Dezember 1897. 9
3. Der Dreibund. — Denutschland und Gesterreich.
Sitzung des Reichstages vom 10. Dezember 1897.
Bei der ersten Beratung des Reichshaushaltsetats für 1898/99 hatte der Abgeordnete
Freiherr von Hodenberg (Welfe) in Anknüpfung an die Teilnahme Kaiser
Wilhelms an den Kaisermanövern in Ungarn und an die Anwesenheit in Pest am 20. und
21. September pessimistische Aeußerungen über den Dreibund getan und wörtlich
gefagt:
„Aus der Art und Weise, wie die ungarische Presse diesen Besuch aufgefaßt
hat, und aus dieser Presse geht ganz deutlich hervor, daß der Besuch und die Tage
in Pest dazu gedient haben, der österreichischen Regierung und besonders den
Deutschen in Oesterreich ihre jetzige schwere Lage noch mehr zu erschweren, daß
sie außerdem leicht zu einer Verwickelung zwischen Oesterreich und Rußland
hätten führen können, die gerade jetzt sich freundschaftlich genähert haben, und
außerdem, daß sie das Mißtrauen, was in Oesterreich in den weitesten Kreisen
gegen die Bundestreue des Deutschen Reiches herrscht, wieder aufs neue angefacht
haben. Ans diesem Grunde muß man über die Pester Tage sein Bedauern
ausdrücken.“
Auch hatte derselbe Abgeordnete die Haltung der Deutschliberalen in Oesterreich
als an Landesverrat grenzend bezeichnet. Das veranlaßte den Staatssekretär des Auswärtigen
zu einer kurzen Antwort.
Staatssekretär von Bülowt):
Befürchten Sie nicht, meine Herren, daß ich um diese vorgerückte
Stunde mich anuschicke, ein diplomatisches Duell auszufechten mit dem
Herrn Abgeordneten Freiherrn von Hodenberg. Ich tue dies schon deshalb
nicht, weil ich mir nicht die Fähigkeit zutrauc, so schwerwiegende Fragen
im Handumdrehen erschöpfend zu behandeln. Ich möchte nur in Kürze
konstatieren, daß die Besorgnis des Herrn Freiherrn von Hodenberg, als
ob der Dreibund irgendwie erschüttert wäre, völlig unbegründet ist.
(Bravol)
Der Dreibund erfreut sich des besten Wohlseins, unsere Beziehungen zu
Oesterreich-Ungarn und Italien sind gleich gute, und die Pester Tage
haben nur dazu beigetragen, diese Beziehungen zu konsolidieren.
Hieran knüpfe ich eine Bitte. In der heutigen Diskussion sind mehrfach
die inneren Verhältnisse der österreichisch-ungarischen Monarchie
berührt worden. Wie wir, meine Herren, gegenüber den
internen Vorgängen fremder Staaten innerlich fühlen,
hat jeder mit sich selbst abzumachen; Gedanken sind zollfrei,
und Gefühle sind es auch. Wo aber solchen Gefühlen
1) Sten. Ber. d. R.-T., 9. Leg.-Per., V. Session, 10. Sitzung, S. 235.