Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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legen;  auch  einem  einen  spottnamen;  in  älterer  Spr.
einem  ein  verbrechen,  es  ihm  Schuld  geben:  legt  jr
was  schändlichs  auf,  und  bringet  ein  böse  geschrei  über
sie  aus  5.  Mos.  22,  14.  4)  ein  buch  auflegen,  eine  Auslage
  (s.  d.)  davon  machen;  das  buch  wurde  neu  aulfgelegt.
  5)  sich  auflegen  bei  einem,  Herberge  nehmen,
schmarotzend:;  fur  einen,  sich  für  ihn  verwenden;  wider.
gegen  einen,  sich  widersetzen,  entgegentreten;  dafür  einem
groh  sich  auflegen  (Goethe  Rechenschaft)  groh  kommen.
6)  in  älterer  Spr.  endlich  wie  bestimmen,  anordnen:  daz
disen  rät  der  truhsæze  oOf  geleget  hüt  Trist.  13744;  do
hettent  dorchte  kint  eine  merfart  ufgeleit  D.  Städtechr.
8,  101;  davon  noch  Nachklang  das  Part.  aufgelegt  (zu
etwas),  wofür  auch  das  fremde  disponiert:  wo  wir  aufgelegt
  sind,  jede  blume  .  an  den  busen  zu  drucken
Schiller  4,  41;  fuhltc  mich  wohl  manchmal  dazu  aufgelegt
  Goethe  DuW.  5;  er  ist  heute  nicht  autgelegt,
gut,  schlecht  aufgelegt.  —  anslehnen,  tranf.  und  refl.
sich  auf  etwas  srützen,  die  hand,  den  kopf:  binter  demauflehnen

  —  auflösen.

selben  (Schlagbaum)  eine  grosze  masse  menschen,  die

sich  dort  auflehnten  und  andrüngten  Goethe  30,  311;
refl.  sich  in  die  Höhe  richten:  er  leint  sich  of  vil  hohe
Wolfdietrich,  daher  bildlich  sich  empören,  widersetzen:
mein  widersprecher  lehnet  sich  wider  mich  auf  Hiob
16,  8;  die  könige  im  lande  lehnen  sich  auf  Pf.  2,2;
dasz  etwas  in  dir  ist,  das  sich  gegen  diesen  gedanken
auflehnt  Wieland  Arist.  2,18.—  aufleihen,  leibend  aufnehmen:
  kapitale  sind  aufgeliehen  Iffland  Frauenst.
2,  5.  —  auflesen,  von  der  Erde  aufsammeln:  die  abge-178



und  Zugeknüpftem,  knoten,  schnure.  bänder;  das  ich
die  riemen  seiner  schuh  auf168e  Marc.  1,  7;  wer  hat
die  bande  des  wildes  aufgeloset?  Hiob  39,  5;  das  jr  der
gurt  aufgelöset  wurde  Baruch  6,  43;  ob  er  (der  Knoten)
nicht  mit  hulle  einer  leichten  hand  ..  aufzulösen  sei
Wieland  Koxkox  16;  mit  aufgelostem  haar  (Zeichen
wilden  Schmerzes)  Schiller  Siegesfest;  in  älterer  Spr.
auch  ein  ticr,  einen  menschen  auflösen,  losbinden  (wie
mhd.  daz  pfürt  aslœsen  Parz.  511):  werilet  jr  eine
eselin  finden  angehunden  Iösct  sie  auf  Matth.  21,2;
löse  auf  die  vier  eugel  Offenb.  9,14;  ferner  von  Dingen,
die  einem  Knoten,  Bande  verglichen  werden:  weis  die
retzel  aufzulösen  Weish.  Sal.  8,  8;  das  gesetz  oder  die
propheten  aufzulösen  Matth.  5,  17;  den  zauberbann,
wer  wagts  ihn  aufzulösen?  Goetbe  nat.  Tocht.  4,  2;
aufgahe  .  aufzulösen  an  Schiller  Nov.  1797;  löst  eine
Ilias  des  schicksals  rüthselfragen  der  jugendlichen  vorwelt
  auf  Schiller  Künstler  233;  dies  pachtverhältnis
nach  fünf  jahren  aufzulösen  Freytag  Soll  2,  182;  so
auch  miszverständnisse,  irrtümer  auflösen.  und  refl.
miszverstündnisse  lösen  sich  auf;  von  Gliedern  im
Schlafe:  jedes  ihrer  glieder  lag  gefüllig  aufgelöst  vom
suszen  götterhalsam  Goethe  der  Besuch  (nach  lat.  Sprachgebrauch;
  Vorbild  war  etwa  Ovid  Metam.  11,  612).
2)  von  fest  Verbundenem;  seit  17.  Jh.  zunächst  als  Wort
der  Chemie,  für  lat.  d#ssolberer  dissolviren,  auflösen  bei
den  chymicis  Hübner  Handlungslex.  570;  gold  in  königswasser,
  metall  in  säuren,  salz  in  wasser  auflösen;  dann

