Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

Abriß  der  Ortsgeschichte.  1103

gehörte  in  früherer  Zeit  mit  dem  Kirchensatze  Heinrich  von  Waldsee,  kam
aber  1362  von  diesen  an  die  Edlen  von  Königseck,  dann  an  Hans  Rudolf
von  Kempten,  später  an  die  Herren  von  Vöhlin  und  endlich  an  das  Unterhospital
  und  die  Stadt  Memmingen,  mit  welcher  der  Ort  auch  der  Reformation
  beitrat.

Grönenbach,  Markt  im  Landkapitel  Ottobeuern,  gehörte  schon  in  ältester
  Zeit  zum  Reichsstiste  Kempten  und  wurde  von  diesem  gleichnamigen  Milites
  zu  Lehn  gegeben.  So  finden  wir  1128  Woldpertus  de  Grunebach
apud  oppidum  Mammingen.  !)  In  diesem  lehnbaren  Ortsbesitze  folgten  die
Ritter  von  Lautrach,  dann  die  von  Rottenstein  und  Woringen,  von  denen
Ludwig  der  ältere  schon  1339  im  Besitze  von  Grönenbach  beurkundet  erscheint.
Es  besaßen  hier  auch  die  von  Elrbach  und  von  Sirgenstein  Ortsantheile,
welche  jedoch  schon  1384  durch  Kauf  den  Herren  von  Rottenstein  zufielen,  von
welchen  Ludwig  von  Rottenstein  1479  das  Collegiatstift  in  Grönenbach  mit
Genehmigung  des  Bischofs  Johann  II.  begründete.  Nach  Ludwigs  Tode  1482
kam  Grönenbach  durch  dessen  einzige  Schwester  Corona  von  Nottenstein  auf
dem  Wege  der  Heirath  an  die  Familie  von  Pappenheim,  und  zwar  zunächst
an  ihren  Sohn  Heinrich  von  Pappenheim,  dessen  Nachkommen  Alexander  und
Philipp  den  Besitz  theilten,  von  denen  der  letztere  zu  Rottenstein  wohnende,
in  seinen  Gebietstheilen  die  reformirte  Religion  einsührte,  während  Alexander,
  der  zu  Grönenbach  seinen  Wohnsitz  hatte,  mit  seinen  Ortsantheilen  katholisch
  blieb.  Mit  des  Letztern  Ableben  1612  starb  die  Grönenbach'sche  Linie
der  Erbmarschälle  von  Pappenheim  aus,  und  es  kam  dieser  Besitz  an  seine
einzige  Tochter  Anna  und  von  dieser  in  zweiter  Ehe,  da  ihre  erste  mit  Philipp
  von  Rechberg  kinderlos  war,  an  Ott  Heinrich  Fugger,  ihren  zweiten
Gemahl,  was  von  Seite  der  reformirten  pappenheim'schen  Linie  einen  langedauernden
  Lehn-Srccessionsprozeß  herbeiführte,  welcher  1695  durch  einen  Vergleich
  beigelegt  wurde,  wornach  der  Fürstabt  Rupert  von  Bodmann  zu  Kempten
  die  Lehn  zu  Grönenbach  und  Rottenstein  gegen  Bezahlung  von  65000  fl.
für  die  Allode  und  Meliorationen  an  das  Stift  zog,  bei  dem  sie  bis  zur
Säkularisation  verblieben.  Der  Markt  Grönenbach,  am  Ursprunge  der  Ach,
hat  ein  Bergschloß  mit  einer  Kapelle,  einft  Sitz  des  fürstlich  -kempten'schen
Probstes  und  Pflegamtmannes,  ein  k.  Landgericht,  Notariat,  zwei  Pfarrämter,
ein  katholisches  und  ein  protestantisches,  ein  Spital,  Jahr=  und  Viehmärkte
und  in  der  Nähe  das  Gesundheitsbad  Klevers.  Das  dem  Markte  im  Jahre
1837  ertheilte  Marktwappen  enthält  einen  in  einem  deutschen  Schilde  von
oben  rechts  durch  eine  grüne  Flur  nach  der  untern  Wappenecke  links  herabschlängelnden
  silbernen  Bach.  Günz,  Pfarrdorf  im  Landkapitel  Ottobeuern,
gehörte  zuerst  mit  Kirchensatz  den  Edlen  von  Schellenberg,  von  welchen  es
unter  Bischof  Wolfard  1291  an  das  Domstift  kam,  das  dann  dasselbe  lehn-1)

  Sieh  Feyerabend's  Geschichte  von  Ottobeuern  I.  Thl.  S.  585.