Metadata : Fremdwörterbuch von Dr. Daniel Sanders; Band 1; Jahrgang 1891. (1)

VIII

a)  Es  sehlt  uns  ein  Zeichen  für  den  Laut  des  g  im  frz.  génie,  gleich  dem  des  j  im  frz.  jardin.
Wir  haben  dafür,  um  zugleich  vie  Ahnlichkeit  mit  —  und  die  Verschiedenheit  von  —  dem  im  Deutschen
durch  sch  bezeichneten  Laut  anzudeuten,  die  Buchstabenverbindung  sh  gewählt,  also  für  die  oben  erwähnten
französischen  Wörter  (vgl.  §  16)  die  Bezeichnung  sheni;  shardeng  2c.

b)  Für  die  eigenthümlichen  Laute  des  engl.  th  haben  wir  die  Bezeichnungen  dh  und  th  gewählt,
jene  für  das  gelispelte  s,  diese  für  das  gelispelte  ß.

e)  Das  engl.  v  ist  bezeichnet  durch  uw.

d)  In  Wörtern  aus  den  semitischen  Sprachen  (dem  Hebräischen,  Arabischen  rc.)  ist  dasch  immer
als  Kehl-,  nicht  als  Gaumenlaut  zu  sprechen,  d.  h.  so  wie  er  im  Deutschen  (außer  in  der  Verkleinerungssilbe
  chen)  regelmäßig  nach  a;  o;  u;  au  lautet.

e)  Auslautendes  d  und  t  unterscheide  man  in  Wörtern,  wie:  Präparan  d  und  Präparant;  Vigiland
und  Vigilant  2c.

8  14.  Das  in  Fremdwörtern  vorkommende  v,  v  entspricht  regelmäßig  dem  im  Deutschen  durch
wbezeichneten  Laut  und  ist  also,  wo  nichts  Andres  bemerkt  ist,  auch  so  auszusprechen,  vgl.  die  Wörter
auf  iv,  wo  das  v  wie  f  lautet,  aber  bei  Verlängrung  um  eine  oder  mehrere  Silben  den  Laut  des  w  annimmt,
  z.  B.  Metiv  (spr.  motif),  aber:  Moilve,  motivieren  (mit  dem  Laut  w);  ebenso  passiv  (spr.  passif),
Pässiv  (spr.  Pässif),  aber:  Passiva;  passiver  Widerstand;  Passivität  2c.,  so  namentlich  das  Eigenschaftswort
vif,  dazu:  Ein  vives  Regen  und  Treiben  2c.,  vgl.  Vive  Lipr.  wiw]  la  republique  1  2c.

8  15.  a)  In  der  Silbe  ti  mit  tonlosem  i  vor  Vokalen  lautet  in  Wörtern  der  latein.  und  der
romanischen  Sprachen  das  t  in  der  Regel  wie  deutsches  z,  wenn  vor  dem  t  nicht  ein  s.  t  oder  x  steht,  z.  B.
bei  den  vielen  Wörtern  auf  —  tiön,  wie  Abjectiön;  Ablokatiön;  Abolitiön;  Absolutiön;  Abstraktiön;  Natiön  2c.;
ferner:  Abolitionist;  nationäl  2c.;  Justitia  (vgl.  Justi);  Justitiärlius);  Nüntius  2c.;  dagegen  mit  dem  Lant  des
t  nach  s,  z.  B.  in  Söstium;  Ostiärius;  Vestiärius;  Höstke  2c.;  serner  in  mürtio  2c.  und  mit  betontem  i  in
Elephantiasis  r2c.,  wie  Üüberhaupt  in  griech.  Wörtern,  z.  B.:  Antenantköse;  Enantlodromte;  Himätson,  Leöntken;
Pheiditkon;  Syssitlon  rc.

Vgl.  namentlich  Notiön  (lat.,  spr.:  nozion)  und  Notioldg  2c.  (gr.,  spr.:  noti-olög);  ähnlich
Stia  (lat.,  spr.  özia),  als  Mz.  zu  ötium  und:  Htia  (gr.,  spr.  öli-a),  als  Mz.  zu  Stion,  wie
Ottäter  2c.

b)  Bei  vielen  Eigenschaftswörtern  auf  —ant  aus  dem  Französischen  haben  wir  (vgl.  §  16)  das  a
mit  einem  versehn  und  daneben  in  Klammern  die  der  nasalen  Aussprache  des  Französischen  entsprechende
Bez.  —äng  gesetzt,  um  so  anzudeuten,  daß  neben  dieser  frz.  Weise  die  deutsche  (ohne  Nasallaut  mit  tönendem
  t),  nam.  bei  Verlängrungen  vor  einem  e  Platz  greift,  z.  B.:

Elegänt  (frz.  -äng)  u.  ä.  m.

8  16.  Um  zugleich  mit  der  betonten  Silbe  deren  Dehnung  oder  Schirfung  hervorzuheben,  setzen
wir  jedesmal  über  den  Vokal  der  betonten  Silbe,  wenn  er  gedehnt  ist,  das  Zeichen,  wenn  er  geschärft
ist,  das  Zeichen  (was  natürlich  mit  der  Bezeichnung  der  Quantitit  in  der  Ursprache  Nichts  zu  thun  hat),
z.  B.  der  Doͤlior,  die  Doktören,  womit  bezeichnet  ist,  daß  in  der  Einzahl  des  Worts  die  erste  Silbe  betont
und  zugleich  geschärft  ist,  also  auszusprechen,  wie  die  erste  Silbe  des  deutschen  Worts  Decke;  daß  dagegen
in  der  Mehrzahl  die  zweite  Silbe  betont  und  zugleich  gedehnt  ist,  also  auszusprechen  wie  in  dem  deutschen
Wort  Thor  2c.  So  z.  B.  auch  Anatöm;  Astronöm;  Philolög;  Philosöh;  Philosoph##e  2c.,  sämmtlich  mit  betonter
  und  gedehnter  Endsilbe  (wobei  es  uns  hier  nicht  berührt,  daß  die  entsprechenden  Friechischen  Wörter
für  den  mit  §  bezeichneten  Laut  keln  langes  o  oder  o  mega  —  —  sondern  ein  kurzes  o  oder  o  mikron
—  o  —  haben  und  daß  die  Endung  —le  einem  2cr  (Ia)  mit  kurzem  i  entspricht).

8  17.  Ist  der  betonte  Laut  (s.  §  16)  ein  Diphthong  oder  Digraph,  so  haben  beide  ihn  bildende
Buchstaben  das  Dehnungszeichen,  z.  B.  Näm  sausgesprochen  wie  ätu];  Aäron;  Bääl  2c.;  Fes  Allés:  Idẽt  c.;
Barbier;  barbieren;  regieren;  Regisrung  2c.;  Lööp;  Löölse;  Tösn-Bank  2c.;  Bäfram  oder  Beiram;  Mäiran  2c.;
De  oder  Dehj;  Kleidagra;  Peitho  rc.;  Böl  oder  Böh;  #ula;  Näütik  rc.;  Nel#rum;  Rheüma  rc.