Metadaten : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

176  Zweites  Buch.  Die  Zeit  der  Anläufe,  Enttäuschungen  und  Irrungen.

geheimen  wirkenden,  aber  gelegentlich  doch  Ausschlag  gebenden
Kräfte.  Wenn  der  Sekretär  Paul  Fucho,  nachmals  einer  der
bedeutendsten  Staatsmänner,  zu  seiner  Hochzeit  zwei  vergoldete
silberne  Armleuchter  und  seine  junge  Frau  ein  derartiges  Käsichen
mit  kostbaren  Pomaden  und  Oelen  bekam,  wollte  das  nicht  viel
sagen,  war  aber  doch  der  Anfang  einer  Verbindung,  die  Fuchs
weiterhin  gerade  zu  einem  Söldling  Frankreichs  am  Berliner
Hofe  machte.  Selbst  dem  persönlichen  Dienst  des  kurfürstlichen
Paares  angehörige  Personen  wurden  so  für  Frankreich  gekauft.
  Durch  allerlei  kleine  Aufmerksamkeiten,  die  Ueberreichung
einer  schönen  Medaille,  dann  von  ein  paar  silbernen  Körben
in  getriebener  Arbeit,  Käsichen  mit  italienischen  Oelen,  Essenzen
und  Seifen,  weiterhin  einer  goldenen  Uhr  in  Filigranarbeit
mit  kleinen  Diamanten  besetzt  und  ein  andermal  von  zwei
kostbaren  Muffs  und  etlichen  Garnituren  Seidenband  und  Handschuhen
  gewann  Verjus  die  in  besonderer  Gunst  stehende  erste
Hofdame  der  Kurfürstin,  Fräulein  von  Wangenheim,  die  nicht
bloß  auf  ihre  Herrin,  sondern  durch  ihren  Verlobten,  den
Stallmeister  Emanuel  Froben,  gelegentlich  auch  auf  den  Kurfürsten
  in  französischem  Interesse  wirken  konnte.  Deshalb  wurde
auch  Froben  mit  ein  paar  kostbaren  Pistolen  und  einer  goldenen,
  mit  Diamanten  besetzten  Uhr  beschenkt.  Za  die  Kurfürstin
  Dorothea  selbst  suchte  Verjus  in  das  Znteresse  Frankreichs
  zu  ziehen.  Die  Handhabe  dazu  bot  ihm  der  alte  Brauch,
beim  Abschluß  von  Verträgen  auch  den  Fürstinnen  ein  Geschenk
zu  machen.  Charakteristisch  aber  für  Verhältnisse  und  Persönlichkeiten
  des  Berliner  Hofes  war  es,  daß  die  Kurfürstin  ein
solches  ihrerseits  forderte  oder  doch  fordern  ließ.  Mit  der
Bitte  darum  wurde  Verjus  während  der  Verhandlungen  im
Sommer  1673  vielfach  angegangen,  namentlich  durch  Meindere.
Denn  dieser  wußte,  welchen  Einfluß  sie  auf  den  Gemahl  ausübte,
  dem  sie  nicht  von  der  Seite  ging,  auch  nicht  während
seiner  langen  einsamen  Jagdausflüge.  Wogegen  sie  bei  ihm
wirkte,  war  nicht  durchzusetzen,  und  zuweilen  folgte  er  gegen
die  Ansicht  aller  seiner  Räte  ihren  Eingebungen.  Ihr  würde,
meinte  Verjus,  Geld  als  Geschenk  das  Angenehmste  sein,  dem

nd  »

König  aber  Diamanten  oder  dergleichen  besser  anstehen.  Ja