auflöslich  —  Aufmarsch.

in  allgemeinerem  Gebrauch:  der  aufgelöste  schnee  Wiefallen

  beer  auflesen  3.  Mos.  19,  10;  ehern  auflesen  Ruth  land  Nat.  d.  Dinge  4,  465;  wie  ein  warmes,  auflösendes
2,  2;  las  holz  auf  1.  Kön.  17,  10;  mit  unterdrücktem  Obi.:  thauwetter  Hebel  3,  91;  dasz  die  wolken  keine  zeit
lasen  auf  unter  meinem  tisch  (Brocken)  Richt.  1,  7;  behielten,  sich  in  regen  aufzulösen  Heyse  Par.  2,  223;
Inf.  als  Subst.:  wer  ernstlich  sucht,  findet  immer  der  tod  Iöst  den  körper  in  seine  elemente  auf;  bildlich,

etwas  das  des  auflesens  werth  ist  Wieland  Danischm.  2;
frei:  alle  schönhbeit,  grösze,  vortrefflichkeit  im  kleinen
und  groszen  der  natur  aufzulesen  Schiller  4,47;  berede
dich,  ich  wär  ein  waisenkind,  das  du  am  thron  mitleidig
  aufgelesen  Karl.  1,  2;  aus  dem  kehricht  aulgelesen
  Heyse  Par.  3,  133;  unabsichtlich  erlangen,  von
Krankheiten,  Widrigem:  einen  schnupfen  (Wieland
Danischm.  2),  busten,  ungeziefer;  schien  auszusehen
wie  einer  der  irgend  ein  heimweb  oder  eine  sehnsucht
aufgelesen  hat  Keller  Seldw.  2,  247;  in  Bezug  auf
Frauen  von  unehelichen  Kindern:  het  die  (Kinder)  von
ainem  andern  vor  der  hochzeit  erlangt  und  ufgelesen
Zimm.  Chr.  1,  170;  bald  wieder  murmelt  man  davon,
die  mutter  hab  ihn  aufgelesen  Kotzebne  dr.  Sp.  1,  295.

Aufliegen,  auf  etwas  liegen,  balken  liegen  auf  der
maner  aut;  dachrinnen,  da  wo  sie  auf  den  eisernen
haken  auflagen  Gocthe  53,  115;  er  liegt  mit  dem
ellbogen  auf;  in  der  ältern  Rechtsspr.  aufliegendes  gut,
Grundbesitz:  aller  gueter.  varender  und  aufligender

