I. Der Friede zu Tilsit. 419
Erst Anfang Juni begannen die Feindseligkeiten. Wieder
warf sich Bennigsen auf Bernadotte. Zwei Tage (5.—6. Juni)
wurde an der Passarge unentschieden gefochten. Dann ging
Napoleon zum Angriff über, wurde aber (10. Juni) mit einem
Teil seines Heeres bei Heilsberg von den Russen zurückgewiesen.
Nur benutzte auch hier Bennigsen den Erfolg nicht, sondern
ging auf Königsberg zurück. Dorthin hatte sich, vom Feinde
hart bedrängt, Lestocq mit genauer Not gerettet. Einen Kampf
in offenem Felde wagte er nicht. Seine Leute trauten den
Russen nicht: sie fürchteten außer Landes geschleppt zu werden.
Auch wollten die Russen wirklich vor allem möglichst schnell
über die Grenze kommen. Aber schon hatte Napoleon, über
Preußisch-Eylau gegen den Pregel vorstoßend, ihnen fast
den Weg verlegt. Als Bennigsen am 13. Juni Friedland erreichte,
hatte er die ganze feindliche Armee unter dem Kaiser
selbst sich gegenüber. In wenigen Stunden wurde er am Nachmittag
des 14. unter furchtbaren Verlusten geschlagen. Einen
neuen Kampf vor der Ankunft von Verstärkungen erklärte er
für unmöglich. Damit war zunächst das Schicksal Königsbergs
entschieden. Um nicht dort eingeschlossen zu werden, mußte
Lestoch mit dem Rest des Heeres den Russen nach Tilsit folgen.
Die Franzosen zogen in die Krönungsstadt ein, die, von Verwundeten
und Kranken überfüllt, der Schauplatz beispiellosen
Elends wurde.
So schien Friedrich Wilhelm auch den nordöstlichsten Winkel
seines Staates verlassen zu müssen, ein landloser König, ganz
in die Hand seines Alliierten gegeben. Denn die 12 000 Mann
zählende Besatzung von Danzig, das am 25. Mai kapituliert
hatte, durfte ein Jahr lang nicht gegen Frankreich fechten. Den
Krieg möglichst schnell los zu werden, übertrieb Bennigsen obenein
die Ungunst der Lage. So beschwichtigte er Alexanders anfängliche
Bedenken. Bereits am 19. Juni begannen die Unterhandlungen:
am 21. wurde der russisch-französische Waffenstillstand
unterzeichnet, dem der Friede sofort folgen sollte. Rußland
ließ Preußen im Stich. Auch diesem blieb nun nichts übrig,
als sich schleunigst mit dem Sieger zu verständigen. Dazu war
Hardenberg freilich nicht geeignet: einer der Franzosenfreunde,