Contents : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

566  Kritische  Erörterungen  zum  zweiten  Buche.

Den  Verkauf  der  stadischen  Allode  an  Magdeburg  melden  An.  Magdeb.,  p.  187:
In  eadem  nativitate  Domini  Fridericus  Magdaburgensis  archiepiscopus  magnam
Partem  de  allodiis  domni  Hartuici  et  matris  eins  Richardis  datis  beneficiis,  data
copiosa  peounia  in  proprietatem  Magd.  ecclesiae  Contrahens,  magnum  et  gloriosum
memoriale  nominis  sui  posteris  reliquit.  —  Diese  Güter  werden  namentlich  aufgeführt
  in  der  Bestätigungsurkunde  wegen  dieser  Schenkung,  ausgestellt  von  Kaiser
Konrad  zu  Magdeburg  am  31.  Dezember  1144.  Unter  den  Zeugen  figuriert  auch
Heinricus  dux  (Lappenberg,  Hamburg.  Urkundenb.  I,  S.  165  ff.),  jedenfalls  Heinrich
von  Osterreich.  (Da  das  Jahr  vom  Weihnachtstage  an  gerechnet  wurde,  steht  in  der
Urkunde  schon  1145  statt  1144.)  —  Vgl.  auch  die  spätere  Urkunde  über  Jericho  und
Pertinenzien  bei  Lappenberg  ibid.,  p.  217.

Der  Verkauf  stadischer  Güter  an  Erzbischof  Friedrich  muß  der  Klage  der  sächsischen
  Regierung  bei  dem  Könige  und  dessen  darauf  erfolgender  Wiederaufnahme  der
Streitfrage  vorausgeben.  Nachdem  dieser  letztere  Umstand  eingetreten  war,  hatte
Hartwich  nicht  das  Recht,  stadisches  Besitztum  zu  verkaufen,  sondern  nur  in  der  Zeit,
als  sein  Eigentumsrecht  auf  jenes  vom  Könige  bestimmt  anerkannt  war.

oe  Udber  die  Ramesloher  Versammlung  schreibt  Albert.  Stad.,  p.  325:  Archiepisco-Pus
  praefuit  judicio  ex  ung  parte,  puer  dux  ex  alia.  Praepositus  et  palatinus  constiterunt
  ad  negotü  uentilationem.  Auditores  aderant  Thietmarus  Verdens#
eepiscopus,  Albertus  marchio,  Comes  Hermannus  de  Winceberch  et  frater  suns
Heinricus  de  Asle  et  magna  multitudo  militum.  —  Ich  kann  mir  den  Vorgang
nicht  anders  denken,  als  daß  Friedrich  von  Sommerschenburg  auf  der  Seite  des
Herzogs  stand.  Denn  da  von  jeder  Seite  selbst  ein  Vorsitzender,  iude  x,  da  war,  mußten
doch  sicher  die  beiden  vontilatores  —  Advokaten  —  von  verschiedenen  Parteien  sein,
sonst  wäre  die  Darstellung  der  Sache  ja  eine  einseitige  geworden.  Ubrigens  war  der
Pfalzgraf  auch  schon  seit  einiger  Zeit  von  der  sehr  unsittlichen  Schwester  Hartwichs,
Liutgarde,  geschieden,  die  Erik  von  Dänemark  geheiratet  hatte.  Gebhardi,  Allgemeine
Welthistorie,  XXXII.  p.  479.

8  Die  letzten  Ereignisse  in  der  Stader  Sache  werden  von  Theod.  Mon.  Palid.,  p.  81
erzählt:  LArchiepiscopus)  comprehensus,  consensit  ad  id  quod  dux  uolit.  Hartvuigus
  quoque  cum  a  militibus  ducis  captus  fuisset,  egit  magno  suarum  rerum
dispendio,  qguatenus  domini  ipsorum  manus  effugere  potuisset.  —  Aus  gleicher
Quelle  schöpfend  die  Sächsische  Weltchronik  (M.  G.  Deutsche  Chroniken,  II),  212,  217.
Do  dede  de  biscop  des  hertogen  uuillen  unde  let  se  Isc.  de  grafscapl  ime.  —  In
der  Tat  findet  die  Grasschaft  sich  später  stets  in  den  Händen  des  Herzogs.  Darum
ist  die  Darstellung  Alberts  von  Stade,  als  hätten  Adalbero  und  Hartwich  keine  Konzessionen
  gemacht,  eine  bestimmt  unrichtige.  —  Die  ganze  Stader  Angelegenheit  ist
infolge  der  Mangelhaftigkeit  und  des  Widersprechenden  der  Berichte  eine  äußerst
verworrene  und  schwer  zu  beurteilende;  und  deswegen  haben  einige  Erzähler  sogar
an  der  Möglichkeit  der  Darstellung  gezweifelt.  Obwohl  durch  die  neuerdings  veröffentlichten
  Quellen,  Theod.  Mon.  Palid.  und  An.  Bremenses.  nur  wenig  unterstützt,
hoffe  ich  doch,  im  Texte  eine  ziemlich  zusammenhängende  und  annähernd  richtige
Schilderung  gegeben  zu  haben.

II.

a  Böttiger,  Heinrich  der  Löwe,  S.  94,  Anmerk.  105,  behauptet,  schon  im  Jahre  1144
habe  Heinrich  den  Titel  eines  Herzogs  von  Bayern  angenommen;  und  zwar  nach
einer  Urkunde  Orig.  Guelf.  III,  p.  424,  in  der  er  das  Kloster  Nordheim  für  100  Mark
Silbers  von  allen  Forderungen,  welche  Pozzo  von  Plesse  an  dasselbe  gestellt,  befreit.
Indes  wird  schon  durch  den  Herausgeber  der  Orig.  Guelf.,  Scheid  (III,  p.  13,  Anmerkung
  d.)  nachgewiesen,  daß  diese  Urkunde  aus  dem  Jahre  1164  sei.  —  Wohl
aber  nimmt  Heinrich  diesen  Titel  im  Jahre  1146  in  der  Urkunde  Orig.  Guelf.  III.
p.  426  an,  wo  sich  auf  dem  angehängten  Siegel  die  Worte  finden:  Henricus  dux
Saxoniae  et  Bavariae.