Aventin  2,389;  als  Last,  Druck:  mir  liegt  eine  schwere  g

bürde,  verpflichtung  auf;  von  Personen,  in  Herberge
sein,  namentl.  schmarotzend  (vgl.  auflegen  5),  er  lag
bei  einem  verwandten  auf;  offen,  zum  Gebrauche  liegen,
hier  liegen  bucher,  zeitungen  auf;  refl.  sich  aufliegen,
durch  Liegen  offene  Wunden  bekommen:  (Kranke)  lagen
sich  auf  Albertinus  Landstörzer  237;  aufliegen  bab
ich  than  mein’  rücken  Goethe  Satyr.  2.  —  alflocken,
in  Locken  in  die  Höhe  machen:  an  deren  gepuderten
und  aufgclockten  binterkopf  JPaul  Qu.  Fixl.  5.  —
auflockern,  zum  locker  werden  bringen,  erde,  betten;  vgl.
auch  aufruhren.  —  auflodern,  lodernd  in  die  Höhe  gehen:
flamme,  brand  lodert  auf;  oft  sah  man  ihrer  hundert
(Flecken  und  Dörfer)  in  einer  einzigen  nacht  auflodern
Schiller  s,  387;  dort  loderts  auf!  die  ernte  strömt  in
fenerquall  zum  himmel  an  Goethe  Vorspiel  1807;  von
Empfindungen,  auflodernde  liebe,  leidenschaft  (Freytag
  Soll  2,  326),  auflodernder  eifer  (181),  zorn  u.  a.
—  auflösbar,  was  aufsgelöst  werden  kann,  auflösbare
stotle.  .  auflösen,  gänzlich  lösen,  1)  von  Verlnüpftem
M.  Heyne,  Deutsches  Wörierbuch,  1.

von  Empfindungen:  ganz  aufgelöst  in  ideale  lust  Wieland
  Idr.  3,  115;  wo  denn  das  erste  staunen  sich  in
ein  mitleben  und  reineres  gefühl  des  werthes  der  sache
auflöst  Goethe  27,  244;  das  ubermasz  der  schmerzen
löste  sich  in  der  natur  balsamscher  wohlthat  auf  nat.
Tocht.  3,  1;  Lenore  war  ganz  aufgelöst  in  weichem  gekuhl
  Freytag  Soll?2,  311;  in  der  Musik  ein  krenz,
ein  b  auflösen;  ferner  eine  versammlung,  den  reichstag
auflösen;  warum  wir  denn  die  kammer  nvicht  auflösen
Bismarck  Reden  2,  77.  —  auflöslich,  wie  auflösbar:
das  räthsel  auflöslich  zu  machen  Wielan)  gold.  Sp.
2,  14;  schwer  auflösliche  metalle.  —  Auflösung,  f.  nach
auflösen  1,  eines  knotens,  bandes,  des  haares  u.  s.  w.;
die  erfüllung  der  Ilias  und  die  auflösung  des  zehnjäbrigen
  rätbsels  Goethe  44,115;  auflösung  des  Rheinbundes
  Treitschke  1,  506;  nach  auflösen  2,  eines
metalles,  salzes;  die  auflösung  der  kammer  wurde  verkundet;
  zur  auflösung  der  flotte  Preußen  i.  B.  1,  91;
für  Sterben:  der  kranke  geht  seiner  auflösung  entegen.


Aufmachen,  ¾  in  die  Höbe  machen,  ein  kleid,  haare,
früher  auch  von  Gebäuden:  der  selbe  turn  von  nuwem
ufgemacht  D.  Städtechr.  9,  719;  ein  hoher  heiltumsstuel
  von  groszem  holz  aufgemacht  Aventin  1,  868;
über  etwas  anderes  machen:  ich  babe  kerzen  auf  den
leuchter  aufgemacht;  refl.  sich  erheben:  ẽ  daxz  sich  Erec
üf  machte  üf  den  wec  Erec  4029;  in  der  Bibel  häufig,
und  noch  in  neuerer  Spr.:  ich  habe  spät  mich  aufgemacht
  Bürger  Lenore;  die  seemacht  .  konnte  sich
weit  leichter  und  schneller  aufmachen  Schiller  4,  128;
älter  auch  wie  aufputzen:  auf  die  räis  herfurpulzt  und
aufgemacht  Aventin  1,  396;  und  aufspielen:  musten
die  spielleute  vor  der  tafel  aufmachen  Simpl.  3,  352.
2)  offen  machen,  thur,  fenster,  vorhang;  macht  auf  das
loch  der  höle  Jof.  10,  22;  wenn  er  jemand  verschleuszt,
kan  niemand  aufmachen  Hiob  12,  14;  die  augen,  ohren,
zum  Vernehmen:  (habe)  die  augen  hei  seinem  anblick
grosz  aufgemacht  (staunend)  Kleist  Käthch.  2,  9;  ein
buch,  einen  brief  u.  a.  —  Aufmarsch,  m.  Handlung  des

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