Full text: Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

I. Die ständische Reaktion. 410 
Cölln die der bewohnten Häuser von 101 auf 379 gesunken. 
Und diese Häuser, in denen im ganzen noch keine 8000 Ein- 
wohner lebten, waren meist nur Hütten, mit Stroh und 
Schindeln gedeckt und mit Schornsteinen aus Holz oder Lehm. 
Die ungepflasterten Straßen lagen voll Unrat, in dem Schweine 
wühlten. Die Brücken drohten zusammenzubrechen. Wasser ent- 
nahm man elenden Ziehbrunnen. Um das kurfürstliche Schloß 
bewohnbar zu machen, mußte man erst das Dach neu decken: 
da Ziegel fehlten, geschah das mit Dielen. Sein Gefolge 
mußte der Kurfürst fürs erste in Bürgerquartiere legen. Das 
veranlaßte Klagen, wegen deren er zeitweilig nach Küstrin über- 
siedelte. Und anderwärts sah es noch viel schlimmer aus: in 
Frankfurt waren von 1029 Häusern und Bürgern noch 272 
vorhanden, in Prenzlau von 787 noch 107, in der Nenstadt 
Brandenburg von 700 noch 300, in Templin von 308 noch 
40, in Angermünde von 300 noch 29, in Bernau von 302 
noch 85, in Trebbin von 149 noch 24 und so fort, in Treuen- 
brietzen gar von 500 nur noch 30! 
Solchem Elend konnte nur durch einen wirklichen Waffen- 
süillstand mit Schweden abgeholfen werden. Auch der höchste 
Preis, der dafür gezahlt werden mußte, erschien gering gegen 
das immer neue Unheil, das die von den Schweden erhobenen 
Lieferungen und Kontributionen über das Land brachten. Nur 
so durfte man hoffen, diesem wenigstens etwas von seinem 
Getreide, seinem Viehstand, seinem Handel zu retten und seine 
künftige Melioration in Angriff zu nehmen. Bereits Mitte 
April gingen von Götzen und Leuchtmar nach Stettin, um für 
das den schwedischen Garnisonen in der Mark zu Gewährende 
ein bestimmtes Maß zu vereinbaren: dann erst konnte der 
Stockholmer Vertrag vom 24. Juli 1641 praktisch werden. Sie 
begleiteten Deputierte der Stände, um sich zu überzeugen, daß 
günstigere Bedingungen wirklich nicht zu erlangen seien. Auch 
fand man diesmal mehr Entgegenkommen: das stärkere Werben 
des Kaisers um Brandenburg war Johann Orenstierna nicht 
entgangen. So kam am 28. Mai 1643 der Vertrag über den 
Vollzug des Stockholmer Stillstandes zum Abschluß. Gegen 
Zahlung von 10 000 Thalern und Lieferung von 1000 Scheffeln