Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

114  Geschichte  der  Societät  von  1700-1711.

und  Ordnungsliebe  unschätzbare  Dienste  geleistet;  aber  ein  bedeutenderer
  Mann,  vor  allem  ein  wirklicher  Gelehrter,  wäre  an  dieser
Stelle  sehr  nöthig  gewesen,  und  seine  trockene,  geschäftsmässige
Art,  sowie  sein  bureaukratisches  Regime  veranlassten  manches  trefliche
  Mitglied  der  Societät,  sich  von  der  gemeinsamen  Arbeit  möglichst
  zurückzuziehen.

GOTTFRIED  Kırcn  und  Jonanx  Leonuarv  Frisch  leisteten  (die
Arbeit.  Kırcu,  der  61  Jahre  alt  aus  Guben  an  die  Soeietät  berufen
wurde,  ein  Schüler  Ernarn  Weıcer's,  war  der  hervorragendste
Astronom,  den  Deutschland  damals  besass.  Er  musste  in  der  ersten
Zeit  seines  Berliner  Aufenthalts  seine  Beobachtungen  auf  einer  Privat-Sternwarte
  machen;  nur  wenige  Jahre  war  es  ihm  vergönnt,

das  Observatorium  der  Societät  zu  benutzen;  denn  er  starb  —  durch
Kränklichkeit  oft  am  Arbeiten  gehindert  —  bereits  am  25.  Juli

1710.  Scine  kalender  waren  der  Zuverlässigkeit  ihrer  astrononischen
  Angaben  wegen  geschätzt;  ihm  verdankt  es  die  Societät,  dass
sie  ihr  Monopol  wirklich  ausnützen  konnte.  Die  grosse  Sammlung
von  Beobachtungen  aber,  die  er  in  mehreren  Quartanten  veröffentlichen
  wollte,  fand  auch  nach  seinem  Tode  keinen  Verleger;  so  ist
nur  Einzelnes  von  ihm  verstreut  gedruckt  worden.  Mit  der  Beobachtung
  der  Kometen  wird  sein  Name  dauernd  verbunden  bleiben,
und  auch  den  Sonnenflecken  und  den  veränderlichen  Sternen  wandte
er  ein  besonderes  Interesse  zu.  Unterstützt  wurde  er  dabei  von
seiner  Frau  MArıa  MARGARETA  und  von  einem  jüngeren  Astronomen
JoHAann  Heınrıcu  Horrmann  (F  1718),  den  die  Soecietät  ihm  beigab”.

'  Als  Jonann  Tueopor  JasLonskı  am  28.  April  1731  starb,  dichtete  NoLrexivs

auf  ihn  folgende  Grabschrift:
»Gottesfurcht,  ohn  Heuchelei.
Wissenschaft,  ohn  Prahlerei.
Liebes  Werke,  im  Verborgen,
Klugheit,  ohne  eitle  Sorgen,
Redlichkeit,  die  Probe  hält.
Erust,  der  nicht  beschwerlich  fällt.
Manches  Leid,  doch  ohne  Klagen,
Grossmuth,  die  nicht  kann  verzagen,
Und  was  sonst  die  \WVelt  nicht  kannt‘,
Lieget  hier  verscharrt  im  Sand.«

*  Auch  dieser  observirte  —  seit  1705  —.  bis  das  Societätsgebäude  fertig  war.
auf  einer  Privat-Sternwarte.  der  des  Barons  von  Kroseck  (Krosıck),  s.  seinen  Brief
an  Leienız  vom  3.  August  1705  (Hannov.  Bibl.)  und  den  Brief  des  Secretars  an
Lrıesız  vom  25.  August  1705  (a.a.0.).  Er  klagt  übrigens:  »\Wann  mich  die  Soecietät
nur  etwas  besser  wegen  meinen  Salarii  bedenken  wollte.  Er  musste  Nebenbeschäftigungen
  suchen  und  konnte  daher  nicht  soviel  wie  nöthig  zum  Besten  der
Societät  observiren.