herzog  von  Braunschweig-Celle  hatte  seine  Theilnahme  versprochen.
Friedrich  III.  kam  mit  dem  Prinzen  von  Oranien  in  Minden  persönlich  zusammen.
Hier  willigte  er  ein,  6000  Mann  Truppen  in  holländischen  Sold  zu  geben,
welche  um  die  Mitte  des  Septembers  an  der  Grenze  sein,  und  nur,  wenn  der
Kurfürst  in  seinem  eigenen  Lande  angegriffen  würde,  zurückgerufen  werden  sollten.

In  demselben  Monate  brach  von  Neuem  ein  großer  europêischer  Krieg
aus.  Die  Gründe  dieses  Bruches  waren  in  Bezug  auf  den  Rechtepunkt  vollkommen
  nichtig,  und  fast  lächerlich  erschien  es,  wenn  Ludwig  XIV.  die  ganze
französische  Heeresmacht  in  Bewegung  setzte,  weil  man  seiner  Schwägerin,  der
Herzogin  von  Orleans,  einige  Aemter  in  der  Pfalz  aus  dem  Nachlaß  ihres
Bruders  verweigerte,  den  Bischof  von  Strasburg,  Kardinal  von  Fürstenberg,
nicht  als  Erzbischof  von  Köln  anerkennen  wollte,  und  weil  einige  deutsche  Fürften
durch  ein  Bündniß,  welches  sie  zu  Augsburg  gegen  ihn  geschlossen  haben  sollten,
seine  königliche  Würde  beleidigt  hätten.  Politisch  jedoch  war  der  Kriegszug
für  Ludwig  XIV.,  wenn  er  das  ehrgeizige  ziel  eines  entschiedenen  Protektorates
über  die  europaischen  Staaten  wirklich  erreichen  wollte,  eine  unbedingte  Nothwendigkeit;
  auch  mußte  er  losbrechen,  noch  ehe  es  dem  Kaiser  gelang,  die  Pforte
auf  lange  Zeit  oder  vielleicht  für  immer  zu  schwächen,  und  bevor  in  England
eine  protestantische  Thronfolge  nebst  volksthümlicher  Regierung  festgestellt  war.
Außerdem  schienen  ihm  die  reunirten  Orte  keinesweges  gesichert,  da  die  deutschen